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Orgelsommer

04.07.2018

Ist Barock allein zu wenig?

Die Welt des Barock: An der Orgel Silvano Rodi in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Einige Zuhörer waren etwas ratlos beim Konzert

Manch einer der rund 150 Zuhörer vom zweiten Konzert des Landsberger Orgelsommers ging am Samstagmittag etwas ratlos aus der Stadtpfarrkirche. Silvano Rodi, Organist aus Nizza, bot ein monothematisches Programm. Nur barocke, spätbarocke und klassische Orgelliteratur interpretierte der 57-Jährige gebürtige Italiener. Das wundert nicht, ist doch Rodi Mitglied des „Collegium Musicum Alpazur“, einer Vereinigung, die sich der Interpretation Alter Musik auf originalgetreuen Instrumenten widmet. Die Epoche des Barock ist nun mal die Blütezeit der Orgelmusik und ein weites Forschungsfeld.

Doch viele Orgelfreunde sind begeistert von den mächtigen französischen Werken des 19. Jahrhunderts. Die großen Komponisten wie Charles-Marie Widor oder Louis J. A. Lefébure-Wély prägen für viele das Bild der Orgel. Sie sind im Orgelsommer aber oft vorgetragen worden.

Mit einem Concerto aus Opus 9 Nr. 12 von Angelo Corelli ließ er sein Konzert beginnen. Mit einem Concerto in h-Moll von Antonio Vivaldi, Ryom Verzeichnis 275 beendete Rodi den Vormittag in Mariä Himmelfahrt.

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Diese beiden bildeten die musikalische Klammer. Die Orgelfassung von Corelli besorgte der Engländer Thomas Billington. Ungewöhnlich ist übrigens, dass Corelli ausschließlich Instrumentalwerke verfasste. Die reizvolle Melodie des Adagios von Corellis Concerto stand hier im Vordergrund und Silvano Rodi spielte mit wenig Pedal. Das Allegro dagegen ist hübsch mit einer Begleitmelodie in der linken Hand gehalten. Insgesamt ein gelungenes Werk. Die Sarabande besonders beeindruckend mit ihren Staccato-Akkorden.

Die „Follia“ (oder auch „Folia“) eines anonymen Komponisten im Anschluss ist ursprünglich eine „lärmende Lustbarkeit“. Wie spielt doch hier der Künstler die gleiche Melodie in unterschiedlicher, aber nicht voller Registrierung. Mal schnarrend, mal langsam, mal schnell, mal nur mit Flöten.

Allerdings muss man wissen, dass zwar der Originalklang auf alten Instrumenten durchaus zu hören ist, doch über die Registrierung und die Tempi einer Komposition ist uns bis in die Zeit Johann Sebastian Bachs hin, nur Spärliches bekannt. Weniger Barock und dafür schon richtig klassisch die flotte „Sonata ad uso offertorio“ von Niccolò Moretti (1764 - 1821). Man mag es kaum glauben, dass dieses Werk im Zusammenhang mit einer Messe gespielt werden konnte, wie der Name „zum Gebrauch bei der Gabenbereitung“ sagt.

Ein hübsches Rondo aus der Feder von Domenico Puccini folgte. Einige mögen vom Kukuckrufen, vom Vogelgezwitscher und vom Glockenspiel der Orgel gelangweilt sein, weil die beliebige Abrufbarkeit von Klängen aller Art im Zeitalter von YouTube endemisch ist. Aber vielleicht muss man sich in die Zeit der Entstehung dieser Musik zurückversetzen, um zu verstehen, welchen Reiz eine „Sinfonia agreste“ ausgelöst hat.

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