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Stockheim

09.09.2019

Die „Schlössle-Herren“ von Stockheim

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Die „Schlössle-Herren“ von Stockheim (von links): Gabriele und Mathias Satzger, Matthias Satzger und Elisabeth Eichholz.

Die Familie Satzger hat das Kleinod mit viel Liebe zum Detail fast originalgetreu erhalten. Welche Geheimnisse das 110 Jahre alte Schloss in Stockheim verrät.

Man nehme einmal den Vornamen German, zweimal Mathias und einmal Matthias und schon wäre eine Familiensaga über 110 Jahre kurz und knapp beschrieben. Doch diese Familie teilt etwas ganz Besonderes miteinander. Es ist das „Schlössle“ der Familie Satzger in Stockheim.

Alles begann damit, dass German Satzger 1909 dieses Traumhaus für seine Frau Elisabeth baute. Es gelang ihm, sein Vorhaben mit Hilfe von Zimmerermeister Huber zu verwirklichen. Da die Ehe kinderlos blieb, vererbte er es an seinen Neffen Mathias Satzger, dem Vater von Mathias German Satzger.

MZ-Türmeserie: Glockenschlag beim Schlössle in Stockheim
Video: Maria Schmid

Der wiederum übergab es 2015 an seinen Sohn Matthias Satzger. Der einzige Unterschied bei der Namensgebung des Vornamens war, dass der jetzige Besitzer seinen Vornamen mit zwei „t“ schreibt. Am Schlössle selbst wurde im Laufe der Jahrzehnte bei Renovierungen alles soweit im Originalzustand erhalten, wie es bautechnisch möglich war.

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Damals, 1909, war die Dorfstraße von Stockheim noch ein schlichter, ungepflasterter Weg, auf dem auch schon mal die „Brühe“ aus der schräg gegenüberliegenden „Käsküche“ hinunterlief und bei Regengüssen der Schlamm die Oberhand gewann. Die Idee vom Traumhaus war German Satzger bei seinen Reisen gekommen.

Sie führten ihn auch ins Reichsland Elsass-Lothringen, das bis 1918 ein Verwaltungsgebiet des Deutschen Reiches war. German Satzger war von den Häusern dort so begeistert, dass nur so ein Haus für ihn und seine Frau Elisabeth infrage kommen würde. Aufgrund der von ihm erstellten Skizzen bekam der Zimmerermeister Huber den Auftrag, das Haus zu entwerfen und zu bauen, natürlich mit den beiden markanten Ecktürmen.

Im Keller des Stockheimer Schlosses wartet die nächste Überraschung

Nichts wurde ausgespart. Gab es im Dorf auch noch kein Stromnetz, kein elektrisches Licht, im Schlössle sorgte ein Otto-Motor im Keller für den notwendigen Strom. Der Komfort wurde sogar noch erweitert. German Satzger sorgte mit einer Dampfzentralheizung für Wärme im Haus. Erst 1916 kam Strom nach Stockheim. Mathias Satzger erzählt gerne von diesem Haus, das seit vier Jahren seinem Sohn Matthias Satzger gehört. 2015 wurde das Schlössle sehr gründlich renoviert und zu einem echten Schmuckstück um- und ausgebaut.

Das Dachgeschoss ist nun eine gemütliche Wohnung. Die Fenster im großen Eckturm haben eine Dreifachverglasung erhalten, in die die bleiverglasten Schätze von 1909 mit den stilisierten Rosen perfekt eingesetzt wurden. Hinein in die Türme kommt man nur in dienender, gebückter Haltung, da die Öffnungen schmal und sehr niedrig sind. Die Holzfenster im Erdgeschoss sind noch im Original erhalten wie auch die mittleren Fensterscheiben der Hausfront, in die kunstvolle Muster eingeätzt sind. Auch die zweifarbigen Treppenstufen sind noch Original aus hellem und am vorderen Rand aus dunklen Holzteilen gearbeitet. Über den Fenstern gibt es die damals gefertigten, reich verzierten Bleche. Gabriele Satzger hat sie in Handarbeit mit Blattgold zum Strahlen gebracht. Es gibt viele Erzählungen über dieses Haus, das seit der Erbauung vor 110 Jahren zu den markantesten Häusern des Dorfes gehört. Auf einer alten Postkarte ist es gemeinsam mit der Pfarrkirche St. Michael als Besonderheiten dargestellt.

1922 fand in St. Michael eine Primiz statt. Das „Schlössle“ konnte besichtigt werden. Interessant für die Besucher war gewiss auch, dass jedes Zimmer in einem eigenen Stil eingerichtet war. Die erste Renovierung fand 1966 statt. Da seien die Stundenlöhne im Vergleich zu heute noch sehr günstig gewesen, betont Mathias Satzger. Er bedauere lediglich, dass sein Vater die kleine Umfassungsmauer und den gemauerten Toreingang entfernen ließ. Doch umso deutlicher sehen die vorübergehenden Menschen jetzt die wunderschöne Haustüre und die mit Blattgold verzierten Bleche über den Fenstern.

Türme prägen nicht nur das Bild der Mindelheimer Altstadt, sondern sind auch in anderen Orten des Unterallgäus markante Wahrzeichen. Wir haben uns auf Spurensuche begeben. Wie sieht es in diesen Türmen aus? Wie werden sie genutzt, welche Geheimnisse können sie uns verraten? Hier kommen Sie zu den bereits erschienen Teilen unserer Türme-Serie:

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