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denkwürdig(Serie, Teil 3)

14.08.2011

An dieses Haus traut sich niemand ran

Denkmäler.eps
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Das ehemalige Pfarrhaus Köngetried ist ein hochkarätiges Baudenkmal, aber es steht seit Jahren vergeblich zum Verkauf. Seine Überlebenschancen sind schlecht

Unsere Sommerserie „denkwürdig“ beschäftigt sich mit Gebäuden im Landkreis Unterallgäu, die unter Denkmalschutz stehen. Wir wollen die Besonderheiten dieser Häuser, Kirchen und Schlösser ein wenig ins Licht rücken und zeigen, wie die Besitzer damit und manchmal auch darin leben.

Köngetried Im Garten wächst das Unkraut, die Büsche wuchern die Südfassade langsam zu. Auf der Nordseite, da, wo das ehemalige Köngetrieder Pfarrhaus zur Straße hin schaut, sind die bröckelnden Mauern mit Netzen gesichert. Das ganze Gebäude wird durch Stützbalken gesichert, ohne die es möglicherweise schon in sich zusammen gefallen wäre.

Kein Wunder, dass sich keiner der Interessenten, die sich in den vergangenen zwei Jahren gemeldet haben, letztlich an das Haus ran getraut hat. Dabei könnte es bei sachgerechter Restaurierung ein echtes Schmuckstück werden, finden jedenfalls Kirchenpfleger Franz Zoller und Kreisheimatpfleger Peter Kern. Kern hat bereits vor drei Jahren eine gründliche Befunduntersuchung gemacht und kommt, auf das Objekt angesprochen, richtig ins Schwärmen: „Das ist ein hochkarätiges Baudenkmal mit riesigem Potenzial, dessen Bedeutung weit über Köngetried hinaus reicht. Wenn das saniert würde, wäre es ein Hingucker, ein richtiger Kracher.“

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Der Architekt verweist auf das ungewöhnlich flache, mit Schindeln gedeckte Dach, das den Übergang von der schwäbischen zur Allgäuer Bauweise markiert, und auf die frühklassizistische Fassadenmalerei: „Die Fassade war nicht gestrichen, sondern hatte die ursprüngliche, sandige Putzfarbe und war kassettenartig gefasst. Sehr schön, sehr spannend.“

Kern stuft das Haus als „statisch sehr stark geschädigt, aber sanierbar“ ein: „Ein äußerst kritischer Fall. Die Chancen stehen nicht gut.“ Der denkmalgeschützte, 1638 erbaute Pfarrhof steht seit drei Jahren im Internet zum Verkauf. Eigentümer ist die Pfründestiftung der Pfarrei, Verwalter ist die Diözese Augsburg. Vor Ort ist Franz Zoller, der die Stiftung verwaltet, Ansprechpartner.

„Es gab immer wieder ernsthafte Interessenten“, berichtet Zoller. „Die letzten waren eine Künstlerin aus München und ein Fotograf aus der Gegend von Bad Tölz. Aber wenn sie das Haus sehen, schreckt sie der schlechte bauliche Zustand dann doch ab.“

Der Kaufpreis für das Haus mit dem 850 Quadratmeter großen Grundstück ist mittlerweile auf 34000 Euro gesunken. Die Sanierungskosten schätzt Peter Kern auf 700000 Euro. Zwar gäbe es voraussichtlich erkleckliche Mittel vom Landesamt für Denkmalschutz; auch aus anderen Zuschusstöpfen könnte Geld fließen.

Aber, so Kern: „Für einen Privatmann ist so etwas fast nicht zu schultern. Er muss erst kaufen, dann planen, dann eine Finanzierung aufstellen, und dann kriegt er hier oder da ein ,vielleicht’ zu hören. Da sind lange Wartezeiten zu überstehen, er muss mit hundert Unsicherheiten leben können, bis er endlich irgendwann Klarheit hat, ob Zuschüsse fließen und wie hoch sie sind. Hinterher lohnt es sich zwar erfahrungsgemäß immer. Aber bis dahin ist es ein Spießrutenlauf.“

Für Köngetried selbst bietet sich für das alte Pfarrhaus keine sinnvolle Nutzung an. Die Vereine und Gruppen sind im ehemaligen Schulhaus gut untergebracht.

Im schlimmsten Fall wird das alte Haus weiter verfallen, und irgendwann wird die Denkmalschutzbehörde dann doch die Genehmigung zum Abriss geben müssen. Und das wäre ein Verlust fürs Dorf. Denn ein Dorf bezieht seinen Reiz, seine Identität und seinen Charakter nicht aus austauschbaren Neubauten, die sich nach außen in die Landschaft fressen, sondern aus dem unverwechselbaren Kern. Je mehr dort verfällt, desto öder wird auch das Dorf.

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