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denkwürdig(Serie, Teil 4)

18.08.2011

Dreisten Dieben zu verdanken

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Unter der Kuppel steht das Glaubensbekenntnis mit den Apostelnamen.

Die Kapelle in Schöneberg wurde an der Stelle gebaut, an der vor 335 Jahren gestohlene Hostien verbrannt wurden. Durch viel Eigenleistung ist sie wieder zum Blickfang geworden

Unsere Sommerserie „denkwürdig“ beschäftigt sich mit Gebäuden im Landkreis Unterallgäu, die unter Denkmalschutz stehen. Wir wollen die Besonderheiten dieser Häuser, Kirchen und Schlösser ein wenig ins Licht rücken und zeigen, wie die Besitzer damit und manchmal auch darin leben.

Schöneberg Die Kapelle in Schöneberg ist dreisten Dieben zu verdanken. Das muss man ganz ehrlich so sagen. Denn nur wegen der Tat ein paar dreister Diebe ist sie überhaupt gebaut worden. Im Jahr 1676 haben die bis heute Unbekannten unter anderem Hostien und Kelche aus der Kirche in Holzgünz geraubt. Das Diebesgut vergruben sie ganz in der Nähe von Schöneberg, die Hostien verbrannten sie – genau an der Stelle, an der jetzt das Schöneberger „Käppele“ steht. Als Sühne für den Einbruch hat es Georg Salger neun Jahre nach dem Diebstahl errichtet, am 14. Oktober 1685 wurde es vom Weihbischof Eustachius Egolphus von Westernach geweiht. Heute kann jeder die Kapelle sehen, der auf der Bundesstraße 16 daran vorbeifährt.

Vor einigen Jahren noch bot sie einen eher trostlosen Anblick. Die Schöneberger haben das geändert. Im Jahr 2005 begannen sie, ihre Kapelle ehrenamtlich zu renovieren. Doch im August 2006 wurde die Initiative der Bürger überraschend gestoppt. Das Landratsamt, das von der Sanierung erfahren hatte, stellte die Bauarbeiten ein – der Denkmalschutz musste hinzugezogen werden. Schnell erkannte man den Wert der Kapelle.

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Kirchenmaler und Restaurator Karlheinz Weinzierl ließ die Kapelle, wie sie in früheren Zeiten dort stand, wieder lebendig werden. Bis zu zehn Putzschichten mit Malereien und Schriften stellte er fest, er legte sie frei und zeichnete sie teils wieder nach.

So zieren heute nicht nur die Namen der zwölf Apostel sondern auch Apostelkreuze und das Glaubensbekenntnis die Wände um den Altar – so, wie es früher eben auch gewesen war. Die Kuppel über dem Altar wollten die Schöneberger eigentlich nur weißeln, erzählt Kirchenpfleger Erwin Grabmeier. Dann aber entdeckte man, dass mehr darunter steckt: Die ursprünglich vorhandene Kassettendecke wurde wieder rekonstruiert.

1523 ehrenamtliche Stunden haben die Schöneberger für ihre Kapelle geleistet. Rund 80000 Euro hat die Sanierung gekostet. Anfangs sei man noch ein wenig skeptisch gewesen. Heute, im Nachhinein, ist man froh über die Unterstützung der Denkmalpfleger. „Durch das Landesamt für Denkmalpflege ist die Kapelle besser restauriert worden als es ohne der Fall gewesen wäre“, glaubt Grabmeier, der auch den Schlüssel zur Kapelle besitzt. Immer mal wieder muss er sie aufsperren, erst kürzlich für eine Gruppe Radwallfahrer, die dort Station machen wollten. Und auch die Schöneberger kommen ein-, zwei Mal im Jahr für eine Messe in ihr „Käppele“.

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