1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Spielerische Leichtigkeit

Ausstellung

21.09.2016

Spielerische Leichtigkeit

Egon Stöckle im Malura Museum mit Innenglanz, Blühendem Garten und Kopf. Material: Marmor und Bronze.
Bild: Birgit Kremer

Die Wegbeschreibungen von Egon Stöckle

Der Platz reicht beinahe nicht aus, um all die Besucher aufzunehmen, die trotz des ausgesprochen ungemütlichen Herbstwetters ihren Weg in das Malura Museum in Oberdießen zur Eröffnung der 60. Sonderausstellung gefunden haben. Kein Wunder, werden doch unter dem Titel „Wegbeschreibung“ insgesamt 29 Arbeiten des Bildhauers Egon Stöckle gezeigt, die repräsentativ für das reiche Oeuvre des Künstlers stehen.

Schon der Auftakt gelingt auf das Allerbeste, denn statt der bei einer Vernissage obligatorischen Rede führt ein persönliches Gespräch zwischen der Bildhauerin Lore Kienzl und Egon Stöckle in die Ausstellung ein. Und die Fragen, mit denen sich der Künstler konfrontiert sieht, haben es durchaus in sich. So möchte Lore Kienzl wissen, ob man Kunst überhaupt lehren beziehungsweise lernen kann oder ob Kunst ohne Bildung überhaupt möglich sei. In seinen Antworten lässt der Bildhauer den Philosophen erkennen. Mit der ihm eigenen Gelassenheit beantwortet er die Fragen souverän, obwohl, wie er im persönlichen Gespräch meint, das Reden seine Sache eigentlich nicht sei.

Und doch, beantworten seine Arbeiten viele der Fragen nicht bereits selbst? Dem aufmerksamen Betrachter bleibt nicht verborgen, dass die Kunst letztlich im Künstler angelegt ist. Er ist es, der die „idea“ in das Materielle übersetzt und sie in der Realität Gestalt annehmen lässt. Und so sagt auch Egon Stöckle, dass er seine Bildideen in sich selbst und in seinem Material findet, sie seien „eben da“. Gerade jedoch in der Bildhauerei bedarf es für die Umsetzung dieser Ideen fundierter handwerklicher Kenntnisse, ohne die weder ein Bronzeguss noch die Bearbeitung von Stein oder Holz gelingen kann. Ein guter Bildhauer ist daher immer beides, Künstler und Handwerker.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Großen Wert legt Egon Stöckle auf die Offenheit und Interpretierbarkeit seiner bildhauerischen Arbeiten. Ihn interessiert immer auch das, was der Betrachter sieht, alle Facetten machen das Kunstwerk erst zu einem Ganzen. Diese Offenheit kommt auch in den von ihm gewählten Motivkreisen zum Ausdruck. Mit spielerischer Leichtigkeit lässt der Künstler beispielsweise aus Fundstücken Gesichter entstehen. Die Freude über deren gelungene Gestaltung teilt sich dem Betrachter unmittelbar mit und lässt ihn gewissermaßen im Nachgang am kreativen Prozess teilhaben. Seine trotz ihrer Massivität eleganten Türme beeindrucken immer wieder aufs Neue durch ihre nur scheinbar spontane, dabei jedoch klug durchdachte Formgebung. Dazu trägt nicht zuletzt die Nobilitierung einzelner Partien mit Schlagaluminium bei, dessen Farbigkeit Akzente setzt, ohne die Struktur und das Alter des Holzes zu verleugnen. Auch die Bronzen überzeugen durch ihre haptische Sinnlichkeit, ganz selbstverständlich nehmen sie ihren Platz im Raum ein. Überhaupt scheinen die Arbeiten von Egon Stöckle zwischen Spielfreude, Sinnlichkeit und Selbstverständlichkeit zu oszillieren. Wie in einem magischen Dreieck bewegen sich seine Skulpturen in diesem Raum und öffnen sich ohne jede Scheu dem Betrachterblick.

Egon Stöckle hat in seiner Zeit als Bildhauer bereits einen langen künstlerischen Weg zurückgelegt und mit Gewinn folgt auch der Betrachter den einzelnen Stationen dieser „Wegbeschreibung“. Mehr noch, der Wunsch, dieser Weg möge so bald kein Ende nehmen, nimmt beim Abschreiten der diesen Weg markierenden Objekte stetig zu.

1936 in Kaufbeuren geboren, studierte Egon Stöckle zunächst Philosophie und Theologie, bevor er ein Studium an der Kunstakademie unter Professor Heinrich Kirchner absolvierte. Der Künstler ist mittlerweile über ein halbes Jahrhundert als freischaffender Bildhauer tätig, er lebt und arbeitet seit 1978 in Hohenfurch bei Schongau. Skulpturen von Egon Stöckle sind nicht nur immer wieder auf Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, sondern ebenso im öffentlichen Raum präsent, so zum Beispiel in München, Augsburg und Günzburg. Daneben bietet der Künstler regelmäßig Bildhauerkurse an.

Die Arbeiten von Egon Stöckle sind bis zum 30. Oktober jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung im Malura Museum zu sehen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren