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31.03.2015

Die Glocken fliegen nach Rom

Brauchtum in der Karwoche

Mit der Palmweihe und den Palmprozessionen am Palmsonntag hat für die Christen die Karwoche begonnen. Höhepunkt sind die drei Kartage vor Ostern. Sie beginnen mit dem Gründonnerstag. Dessen Namen kommt wohl von „grunen“= weinen, da die Büßer einst laut ihre Sünden beweinten. Da aber auch vermutet wurde, das Wort käme von den grünen Messgewändern an diesem Tag, rückte auch immer wieder das „Grün“ in den Mittelpunkt. So war es üblich, an diesem Tag etwas Grünes zu essen. In den Kirchen verstummen ab Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier die Glocken. Daraus entstand der Spruch: „Die Glocken fliegen nach Rom“. An Stelle der Kirchenglocken treten nun für drei Tage die Rätschen – bedient von den Ministranten des Ortes.

Der Karfreitag ist der Sterbetag Jesu und als Tag der Stille ein offizieller Feiertag. Er ist zudem ein hoher Fast- und Abstinenztag. Viele Bauern schworen einst darauf, dass das Füttern von am Karfreitagmorgen gerupften Roggen-Gräsern die Pferde vor Gelbsucht bewahre.

An den Kartagen vermittelten einst die „Heiligen Gräber“ in den Kirchen eine geheimnisvolle Stimmung. Sie waren bunt verziert und von biblischen Kulissen umgeben. Die Kirchen waren meist abgedunkelt und es herrschte bedrückende Stille. Viele Menschen waren unterwegs, um die heiligen Gräber in der Umgebung anzuschauen. Der Brauch, Heilige Gräber aufzustellen, wurde mit der Liturgiereform Anfang der 1960er Jahre unterbrochen. Mittlerweile erfreuen sich diese Darstellungen wieder zunehmender Beliebtheit.

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Den frühen Morgen des Karsamstags prägten einst die Feuer-, Scheiter- und Taufwasserweihe im Kirchhof. Die Kinder ließen dabei an einen Draht gebundene Holzscheite im Feuer „weihen“ und trugen sie dann nach Hause. Dort wurden die angesengten Scheite auf dem Dachboden aufgehängt. Sie sollten das Haus vor Blitzschlag schützen. Mit der „Osternacht“ enden die bedrückenden Passionstage. Beim „Gloria“ braust die Orgel nach Tagen der Stille wieder jubilierend auf. Die Lichter gehen an. Die Glocken läuten vielstimmig das Osterfest ein. Die zuvor geweihte Osterkerze wird entzündet – das Licht hat die Dunkelheit besiegt…

Zum Osterfest gehört auch die Speisenweihe in der Kirche. Die Familien bringen Körbe voller Eier, Schinken, Salz, Brot und ein gebackenes Osterlamm mit Osterfähnchen „zum Weihen“. Auch den Viechern im Stall gab man früher geweihte Brotstücke.

Und natürlich kein Ostern ohne Eier. Sie werden gefärbt, bemalt und verziert. Die Osterbrunnen sind beliebte Kunstwerke. Auch das „Eierkugala“ und „Eierbeggla“ wird da und dort als alter Brauch noch gepflegt. (hlz)

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