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Konzert

29.01.2019

Geschichte und Geschichten in Klang und Wort

Christine Rothacker und Thomas Loos stellten Musiker wie Duke Ellington, Nina Simone und Billy Holiday vor und machten sie als Person greifbar.
Bild: Tina Schlegel

Christine Rothacker und Thomas Loos nehmen die Besucher mit auf eine musikalische Zeitreise

Ein musikalischer Abend mit Geschichten sollte es werden. Aber was Christine Rothacker und Thomas Loos am Flügel bei ihrem Konzert im Silvestersaal auf die Bühne brachten, war viel mehr als das: Sie verpackten Musikgeschichte in Klang und Wort.

Angekündigt hatten sie „The black and white Songbook – Songs und gelesene Erinnerungen von Georg Gershwin, Duke Ellington, Billie Holiday, Nina Simone, Irving Berlin und Kurt Weill“. Dabei sollte eben nicht nur jener Flair zum Leben erweckt werden, den genau diese Musiker der Musik Amerikas gebracht haben, sondern auch der Weg der Musiker bis sie endlich den ersehnten Ruhm erlangt haben.

Rothacker hat Biografien gelesen und Anekdoten gesammelt, um Ellington, Holiday oder Nina Simone vorzustellen und als Personen, ja, echte, greifbare Menschen auf die Bühne zu zaubern. Sie las die Episoden vor, bisweilen vom Klavier mit der entsprechenden Musik begleitet, dann sang sie die jeweils passenden Stücke, tauchte dafür tief in den jeweiligen Kontext ein, der mal im Musical, dann wieder im Jazzkeller seine Wurzeln hat.

Rothacker verkörperte Songs von Irving Berlin, der 1000 Stücke komponierte, ohne Noten zu kennen, und daher auch die schwarzen Tasten bevorzugte, weil die besser greifbar seien, ebenso eindrucksvoll, wie sie in die Welt der Nina Simone eintauchte.

Aber Rothacker und Loos erzählten nicht nur die Geschichten der Musiker auf ihrem Weg zum musikalischen Erfolg, sondern auch die Geschichten am Rande, kleine Anekdoten, tragische Momente und eine ganz andere Geschichte: die Geschichte der Rassendiskriminierung, deren Ende noch immer nicht geschrieben ist. In einer Geschichte berichtet Nina Simone, wie sie als junges Mädchen vor einem weißen Publikum singen sollte und mitansehen musste, wie ihre Eltern aus der ersten Reihe weggesetzt wurden, weil weiße Gäste den Platz für sich beanspruchten. Nina Simone, deren Musik von Beginn an immer auch politisch war, stellte sich hin und erklärte, dass sie nur singen werde, wenn ihre Eltern wieder in der ersten Reihe sitzen dürften. Bewegend auch die Geschichte von Kurt Weill, dem der große Erfolg und die echte Anerkennung zu Lebzeiten verwehrt war, zu kompliziert sei seine Musik gewesen, der Zeit immer voraus. Oder Billie Holiday, die auf Reisen mit der Band immer Angst haben musste, kein Hotelzimmer zu bekommen oder nicht die öffentliche Toilette benutzen zu dürfen.

Rothacker und Loos entführten zu einer musikalischen Zeitreise, die so lebendig, so strahlend war, dass man alles vor Augen hatte: Die Zwanzigerjahre im Cotton Club, wie man ihn aus Filmen kennt, Broadway Musicals, den steppenden Fred Astaire, Mackie Messer aus Brechts Dreigroschenoper, für die Kurt Weill die Musik geschrieben hat, Billie Holiday mit Blumenschmuck im Haar und einem Blick, der immer die Spur der Traurigkeit in sich trug und natürlich die immer stolze und aufrechte Nina Simone.

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