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Motorsport

12.02.2019

Ein Kaufbeurer erlebt die Rallye Dakar hautnah

Stéphane Peterhansel und Beifahrer David bei ihrem Unfall bei der Rallye Dakar.
Bild: Ricardo Mazalan/AP (dpa)

Wie Andrea Peterhansel und Thorsten Kaiser aus Kaufbeuren die Rallye Dakar erlebten und welche Vorhaben nun anstehen. Darunter könnte auch ein Familienprojekt sein.

„Kleine Gelegenheiten sind oft der Anfang zu großen Unternehmungen“, meinte schon der griechische Redner Demosthenes. Die Rallye Dakar 2019 war für zwei Kaufbeurer eine kleine Gelegenheit: Andrea Peterhansel nutzte sie, um zum vierten Mal mit einem neuen Gefährt ihre Karriere fortzusetzen. Thorsten Kaiser startete seine Mechaniker-Karriere bei Andrea Peterhansel – nun beendet er wohl nach 20 Teilnahmen sein Engagement bei der Rallye.

Für beide Kaufbeurer (mittlerweile wieder zurück aus Peru, wo die Rallye heuer gefahren wurde) war es zugleich eine Premiere. Andrea Peterhansel – besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Mayer – gewann die Frauenwertung bei der Dakar öfter mit dem Motorrad, stieg dann in ein Fahrzeugcockpit um und schaffte als Pilotin sowohl im Auto (beste Platzierung: 5.) und im Truck die Zielankunft. Heuer war die 50-Jährige Co-Pilotin von Annett Fischer in einem Side-by-Side (SxS). „Eine Art Buggy, die sich aufgrund ihrer geringeren Kosten immer größerer Beliebtheit erfreuen und mit über 60 Fahrzeugen bei der diesjährigen Dakar eine eigene Klasse bildeten“, berichtet Peterhansel.

Andrea Peterhansel ist die Frau des Rekordsiegers

Sie lebt inzwischen mit ihrem Ehemann Stéphane, Rekordsieger der Dakar, im schweizerischen Montana. Das Paar wollte ursprünglich gemeinsam an der Dakar teilnehmen: „Nach 30 Jahren Rennsport stand ich vor der Entscheidung, aufzuhören, wie bisher mit meinem Beifahrer Jean-Paul Cottret weiterzumachen oder eine ganz neue Challenge einzugehen. Ich hab mich für Letzteres entschieden und bin überzeugt, dass ich mit Andrea ebenfalls Chancen habe, um den Sieg mitzufahren“, erklärt der 13-fache Dakar-Sieger. Doch eine Verletzung von Andrea beendete das Vorhaben, gemeinsam in einem Team zu fahren – vorerst.

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Um trotzdem Erfahrung zu sammeln, meldete sich Andrea Peterhansel als Navigatorin für ein Side-by-Side-Gefährt bei der Dakar. Pilotin im Team X-Raid war die 34-jährige Sport-Physiotherapeutin Annett Fischer aus Berlin. Als Mechaniker kam Kaiser hinzu. Der 41-Jährige schraubte schon voriges Jahr für X-Raid, zuvor war er jahrelang bei der Dakar Chefmechaniker im eigenen Team und fuhr selbst auf dem Motorrad Rallyes – so ist er Rekordsieger der Tuareg Rallye. Die Arbeit heuer führte ihn wieder zu seinen Ursprüngen zurück: „Mit Andrea hat 1996 alles begonnen. Gemeinsam mit Holger Roth aus Sonthofen war ich damals für sie Mechaniker bei der Marokko-Rallye, und das hat mein Leben ganz schön verändert“, erinnert sich Kaiser.

Die Rallye war kurz, aber sandig

Als alte Dakar-Hasen erlebten die Kaufbeurer heuer trotzdem eine Premiere. „Wir hatten kaum Zeit zur Vorbereitung“, berichtet Kaiser, „aber die Idee war zu verrückt, als dass ich Nein hätte sagen können“. Heuer ging die Rallye über 5600 Kilometer – knapp 3000 davon als Sonderprüfung – erstmals nur durch ein Land: Peru. „Auf dem Programm standen 100 Prozent Sand, Dünen und der gefürchtete Fesch – eine mehlartige feinpudrige Sandschicht, in welcher man gern stecken bleibt und vor allem für mehrere hundert Meter keinerlei Sicht hat“, erzählt Peterhansel.

Wegen des Sandes sei die Rallye trotz der Kürze extrem anspruchsvoll gewesen. „Wir sind zum Teil über mehrere hundert Meter im absoluten Blindflug gefahren. Wie eine Welle flutet der mehlige Sand das Auto, und weil wir weder Fenster noch Windschutzscheibe haben, sitzen wir mittendrin. Der Puder verteilt sich überall“, beschreibt Fischer ihre Fahrten. Für Kaiser bedeutete das: Arbeit. „Ich war sehr froh, dass Thorsten dabei war. Er hat einen super tollen Job gemacht, unser Auto war jeden Tag perfekt vorbereitet, er war immer für uns da und auch nach durchgeschraubten Nächten immer mit einem Lächeln bereit für den nächsten Tag. Er war wirklich unglaublich, ohne ihn hätte vieles vielleicht anders ausgesehen“, lobt Peterhansel.

Ob der Kaufbeurer Thorsten Kaiser weitermacht?

Die Mühe lohnte sich, denn das Team kam durch, gewann die Frauenwertung, wurde 14. bei den SxS und 39. des Gesamtklassements. Dagegen musste Peterhansels Ehemann aufgrund einer Verletzung seines Beifahrers aufgeben.

Al-Attiyah gewinnt zum dritten Mal Rallye Dakar

Doch Stéphane will noch ein Alleinstellungsmerkmal anpeilen: Den ersten Sieg eines Ehepaars bei der Dakar. „Jetzt steht erst einmal ein Test für Peterhansel/Peterhansel auf dem Programm, um zu sehen, ob ich den Anforderungen in einem schnellen Auto gewachsen bin“, erzählt Andrea. Kaiser dagegen spekuliert mit seinem Rückzug: „Irgendwie schließt sich der Kreis – mit Andrea hat es begonnen und mit ihr kann es hier enden“, sagt der Kaufbeurer.

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