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Mattsies

21.11.2019

Ein Märchenschloss für die junge Kaiserin in Mattsies

Ein Blick in längst vergangene Zeiten: Schloss Mattsies im frühen 20. Jahrhundert, als Kutscher und Mitarbeiter (rechts hinten) stolz für das Foto vor dem schönen Schloss posierten.
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Ein Blick in längst vergangene Zeiten: Schloss Mattsies im frühen 20. Jahrhundert, als Kutscher und Mitarbeiter (rechts hinten) stolz für das Foto vor dem schönen Schloss posierten.

Wie der spätere Filmstar Romy Schneider auf Mattsies kam und warum sie ihr Auto verstecken musste, als sie unbedingt frische Kuhmilch probieren wollte.

In alten Bildern schlummern wahre Schätze: Landschaften, Gebäude, Menschen und viele Details geben einen Einblick in das Leben in einer anderen Zeit. Mit der Geschichte sind viele Geschichten verbunden. Diese sollen in einer neuen Serie entdeckt und erzählt werden.

Als die Straße zwischen Mindelheim und Tussenhausen noch über die Anhöhe von Schloss Mattsies führte, hielten die Bauern mit ihren Fuhrwerken gerne an: In der Gastwirtschaft genehmigten sie sich ein Bier. Gleichzeitig überkam sie beim grandiosen Panorama über das Unterallgäu und auf die Alpenkette ein Gefühl von Stolz: Ihr Stück Heimat ist etwas Besonderes. Den Fernblick genossen später auch Romy Schneider und Roy Black. Die späteren Filmstars hatte ein Mann an den besonderen Ort gebracht.

Im Mattsieser Schloss gingen viele Künstler aus und ein

Der Landwirt und Pferdezüchter Johann Lederle aus Tussenhausen war es, der den damaligen Oberspielleiter des Augsburger Stadttheaters, Hannes Schönfelder, über die gemeinsame Leidenschaft für die Jagd kennengelernt hatte. Dem Theaterdirektor war das historische Kleinod aufgefallen. Lederle als Vorstand der Jagdgenossenschaft machte ihn mit der damaligen Schlossbesitzerin bekannt. Schönfelder mietete in dem historischen Gebäude ein ganzes Stockwerk. Viele Künstler gingen aus und ein. Oft soll es hoch hergegangen sein, erinnerte sich Johann Lederle vor Jahren. „Bei den Festen spielte das Theaterorchester, und es war immer die halbe Welt da, vom Berliner Bundesrichter bis zum Schauspieler oder NCR-Generaldirektor.“

Ein Märchenschloss für die junge Kaiserin in Mattsies

Auch Romy Schneider, deren Mutter Magda aus Augsburg stammte, gehörte zu den Gästen. Sie musste beeindruckt gewesen sein: Sie kam nämlich wieder und besuchte Johann Lederle auf seinem Hof. Er erinnerte sich: „Sie hat gesagt, sie möcht’ einmal eine richtige, echte Milch frisch von der Kuh trinken. Die hab’ ich für sie extra mit der Hand gemolken, und sie hat gleich einen ganzen Liter getrunken.“ Der pferdeverrückte spätere Weltstar kam übrigens mit dem Auto. Damit es kein Reporter entdeckt und es keine neugierigen Blicke gab, musste der Wagen in einer Scheune versteckt werden. Am Ende hätte es sonst noch viele Schlagzeile in den Zeitungen gegeben. Vielleicht hätten sie so gelautet: „Sissi im Märchenschloss.“

Verleger Hans Högel und Autor Maximilian Ulrich Czysz erzählen zu besonderen Bildern Geschichten. Sie erklären Details am Rande und versuchen so den Blick der Leser zu schärfen. Die „Unterallgäuer Bildgeschichten“ sind erhältlich in den MZ-Geschäftsstellen in Mindelheim und Bad Wörishofen sowie im Buchhandel.

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