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Kräuterbuschenbinden

13.08.2011

Im Zentrum steht die Königskerze

Das Binden von Kräuterbuschen, das Erika Höpfl hier zeigt, hat eine lange Tradition.
Bild: Foto: Julian Leitenstorfer

Kräuterpädagogin Erika Höpfl lehrt den Brauch. Auch Blumen und Getreide finden Verwendung

Rieden Das Binden von Kräuterbuschen hat eine lange Tradition. Am 15. August wird der Buschen mit in die Kirche genommen und vom Priester geweiht. Dann wird er auf dem Dachboden, im Herrgottswinkel oder an einem nicht zu hellen Platz im Haus zum Trocknen aufgehängt. Dort erfreut er die Bewohner bis zum 6. Januar, wenn die Raunächte zu Ende gehen. Aber nicht nur das: Er schützt sie auch, denn alle Pflanzen im Kräuterbuschen erfüllen eine bestimmte Funktion.

„Man sollte einen eigenen Bezug zu den Pflanzen haben, sie aus dem eigenen Garten nehmen oder von den Wegen in Wald und Flur, die man regelmäßig geht“, empfiehlt Kräuterpädagogin Erika Höpfl. „Früher lagen magische Zahlen zugrunde: 7, 9, 15, 77, sogar bis 99 Kräuter wurden verwendet.“ Diese magischen Zahlen gingen zurück bis zu den Assyrern und Babyloniern. „Aber schon vor langer Zeit hielt der Brauch im katholischen Glauben Einzug.“ Durch die Christianisierung und den Einfluss der römischen Traditionen wurde der Brauch des Kräuterbündel-Bindens zu einer christlichen Handlung.

Pflanzen haben jetzt die meiste Kraft

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Der Buschen wird in aller Regel von Frauen gebunden, denn Frauen waren es auch, die an Maria Himmelfahrt, am Todestag der Muttergottes, nicht Maria im Grab vorfanden, sondern Blumen und Kräuter. Daher werden immer auch Frauenkräuter wie Frauenmantel oder Schafgarbe eingebunden. Die beste Zeit, Kräuter zu sammeln, ist seit alters her der sogenannte Frauendreißiger, die Zeit zwischen 15. August (Mariae Himmelfahrt) und dem 8. September (Mariae Geburt): „Jetzt, ab Mitte August, haben Pflanzen und Kräuter die größte Kraft, haben die meisten Sonnenstrahlen abbekommen. Wobei das heuer nicht ganz stimmt“, sagt Erika Höpfl.

Im Zentrum des Buschens steht die Königskerze, auch Muttergotteskerze genannt – sie soll vor Blitzeinschlag schützen. Dazu kommen Holler zur Abwehrsteigerung und Birke für die Weisheit. Darum herum werden zahlreiche Küchenkräuter und verschiedene Arzneipflanzen aus der Natur angeordnet. Gartenblumen wie Rose, Ringelblume, Dahlie, Sonnenhut oder eine Sonnenblume lassen den Buschen bunter werden, im Vordergrund sollen laut Erika Höpfl aber immer die Heilkräuter stehen.

Auch ein Zweig der Eberesche mit den schönen orangefarbenen Beeren macht sich gut. „Die Eberesche ist ein Rosengewächs und hat auch heilende Wirkung“, erklärt die Kräuterpädagogin. Unbedingt dazu gehörten auch Getreideähren, sie stünden für „Brot für alle Lebewesen“ und seien ein Symbol der Dreifaltigkeit. Auch alle Wildkräuter können verwendet werden, sogar die Königin der Wildpflanzen, die Brennnessel: „Die sollte dann aber im Inneren des Büschels sein“, empfiehlt Erika Höpfl.

In den Raunächten wird damit geräuchert

Zieht während des Jahres ein Gewitter auf, zwickt man ein bisschen was vom Kräuterbüschel ab und wirft es als Schutz ins Herdfeuer. In den Raunächten (beginnend mit dem 25. Dezember und endend mit dem Dreikönigstag) wird der ganze Buschen in einem geeigneten Gefäß verräuchert, man geht damit durch Haus und Stall und bittet so um Schutz und Segen für Menschen und Tiere.

Auch die Wintergeister werden dadurch vertrieben und das (im Idealfall vorher geputzte) Haus wird gereinigt und desinfiziert.

Erika Höpfl sieht ihre Aufgabe als Kräuterpädagogin darin, alte Pflanzen und die Artenvielfalt zu erhalten.

Auf dem Jackelhof, erbaut 1508 und heute ein Naturland-Biohof mit Milchvieh, gibt es daher einen großen Garten mit vielen Pflanzen. Da Höpfl nicht nur Bäuerin und Kräuterpädagogin, sondern auch Hauswirtschaftsmeisterin ist, ist ihr auch gutes Essen ein Anliegen. „Ich möchte den Menschen altes Wissen wieder näherbringen, dabei lege ich auch einen kulinarischen Schwerpunkt, denn mit Wildkräutern kann man ja ganz hervorragend und gesund kochen“, schwärmt sie.

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