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Landsberg

12.01.2020

Die schöne Friseurin und das Biest

Regina Gossner ist Friseurin aus Leidenschaft. Die Landsberger hat den Salon „Beauty Beast“, liebt das Mittelalter und pflegt einen besonderen Stil.
Foto: Thorsten Jordan

Regina Gossner erfüllt in ihrem Friseursalon „Beauty Beast“ auch ausgefallene Styling-Wünsche. Warum die Landsbergerin bei sich selbst und ihren Kunden Typveränderungen so liebt.

Fangen wir gleich mit den Vorurteilen an. Wir sehen einen Menschen und ordnen ihn binnen Sekunden ein. Schublade zu. Das kennt Regina Gossner zur Genüge. Wir haben die Landsberger Kult-Friseurin zum Interview getroffen. Ein Gespräch über besonderen Stil, das Handwerk und die Liebe zum Mittelalter.

Es macht Regina Gossner wütend, wenn Leute sie auf ihr Äußeres reduzieren. Sie sieht einfach gut aus. Wow, denkt man, wenn man in das Gesicht der 35-jährigen Friseurin blickt – einfach perfekt geschminkt und gestylt, die Haarpracht in ständig wechselnden Farben. Die bunten Tattoos, die aus dem Dekolleté hervorblitzen und sich die Arme bis zu den Händen herunterwinden, die dezenten Tunnelohrringe. Der kleine Brilli auf dem Eckzahn, der funkelt, wenn sie für den Fotografen lächelt. Eine Frau, die Wert auf ihr Äußeres legt. Das ist zumindest der erste Eindruck.

Die Friseurmeisterin will etwas wagen

Der zweite Eindruck zeigt dann einen Menschen, der sich viele Gedanken macht. Der in der Nacht vor dem Interview mit dem LT kaum schlafen konnte, weil sich „alle möglichen Szenarien“ in seinem Kopf abspielten. So geht es ihr immer, sagt Gossner, sie zerbricht sich den Kopf über das, was möglich ist. „Ich sehe nicht das, was ist, sondern das, was sein könnte.“ Und das ist ein Vorteil in ihrem Beruf. Denn sie will, so sagt sie, das Beste aus ihren Kunden herausholen, auch mal etwas Extremes wagen und ihn oder sie – sofern gewünscht – sogar als Typ total verändern. „Es kam schon vor, dass ein Kind seine Mutter nicht wiedererkannt hat, nachdem sie bei mir war,“ erzählt Regina Gossner.

Oft kommen Leute, bei denen sich andere Friseure nicht getraut haben, einen mutigen Schritt zu wagen. Krasse Haarfarben etwa, einen ungewöhnlichen Schnitt oder wilde Haarteile und Extensions. Aber selbstverständlich beherrscht die Friseurmeisterin neben den radikalen Techniken auch das normale Programm. „Ich sehe innerhalb von drei Sekunden das Potenzial eines Menschen. Was dann umgesetzt wird, entscheidet der Kunde.“

Regina Gossner bezeichnet sich selbst als Spießer

Regina Gossner ist ein Mensch mit einem extrem ästhetischen Empfinden. Ein Anspruch, den sie eben auch an sich selbst anlegt. Sie liebt es, sich aufwendig zu inszenieren, näht üppige mittelalterliche Gewänder für sich und ihren Mann Atilla Gossner und flaniert regelmäßig über die entsprechenden Märkte und Feste in ganz Deutschland. Das Kaltenberger Ritterturnier ist für das Paar „ein Muss“. Aktuell sei übrigens der „Herr-der-Ringe“-Look angesagt.

Das Paar ist, wo es auftritt, ein Blickfang. Und doch sitzt im Interview ein schüchterner, vorsichtiger und zurückhaltender Mensch, der sagt: „Viele denken, ich sei ausgeflippt oder ein Luftikus, doch das Gegenteil trifft zu. Ich bin ein Spießer und total konservativ.“ Aber in allererster Linie sei sie eine Individualistin, „ich möchte nicht in der grau-beigen Masse untergehen, sondern ein Farbtupfer zwischendrin sein“. Es sei so schade, dass sich nicht mehr Menschen ästhetisch mehr trauen würden.

Die ersten „Tattoos“ malte sie mit Filzstift

Gossners Elternhaus befindet sich am Peter-Dörfler-Weg direkt am Lech. Dort hatte ihre Mutter Brigitte Gossner einen eigenen Friseursalon. Auch zwei Tanten väterlicherseits übten das Friseurhandwerk aus, und dem jungen Mädchen war schon früh klar– „Das will ich auch.“ Ebenfalls schon früh malte sie sich – zum Leidwesen des Vaters – mit Filzstift (später mit Henna) bunte Leguane und andere Bilder auf die Haut. Mit 19 dann ihr erstes richtiges Tattoo – „beim Bene.“ Gemeint ist der Landsberger Benedikt Bader mit seinem Tattoo-Studio in der Vorderen Mühlgasse.

Später wechselte Gossner innerhalb des Studios zu Carlos Amorim, einem Gast-Artisten, der sich auf bunte Tattoos im japanischen Stil spezialisiert hat. Die Tattoo-Ideen entwickelt Regina Gossner in der Regel gemeinsam mit ihrem Tätowierer selbst. Japanische Motive inspirieren sie – beispielsweise bei dem Partnertattoo, einer Geisha, das sich über ihren Oberarm und weiter über den Körper ihres Mannes erstreckt.

Unweit des Elternhauses wurde sie fündig

Zurück zur Karriere: Lehre im mütterlichen Laden, Gesellenjahre in unterschiedlichen Salons, Meisterschule, Anstellungen und schließlich, im September 2011, die Eröffnung des eigenen Ladens „Beauty Beast“ im ehemaligen Traditions-Friseurladen Ehelechner in der Hubert-von-Herkomer-Straße. Der jüngste Sohn Michael Ehelechner wollte die Friseurtradition der Familie nicht weiterführen, er arbeitet heute als (Graffiti-)Künstler, einige der Bilder und Airbrushs in Gossners Laden stammen von ihm. Der Salon im Gebäude mit der Hausnummer 114 befindet sich im ersten Stock. Unten lädt eine üppig dekorierte Schaufensterpuppe den Besucher nach oben. Dort sitzt man gemütlich zwischen Orchideen, schmucken Totenköpfen und goldenen Hirschgeweihen. Dazu gibt es rosa Felle und eine herausfordernde Leopardentapete. Ein eigener Style eben.

Der Beruf ist ihr Ventil

„Ich bin ein unruhiger Geist, mir wird schnell langweilig und ich brauche immer eine Aufgabe“, so erklärt Regina Gossner ihr Engagement für Beruf und privates Styling. In der Mittelalter-Szene spricht man übrigens nicht von verkleiden, sondern von „sich gewanden“. Wenn sie sich nicht kreativ austoben könne, dann würde sich die „Energie schnell gegen mich selber richten“, sagt Gossner und berichtet von allerlei früherem „Blödsinn“. Etwa von nächtlichen Autorennen im jugendlichen Alter, „so im Fiat Punto auf zwei Reifen durch die Kurve“. Diese wilden Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. „Heute ist mein Beruf mein Ventil.“

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