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Musik

14.02.2020

Große Romantik ganz ohne Kitsch

Rund um die Liebe drehte sich alles beim Konzert, das Bariton Daniel Böhm (links) organisiert hatte. Unterstützt wurde er von Eliah Böhm und Sandra Staiger.
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Rund um die Liebe drehte sich alles beim Konzert, das Bariton Daniel Böhm (links) organisiert hatte. Unterstützt wurde er von Eliah Böhm und Sandra Staiger.

Beim Konzert im Silvestersaal dreht sich alles um die Liebe

In Ludwig van Beethovens „Brief an die unsterbliche Geliebte“ heißt es: „Ob das Schicksal uns erhört? … bis ich in deine Arme fliegen kann. Ewig uns!“ Um solche Texte und die Musik ohne Kitsch und Übertreibung zu interpretieren, ist künstlerische Kompetenz nötig. Diese Kompetenz bewiesen alle Interpreten des musikalisch-literarischen Konzertabends zum Thema „Liebe kam aus fernen Landen“.

Die Auswahl der Texte, rezitiert vom Schweizer Fred Strittmatter, reichte von Ludwig Tieck über Johann Wolfgang von Goethe und Eduard Mörike bis zu Paul Heyse. Die Dramatik der Texte war in Fred Strittmatters Vortragsweise mit humorvollen Episoden angereichert. Am Flügel begleitete Stephan Kaller. Er und Bariton Daniel Böhm sind ein eingespieltes Team. Kaller spielte auch schwierigste Passagen konzentriert und mit hoher Präzision, ruhig und mit viel romantischem Pedal. Die großen Gesten waren dem Gesang vorbehalten.

Bariton Daniel Böhms Lieder stellten ein Kaleidoskop der Liebe dar, „die vielleicht in die Ferne schweift oder aus fernen Landen kommt“, wobei die Ferne tragischerweise auch im Himmel verortet sein kann. Dazu kam seine engagierte Moderation mit viel Hintergrundwissen über die Komponisten und ihre Zeit.

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Die Romanzen aus der „Schönen Magelone“ von Johannes Brahms kommen mit viel Lebensfreude daher. Die Dichtung von Ludwig Tieck hat einen Ritterroman aus dem 15. Jahrhundert zum Vorbild.

Auch mit zwei weiteren Liederzyklen blieb man in den fernen Landen. In Italien mit Liedern von Hugo Wolf „aus dem Italienischen Liederbuch“. Der Münchener Autor und Literaturnobelpreisträger Paul Heyse hatte sich italienische Texte zum Vorbild genommen. Mit viel „Italianità“ werden hier kleine Geschichten erzählt, von Daniel Böhm mit großen Gesten und Körperpräsenz interpretiert.

Dann ging es nach Spanien, mit Chansons mit sehr speziellen spanischen Rhythmen. Maurice Ravel und der französische Dichter Paul Morand erzählen die Geschichte von Don Quichotte und seiner fernen, für ihn unerreichbaren Dulcinea.

Nach so viel Dramatik um das „schönste Thema der Welt“ gab es zum Schluss „Kammerjazz“. Zeitgenössische Chansons vom Komponisten Peter Schindler zu älteren Texten: das passte hervorragend. Mit dabei waren im Vierer-Ensemble außer dem Pianisten Sandra Staiger am Kontrabass und Eliah Böhm mit Cajon und Shaker. Ein perfektes Zusammenspiel und nochmals die Chance für Daniel Böhm, seine Energie und Begabung fürs musikalische Gestalten einzubringen.

Nach gut zwei Stunden im Bann der Liebe gab es begeisterten Schlussapplaus von den etwa 100 Besuchern im Silvestersaal. Und eine charmante Zugabe des Vierer-Ensembles: „So ist die Lieb - nimmer satt“. (scas)

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