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Stadtlauf

03.10.2014

Die Taktik lautet: immer Vollgas

Zwei laufen – einer radelt: Phillip Plesch (Mitte) begleitete Claudia Bregulla und Thomas Gros beim Landsberg Stadtlauf und berichtet, wie es ihnen dabei gegangen ist. 
Bild: Thorsten Jordan

Was die Teilnehmer auf ihrem Weg ins Ziel erleben

Um kurz nach 12 Uhr fiel auf dem Hauptplatz der Startschuss für den neunten Landsberger Stadtlauf. Die rund 550 Teilnehmer gingen über fünf oder zehn Kilometer an den Start, oder nahmen die Halbmarathondistanz in Angriff. LT-Mitarbeiter Phillip Plesch hat Fußballer Thomas Gros über die fünf Kilometer und Triathletin Claudia Bregulla auf ihrem Halbmarathon mit dem Fahrrad begleitet und berichtet.

Um dem Gedränge auf den ersten Metern nach dem Start am Hauptplatz zu entgehen, warte ich am Lech auf das Feld. Bereits nach wenigen Minuten kommen die ersten Läufer, auch Claudia Bregulla befindet sich im vorderen Teil des Feldes. Manche Läufer sind die Sache zu schnell angegangen und ringen schon nach Luft. Dann kommt Thomas Gros um die Ecke. er läuft noch ganz locker und versucht ein gleichmäßiges Tempo zu halten. Nach circa zwei Kilometern geht es in einen kurzen, aber teilweise steilen Anstieg hinauf. Bei Gros schießt der Puls nach oben und auf den nächsten Metern läuft er deutlich langsamer. Gut für mich – so kann ich ihn wieder einholen, nachdem mich das steilste Stück im falschen Gang erwischt hatte.

Auf dem Weg zurück Richtung Innenstadt zieht Bregulla an uns vorbei, obwohl sie bereits eine extra Schleife über einen Kilometer gelaufen ist, um die 21 Kilometer zu erreichen. Trocken nimmt Gros das hin und sagt zu sich: „Typisch Fußballer, keine Ausdauer.“ Zurück am Lech kommen uns die Führenden des Halbmarathons entgegen, die sich schon auf der zweiten Runde befinden. Für Gros geht es auf die letzten Meter der 5 Kilometer langen Runde. In der Altstadt zieht er das Tempo noch einmal an, lässt einige Kontrahenten stehen und spurtet erschöpft ins Ziel.

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Bregulla befindet sich bereits auf ihrer zweiten Runde. Eigentlich wollte sie nur ganz locker laufen, da sie aber nach einer Runde die schnellste Frau war, wird ihr Ehrgeiz geweckt. Und als dann noch die Sonne rauskommt, freut sie sich: „Super, ich liebe es.“ Den Wald durchquert, geht es wieder zum Anstieg. „Wasser“, ruft Bregulla an der Verpflegungsstation. Ein schneller Griff, ein Schluck und weg mit dem Becher. Dieser gesellt sich zu den anderen, die bereits die grüne Wiese schmücken. Die steile Rampe gemeistert, feuert sie sich an: „Nur noch zweimal“, und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Nach einer kurzen Schleife kommen wir zu ihrem Lieblingsteil der Strecke, denn auf dem Weg zurück Richtung Start/Ziel geht es leicht bergab. Eine Taktik hat Bregulla nicht. Sie kennt nur eines: „Immer Vollgas.“ Hohe Belastungen an der Schwelle sei sie vom Triathlon gewohnt.

Nach und nach wird die Strecke immer leerer, da nur noch die Halbmarathonläufer unterwegs sind. „Normalerweise habe ich immer einen Coach dabei, der mir die Abstände durchgibt“, erzählt Bregulla, doch heute muss es ohne gehen. Dafür komme ich in den Genuss, die Zwischenzeiten durchzugeben. Die Anstrengung macht sich immer mehr bemerkbar, doch Bregulla zieht ihren Schritt durch. „Ich denke beim Laufen immer an den Spaß, den ich am Sport habe und fühle mich lebendig“, erzählt sie. Schließlich geht es auf die vierte und letzte Runde. „Mal sehen“, sagt Bregulla, was diese Runde noch so bringe. Denn ein Zwicken macht sich in ihrer rechten Wade bemerkbar. Ein kleiner Muskelfaserriss, den sie sich bei einem Sturz beim Speedskaten zugezogen hat. Ein letztes Mal ruft sie „Wasser“, läuft die Schlussrunde im Windschatten eines Mannes zu Ende und verpasst nur knapp eine persönliche Bestzeit. „Ziemlich platt, aber zufrieden“, hat sie auch im Ziel ihr Lachen nicht verloren. Mit Obst und Kuchen gestärkt, freut sie sich über ihren Sieg in der Damenklasse und gönnt sich im Zielraum eine Massage. Mit dem Fahrrad konnte ich ihr auf der Strecke folgen, zu Fuß wohl nicht. Schmerzen habe ich dafür jetzt im Gesäßbereich.

Zuvor waren noch die Jugendlichen auf die – verkürzte – Strecke gegangen und im Kinderrennen war es um einen guten Zweck gegangen: Kinder laufen für Kinder, lautete die Aktion. Mit-Organisator Markus Buchegger war zufrieden: „Einige Kinder sind sieben Kilometer gelaufen und wollten noch gar nicht aufhören“, erzählt er. 200 Euro wurden so für SOS-Kinderdörfer gesammelt, der Eine-Welt-Laden stockte die Summe auf 500 Euro auf.

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