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Energiewende

09.11.2019

Mehr Personal für den Klimaschutz?

Vertreter aus allen vier Landkreisen arbeiten an dem möglichen Konstrukt „Energieagentur“ (von links): Wolfgang Buttner, stv. Vorsitzender und Berthold Lesch, Vorsitzender (LENA Landsberg), Josefine Anderer-Hirt (Klimaschutzmanagement Starnberg), Max Keil und Gottfried Obermair (ZIEL 21 Fürstenfeldbruck), Lisa Artmaier (Klimaschutzmanagement Dachau), Katrin Ziewers (Klimaschutzmanagement Fürstenfeldbruck), Ernst Deiringer und Dr. Walter Kellner (ELS Starnberg) und Herbert Schwarz (Energie- und Umweltberatung Starnberg). Foto: Lena

Das ehrenamtliche Engagement stößt an Grenzen. Deshalb wird jetzt überlegt, die Landkreise stärker in die Pflicht zu nehmen

Wird der Klimaschutz in den nächsten Jahren zu einer professionell gemanagten Gemeinschaftsaufgabe mehrerer Landkreise im westlichen Oberbayern? Darauf arbeitet jedenfalls die Landsberger Energieagentur (Lena) mit zwei Energiewendevereinen in Fürstenfeldbruck und Starnberg hin. Denn, so die Erkenntnis des Lena-Vorsitzenden Berthold Lesch, allein mit einer Klimaschutzmanagerin und einer Handvoll Ehrenamtlicher werde man die Energiewende in der vorgegebenen Zeit nicht hinbekommen.

Deshalb werde jetzt eine landkreisübergreifende professionell arbeitende Energieagentur angestrebt. Mit zwei Möglichkeiten habe man sich bei einem Treffen der Energievereine aus Landsberg, Fürstenfeldbruck und Starnberg beschäftigt, berichtete Lesch: Denkbar wäre zum Beispiel eine Organisation nach dem Vorbild des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza).

Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige GmbH. Diese habe jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie müsse eigene Geschäftsfelder auftun, um sich zu finanzieren.

Favorisieren würde man daher das Modell der Energieagentur der Landkreise München und Ebersberg, denn diese finanzierten die Landkreise. Und das ist durchaus mit einem gewissen Kostenaufwand verbunden: In der dortigen Agentur sind laut Lesch inzwischen zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Zum Vergleich: In Landsberg, Fürstenfeldbruck und Starnberg seien in den Energiewendevereinen nur Ehrenamtliche tätig, dazu gibt es in den Landratsämtern hauptamtliche Klimaschutzbeauftragte. In Landsberg seien bei Lena im Wesentlichen vier Rentner und zwei Selbstständige tätig, daneben noch eine Reihe Berufstätiger, die sich in der Regel nur abends einbringen können. In Dachau, dem vierten Landkreis, der sich an einer landkreisübergreifenden Energieagentur beteiligen könnte, gebe es nicht einmal einen Verein mit Ehrenamtlichen.

In einer landkreisübergreifenden Energieagentur sieht Lesch zahlreiche Vorteile: Die Themen seien in allen Landkreisen im Prinzip die Gleichen, in einer größeren Energieagentur könnten Spezialisten tätig werden: So kümmere sich in München und Ebersberg eine Person speziell ums Energiesparen bei Sportplatzbeleuchtungen. Oder man könne neben Umwelt- und Energiefachleuten auch einen Juristen beschäftigen, der sich mit Förderprogrammen auseinandersetze. Apropos Förderung: Für eine landkreisübergreifende Energieagentur könnte laut Lesch auch sprechen, dass der Freistaat für viele Projekte erst ab einem Einzugsgebiet mit mindestens 250000 Menschen staatliche Unterstützung gewähre.

Und wie soll eine solche Energieagentur im westlichen Oberbayern konkret auf den Weg gebracht werden? „Unser Wunsch wäre, wenn die Idealbedingungen gut laufen, dass wir vor den Haushaltsberatungen für 2021 in die Kreistage gehen und das vorstellen“, sagt Lesch, „Anfang 2021 könnte man anfangen zu arbeiten und dann kann man die Stellen langsam aufwachsen lassen.“ Lesch geht davon aus, dass die Mitfinanzierung einer solchen Agentur den Landkreis Landsberg im Jahr einen niedrigen sechsstelligen Euro-Betrag kosten würde – es wäre damit die finanzielle Größenordnung, die auch der jüngst vom Kreistag befürwortete Landschaftspflegeverband kosten dürfte.

Der Klimaschutz, das betonte Lesch erneut, sei eine umfassende gesellschaftliche Herausforderung: „Je mehr ich im Klimaschutz schaffe, desto geringer sind die Probleme in allen anderen Bereichen.“ Oder mit Blick auf besagten Landschaftspflegeverband anders ausgedrückt: „Was mache ich dann noch mit einem Landschaftspflegeverband, wenn mir das Klima um die Ohren fliegt.“ (ger)

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