Unterwegs mit einem vierbeinigen Profischnüffler

20.02.2018

Superspürnase Mäx

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Professor Mäx in Aktion: Der Hund erkennt sofort, wenn ein Baum von einem Pilz befallen ist.
Bild: Armin Weigel, dpa

Der Hund Mäx kann riechen, ob ein Baum von Pilz befallen ist. Und hat damit einen verantwortungsvollen Job

Mäx ist Profischnüffler – der Hund erkennt am Geruch, ob Bäume von Pilz befallen sind. Aufgeregt läuft er eine Allee entlang, wieselt schwanzwedelnd um jeden einzelnen Stamm herum. An einem Baum kratzt er aufgeregt an der Rinde und setzt sich. Für sein Herrchen ist das das Zeichen: Der Baum ist befallen. Edgar Wenisch packt eine Tube mit Leberwurstcreme aus der Jackentasche und lässt Mäx daran schlecken. Bei gesunden Bäumen macht der Hund etwas entfernt Platz. Das heißt: alles okay. Und wieder gibt es für den Vierbeiner eine Belohnung.

Der Oberpfälzer Edgar Wenisch ist Baum-Sachverständiger – und Mäx sein treuer Geselle. Nein, für Edgar Wenisch ist Mäx mehr als ein treuer Geselle: „Er ist mein bester Freund.“ Vor zwei Jahren hat der Hund – ein Kleiner Münsterländer – die Prüfung zum Gehölzpathogen-Spürhund abgelegt. Die Ausbildung dauerte eineinhalb Jahre und fand im niedersächsischen Gorleben statt. Mehrmals reisten Wenisch und Mäx zu Blockseminaren ans andere Ende der Republik. Sonst trainierten sie daheim in Konnersreuth (Kreis Tirschenreuth). Hier hat Wenisch sein Büro, von hier aus ist er vor allem im deutschsprachigen Raum, aber auch europaweit unterwegs, um Bäume zu prüfen. Wenisch ist sichtbar stolz auf seinen Hund, der sich im Büro unter dem Schreibtisch ausstreckt oder den Besuchern zutraulich seinen Kopf auf die Knie legt.

Mäx suche nach den 30 aggressivsten Baumpilzarten, erzählt Wenisch. Zu jeder hat der Experte ein Glas mit einer Geruchsprobe im Auto. Vor einem Einsatz lässt er Mäx an dem Glas des jeweiligen Pilzes riechen, nach dem er suchen soll. Dann geht es los. „Der Hund täuscht sich nie.“ Laut Ausbilderin Dana Schneider sind im Grunde alle Hunderassen als Gehölzpathogen-Spürhund geeignet. Jagdhunde ließen sich aber besonders gut dafür trainieren, sagt sie.

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Gefragt sind die Dienste von Wenisch und Mäx unter anderem von Gerichten, Kommunen und Privatleuten. In vielen Fällen geht es um Haftungsfragen. Wenn beispielsweise ein schwerer Ast auf ein Auto fällt, dann erstellt Wenisch ein Gutachten, ob der Baumbesitzer das vorher hätte merken müssen und das Unglück zu verhindern gewesen wäre. Oder er testet im Auftrag einer Kommune Bäume an einer Allee oder in einem Park, ob sie noch standsicher sind. Christopher Busch, Fachagrarwirt für Baumsanierung beim Bund Naturschutz in Nürnberg, kennt die Problematik. Er berät Eigentümer von Bäumen. Sie seien verantwortlich dafür, dass von ihrem Baum keine Gefahr für Dritte ausgeht. Wenn ein Privatmann seinen Baum einmal im Jahr in Augenschein nimmt, feststellt, dass er vital aussieht und kein Totholz hat, das notiert und abheftet, dann hat er der Verkehrssicherungspflicht zunächst Genüge getan – so bringt es Busch auf den Punkt.

Zeige ein Baum Auffälligkeiten, empfehle es sich, einen Experten hinzuzuziehen. Und genau das sei nicht ganz einfach. Nicht jeder Waldarbeiter sei zugleich ein Experte für Bäume im städtischen Raum, sagt Busch. Straßen, Häuser, Streusalz – Bäume in Städten müssten sich an völlig andere Lebensumstände anpassen als solche im Wald. Ein Laie würde einen Baum meist früher fällen lassen als ein Fachmann. Denn auch mit einem Pilz könne ein Baum unter Umständen noch viele Jahre stehen bleiben. Das sagt auch der Sachverständige Wenisch. Ein Baum könne sich gegen einen Pilz wehren.

Was er sich jedoch nicht aussuchen könne, sei sein Standort. „So mancher Baum würde wohl weglaufen, wenn er es könnte“, sagt Wenisch. Wenn sein Hund an einem Baum einen Pilz feststellt, unternimmt er zunächst weitere Tests wie Schalltomografie oder einen Zugversuch. Dabei werden Gurte an den Baum gespannt und daran gezogen. So lässt sich die Standsicherheit überprüfen. Wenisch ist Forstwirtschaftsmeister und öffentlich bestellter Sachverständiger für Baumpflege und Verkehrssicherheit von Bäumen. Unterstützt wird er von Mäx. Wenn dieser an einem Baum schnüffle, „sieht man, wie in ihm alles rattert. Ich sage oft Professor Mäx zu ihm“. Der Vierbeiner nimmt den Job sehr ernst - aber nur, weil er danach eine Belohnung bekommt. Mäx interessiere sich weder für den Baum noch für den Pilz, sagt Wenisch. „Ihm geht’s nur um die Leberwurstcreme.“

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