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Kempten

22.03.2020

Ausnahmezustand im Corona-Testlabor

Virologe Dr. Matthias Lapatschek mit dem Gerät, mit dem Viren nachgewiesen werden können.
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Virologe Dr. Matthias Lapatschek mit dem Gerät, mit dem Viren nachgewiesen werden können.

Im AllgäuLab in Kempten kommen jeden Tag auch Corona-Proben aus dem Unterallgäu an. Das hat den Labor-Alltag massiv verändert.

Unscheinbar ist das Haus in einer Kemptener Wohngegend, in dem sich das AllgäuLab befindet. Von außen sieht alles ruhig aus, drinnen arbeiten Angestellte und Maschinen auf Hochtouren. 300 neue Corona-Proben kommen jeden Tag an, darunzter auch Proben aus dem Unterallgäu. Die Testergebnisse sollen schnellstmöglich vorliegen. „Die ganze Mannschaft ist auch am Wochenende im Einsatz“, sagt Dr. Matthias Lapatschek. Der Virologe arbeitet zurzeit sieben Tage die Woche: „Rund um die Uhr klingelt das Telefon.“

Eine Kamera beobachtet den Postkasten

Eine Kamera ist auf die Postbox des Labors gerichtet. Über einen Bildschirm können die Mitarbeiter sehen, ob neue Proben eingeworfen wurden. Die Päckchen mit den Teststäbchen dort einzuschmeißen, ist nicht der einzige Weg, wie die Proben ins Labor gelangen. Das AllgäuLab hat einen Fahrdienst, der in der ganzen Region unterwegs ist. Normalerweise sammelt er bei den Hausärzten alle möglichen Proben ein. Derzeit werden aber beispielsweise weniger mikrobiologische- und Blutuntersuchungen gemacht als sonst. „Die Leute gehen momentan weniger zum Arzt, wenn sie nicht gerade etwas Unaufschiebbares haben“, sagt Lapatschek. Jetzt also bringen die Kuriere durch eine Seitentür immer mehr Corona-Proben ins Labor.

Proben aus dem Unterallgäu werden auch nach Kempten geschickt

Seit Kurzem geben auch die Gesundheitsämter im Ober- und Unterallgäu sowie der Stadt Memmingen ihre Tests in Kempten ab. Bislang haben sie die Proben nach München geschickt, doch dort sind die Kapazitäten ausgelastet. Auch ein Landkreis aus Oberbayern habe schon das AllgäuLab für sich gewinnen wollen, erzählt Lapatschek. Die Anfrage habe das Labor aber abgelehnt: „Wir sind am Limit und kommen mit dem Testen kaum hinterher.“ Denn die Kapazitäten für die sogenannte PCR-Testung, also jene Methode, mit der die Viren nachgewiesen werden, sind begrenzt. Dafür sind sowohl spezielle Geräte und Räume, als auch geschultes Personal notwendig. Um die vielen Tests zu bewältigen, wurden schon Mitarbeiter aus anderen Abteilungen dazu geholt. Das Labor hat insgesamt 70 Mitarbeiter.

Ausnahmezustand im Corona-Testlabor

Ein Angestellter im grünen Kittel und mit Mundschutz eilt über den Flur und holt Proben für weitere Tests. Das Ergebnis liegt in normalen Zeiten in etwa drei Stunden vor. Beim derzeitigen Andrang dauert es aber im Schnitt zwei Tage, bis die Patienten wissen, ob sie das Virus in sich tragen. Vereinfacht ausgedrückt, sagt Lapatschek, müssen die Proben erst mit verschiedenen Reagenzien zusammengebracht werden. Dann wird das genetische Material vervielfältigt, wodurch das Virus letztlich nachgewiesen werden kann. Auch im Allgäu wird es dabei immer häufiger entdeckt.

„Es ist eine Katastrophe und deswegen ist die Ausrufung des Katastrophenfalls auch gerechtfertigt“, sagt der Virologe.

Zu weiteren Einschränkungen sagt Lapatschek, für ihn seien nicht Grenzkontrollen entscheidend, sondern dass die Nachbarländer sich absprechen und die gleichen Maßnahmen treffen.

„Die Ordnungskräfte sollten statt auf einer Linie zwischen zwei Ländern eher in den Städten aktiv sein und die Menschen an das erinnern, was jetzt wichtig ist: Nämlich Abstand voneinander halten, um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen.“

Grenzschließungen können auch kontraproduktiv sein

Grenzschließungen könnten auch kontraproduktiv sein: Eine Labor-Mitarbeiterin, die in Österreich lebt, müsse beispielsweise lange Umwege in Kauf nehmen. „Wenn das Personal weg bleibt, wird es schwer, die Versorgung aufrecht zu erhalten“, sagt Matthias Lapatschek.

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