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Körper

10.09.2012

Bilder, die unter die Haut gehen

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Melanie Sitta aus Gernstall ist seit elf Jahren Tätowiererin. Ihre eigenen Tattoos zeigt sie auf den ersten Blick nicht – „Typsache“, meint sie.
Bild: home

Ein Tattoo hält das Leben lang – und sollte wohlüberlegt sein, findet Tätowiererin Melanie Sitta

Gernstall Die meisten Menschen, die zu Melanie Sitta kommen, wissen, was sie möchten. Viele haben eine Vorlage oder Skizze für ihr Tattoo dabei. Wenn jemand einfach nur eine Tätowierung will, aber nicht weiß, was und wohin, schickt ihn die 29-Jährige wieder nach Hause. „Bei mir gibt es keine Kataloge, die man nach einem Motiv durchsuchen kann“, sagt die Tätowiererin, die ihr Studio in Gernstall betreibt. „Wenn jemand noch so unschlüssig ist, dann ist das Tattoo noch nicht reif.“

Eine Tätowierung ist etwas Persönliches, findet Melanie Sitta. So mancher ihrer Kunden hat bei einem Prominenten ein Tattoo gesehen und will es dann auch haben. „Ich sehe das kritisch, ein Tattoo sollte etwas Eigenes sein“, sagt die junge Frau, die unter dem Künstlernamen Melas bekannt ist.

Die meisten Tattoo-Wünsche hätten aber sowieso einen persönlichen Hintergrund: Das kann der Name des eigenen Kindes sein, ein Gedenktattoo, Erinnerungen oder Sprüche. „Viele erzählen mir ganz viel Persönliches aus ihrer Lebensgeschichte, obwohl sie mich ja eigentlich nicht kennen“, sagt Melanie Sitta, die seit elf Jahren tätowiert. Eine Frau, die von sich selbst sagt, sie könne schwer loslassen, hat sich kürzlich einen Luftballon mit den Worten „Let it go“ tätowieren lassen, erzählt die 29-Jährige.

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Früher seien Tattoos häufig mit Drogensüchtigen, Rebellen oder Gefängnisinsassen in Verbindung gebracht worden. Heute gibt es viele Menschen, die sich die Farbe unter die Haut spritzen lassen – aus allen Gesellschaftsschichten. „Einem 18-Jährigen rate ich dennoch ab, etwas am Unterarm machen zu lassen“, sagt Melanie Sitta – denn schließlich wisse man nie, was der junge Mensch in seinem Leben noch vorhabe. Sie selbst ist auch tätowiert – aber an Stellen, die sie leicht mit Kleidung kaschieren kann. „Das ist eben Typsache: Ich muss das nicht zeigen“, sagt sie dazu.

Die beliebtesten Stellen sind bei Frauen laut Tätowiererin Melas das Handgelenk, die Stelle hinter dem Ohr, der Fußrücken und die Leiste. „Bei Männern waren und sind es die Ober- und Unterarme.“ Ihr ältester Kunde sei 54 gewesen, die meisten seien zwischen 18 und 35 Jahren alt, erklärt Melanie Sitta. Der Trend gehe eindeutig zu größeren Tattoos. Frauen tendieren häufig zu Sternen, Blüten oder Schnörkeln, erklärt sie, Männer mögen Schriftzüge oder den Maori-Stil, der sich an den Tätowierungen der Ureinwohner Neuseelands orientiert.

Weniger nachgefragt werden hingegen Tribals, eine Art schwarze Ornamente, und Tattoos am unteren Rücken, die böse Zungen auch als „Arschgeweih“ bezeichnen. Stattdessen wollen die Kunden von Melanie Sitta Tattoos mit vielen Farben und Übergängen, realistische Bilder von Menschen, Tieren oder Pflanzen, Schriftzüge, Fantasiefiguren oder Biomechanik-Tattoos, die so wirken, als würde man an der betreffenden Stelle unter die Haut schauen, unter der sich dann Schrauben, Walzen und andere technische Dinge verbergen.

Eine Sitzung dauert bei Melanie Sitta höchstens drei Stunden, vier Wochen muss das Tattoo danach verheilen. Und so kommt es, dass manche Kunden über zwei Jahre lang regelmäßig zu ihr kommen, um ein großflächiges Tattoo vollenden zu lassen.

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