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Festakt

23.10.2017

Vom gemeinsamen Klang der Religionen

Babak Farrokhzad, Marion Menzel und Barbara Schönhofer (von links) erklärten anhand von Beethovens „Missa Solemnis“ den gemeinsamen Klang der Religionen.
Bild: Hertha Grabmaier

Die Bahá’í-Gemeinde feierte den 200. Geburtstag ihres Stifters Bahá’u’lláh. Was das mit Beethoven zu tun hat

Sechs Millionen Mitglieder der Bahá’í-Gemeinden erinnerten weltweit an den 200. Geburtstag ihres Religionsgründers Bahá’u’lláh, der sich zeitlebens für Frieden unter den Völkern und Religionen einsetzte. Die 35 Mitglieder der Landsberger Gruppe, die sich, da priesterlos, regelmäßig im häuslichen Umfeld treffen, luden zum perfekt vorbereiteten Festakt unter dem Motto „Der gemeinsame Klang der Religionen“ in den voll besetzten Bibliothekssaal des Agrarbildungszentrums.

Im Mittelpunkt stand eines der anspruchsvollsten Werke der Chorliteratur, die Missa Solemnis in D-Dur, op. 123 von Ludwig van Beethoven, deren Entstehung ebenfalls 1817 begann und die der Komponist selbst als sein vollendetstes Werk bezeichnete und die Bahá’í-Gruppe als Anlage universaler Religiosität. Marion Menzel führte mit erklärenden Beiträgen durch das Programm im Beisein von Oberbürgermeister Mathias Neuner, Claudia und Axel Flörke, zahlreichen Kirchenvertretern und einem Publikum, das ein Flair des Friedens spüren sollte, wie sich Babak Farrokhzad ausdrückte, als er den Besuchern seine Auslegung der fünf Sätze der Missa Solemnis näherbrachte.

Beethoven bezeichnete er als Vorreiter der deutschen Leitkultur, der sich jedoch auch durch andere Religionen habe inspirieren lassen. Als tief gläubigem Menschen seien ihm fünf Punkte wichtig gewesen, die er, ausgehend von der Allmacht Gottes über die Ergebenheit in dessen Willen zu innerem und äußerem Frieden zu gelangen, in Konversations- und Tagebüchern festhielt, aus denen Barbara Schönhofer während der Musikpausen las.

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Die Kirchenmusikerin Marianne Lösch sensibilisierte die Zuhörer mit einem einführenden Präludium am Flügel vor jedem Satz und als Zwischenspiel für die Aufzeichnung des österreichischen Rundfunks. Es war eines der letzten großen Konzerte mit dem 2016 verstorbenen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt und seinem Lieblingsensemble Concentus Musicus, Wien, und dem Arnold Schoenberg Chor, dessen Solisten auf hohem Niveau vom zarten, klagenden Kyrie mit seinen getragenen Choralpassagen ins geheimnisvolle, feurige Gloria übergingen, das die Unbegreiflichkeit und Allmacht Gottes beschreibt. Die Ergriffenheit über die Erscheinung Christi drücke Beethoven im Credo aus, so Farrokhzad. Die Doppelnatur Christi als Gottes- und Menschensohn stelle dieser musikalisch dar, indem er zweimal das Ritornell als Signal installierte, auf den immer lauter werdende Anrufungen bis zu einer Kulmination auf das Wort „Patris“ folgt, das dann von einer leisen Passage abgeschlossen werde. Farrokhzads Interpretation zum Sanctus ist die Vergegenwärtigung von Gottes Heiligkeit, die Ergebenheit erzwinge. Im Agnus Dei deute Beethoven an, dass innerer und äußerer Friede durch die Wechsel des Lebens immer wieder erarbeitet werden müssten.

Im Kontext der Musik trugen Mitglieder verschiedener Religionsgemeinschaften Texte aus den Heiligen Schriften des Hinduismus, des Judentums, des Christentums, des Islam und aus den Bahá’i-Schriften zum Lobpreis Gottes vor. Nach dem flehenden „Dona nobis pacem“ traten einige Besucher in eigene Gedanken versunken wortlos den Heimweg an, die anderen versammelten sich vor dem Saal zum gegenseitigen Kennen- und Verstehenlernen. (gra)

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