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Theater I

21.05.2019

Von Mut und Selbstlosigkeit

Das Schicksal jüdischer Familien im Warschauer Getto hat das Musiktheater Robinson in einem Theaterstück aufgegriffen. Es war im Rahmen der Kreiskulturtage im Stadttheater zu sehen.
Bild: Thorsten Jordan

Das Musiktheater Robinson zeigt ein Stück über das Warschauer Getto und eine mutige polnische Krankenschwester

27 Kinder und Jugendliche lassen das Schicksal der Kinder im Warschauer Getto wieder lebendig werden: Mit dem Musiktheaterstück über Irena Sendler, einer polnischen Krankenschwester, die im Zweiten Weltkrieg 2500 Kinder aus dem Warschauer Getto hinausschmuggelte, ist es den jungen Künstlern mit Gesang, Musik und Schauspiel gelungen, ihr Publikum emotional zu bewegen.

Im von Nathalie Robinson geschriebenen und vertonten Stück, dem eine wahre Geschichte zugrunde liegt, wechselten sich Erzähler und Chor ab. Nathalie Robinson begleitete am Klavier, Hannah Moreth, Valentin Eikemeyer und Ella Rathmann mit Geige, Bratsche und Violoncello. Unermessliches Leid, Angst, Trauer, Hoffnungslosigkeit, aber auch Mut, Wut, Selbstlosigkeit und Nächstenliebe wuchsen in dem Stück zusammen zu einem großartigen Beispiel dafür, dass die größte Ungerechtigkeit immer auch eine Gegenbewegung hervorruft.

So wie die der Krankenschwester Irena Sendler, die täglich ihr Leben aufs Spiel setzte, um so viele Kinder wie möglich an einen sicheren Ort zu bringen, zu polnischen Familien, in Klöster und Waisenhäuser. Aber auch die Zegota gründete sich, eine Untergrundorganisation im deutsch besetzten Polen, die unter der Schirmherrschaft der polnischen Exilregierung stand. Sie rettete Tausende von Juden aus dem Getto und besorgte gefälschte Papiere.

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„1940 wurde eine drei Meter hohe Mauer gebaut, 18 Kilometer lang. Dahinter entstand eines der größten Sammellager“, berichten die Erzähler des Musiktheaters. „Immer enger wird das Netz, Leid und Tod bringt das Gesetz“, singt der Chor. Monat für Monat sterben Tausende an Hunger, Flecktyphus breitet sich aus. Ab einem Alter von zwölf Jahren müssen Kinder den Davidstern tragen. Viele sind völlig auf sich allein gestellt. Kurzes Vergessen des Leids bilden Konzerte in Hinterzimmern oder Kellern. Unter die Haut geht die Szene der werdenden Mutter, die sich fragt: „Wie bring ich ein Kind auf diese Welt, die in sich zusammenfällt?“

Robinson sind eindrucksvolle Szenen gelungen, die tief berühren. So die Mütter mit ihren Neugeborenen im Arm, die die schwere Entscheidung treffen müssen, ihr Kind in fremde Hände zu geben, um es vielleicht vor dem Tod zu bewahren. „Du bist doch grad erst angekommen, erst 20 Stunden alt, und wirst doch mir schon genommen“, singen sie. Jeden Tag setzt sich Sendler tragischen Abschiedsszenen und der Gefahr aus, selbst entdeckt zu werden. Und tatsächlich gerät sie ins Visier der Gestapo, sie wird drei Monate inhaftiert und gefoltert, verrät jedoch nichts.

Der Theaterabend endete mit Erzählungen von Nachfahren, die sich an Geschichten ihrer Großeltern erinnern, die einst aus dem Getto gerettet worden waren – ein großartiger Moment, der noch einmal deutlich machte, welches schwere Los die Kinder im Getto hatten. Zwar geht der Besucher mit einem Kloß im Hals nach Hause, doch auch mit viel Zuversicht darauf, dass – wo böse Kräfte wachsen – im Gegenzug viele Menschen zu selbstlosen Taten bereit sind.

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