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Theater in Mindelheim

17.04.2015

Im Zeichen des Sarges

Die Freunde machen sich Sorgen um Lucy (Rhea Darabos), die geschwächt zusammengebrochen ist. Unser Bild zeigt (von links stehend): Arthur (Tobias Hermanns), Mina, (Anna-Lena Rothen), Jacky (Daniela Polzer) und Abraham (Nikolaus Frey) sowie (knieend) Dorothy (Simone Küffner) und Martha (Hannah Lauerer).
Bild: Manuela Frieß

Mit düsterer Musik schaffen Mindelheimer Maristenschüler die richtige Stimmung für einen Gruselklassiker.

Übergroß überragt die Sargform die Bühne, grell überstrahlt sie die oft dunkel gehaltenen Schauspieler des Oberstufentheaters des Maristenkollegs. Sie haben sich den Gruselklassiker „Dracula“ von Bram Stoker ausgewählt und dessen Bearbeitung von Bernd Klaus Jerofke in Szene gesetzt. Diese ist der sehr bekannten Verfilmung des Romans aus den frühen Neunzigern sehr ähnlich. Dabei lebt die Aufführung davon, dass eben nicht Blut spritzt, die Eckzähne wachsen und dunkle Fürsten durch die Nacht fliegen, sondern durch die subtile Angst, die sich nach und nach bei den Figuren aufbaut.

Die Hauptfiguren sind Mina und Jonathan, die sich bald verloben wollen, davor muss Jonathan jedoch nach Transsilvanien fahren um einen Immobilienkauf für einen äußerst betuchten Mandanten abzuschließen. Dass Jonathan dann auf einmal kein Lebenszeichen mehr von sich gibt, kommt Mina verdächtig vor. Sie ist mit Freunden in einem Ferienhaus und beobachtet dort ein äußerst mysteriöses Schiffsunglück. Als dann auch noch Minas Freundin Lucy an einer komischen Blutkrankheit leidet, verdichten sich die Anzeichen dafür, dass vielleicht ein Vampir seine Finger im Spiel haben könnte.

Bram Stoker hat „Dracula“ als Briefroman geschrieben und diese Distanz, die er dadurch zum Leser erzeugte, hat auch die Inszenierung der Schüler mit aufgenommen. Oft sprechen sie wie ins Nichts und erzählen, was um sie herum vorgeht. Dabei hat vor allem Sebastian Küffner als Jonathan ein enormes Textpensum auswendig gelernt.

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Auch das Motiv der Irren, die Fliegen essen und Spinnen züchten und dabei auf den Fürsten der Finsternis warten, brachte die düstere Stimmung, die sich nach und nach steigert, gut zur Geltung. Vor allem die Schreie klangen wirklich verzweifelt und gingen den Zuschauern durch Mark und Bein.

Blut war in der Inszenierung jedoch keines zu sehen, dafür das Spiel mit der Farbe Rot. Das Mädchen Lucy erscheint nach ihrem Zusammentreffen mit Dracula statt in einem roten Kleid, völlig blutleer und weiß angezogen. Als Fingerfarbe „spielen“ die Irren quasi damit, die Handabdrücke auf der Wand verweisen aber ganz klar auf das Horrorgenre.

Bevor die Gruselgrenze zu sehr überzogen wurde, sorgte die Figur des Abraham (äußerst passend für Nikolaus Frey) dafür, dass das Publikum auch immer mal wieder was zu lachen hatte. Wunderbar die beiden Szenen mit der Tafel.

Die Inszenierung wurde jedoch erst mit der musikalischen Untermalung des P-Seminars des Maristenkollegs stimmig. Wunderbar harmoniert hatten nicht nur einzelne Geräusche und Lieder. Das Seminar hat alle Stücke die zur Untermalung dienen selbst geschrieben und natürlich ja auch live aufgeführt. Eine enorme Leistung, da auch die zeitliche Abstimmung jeweils perfekt wirkte. Richtige Filmmusik sozusagen.

Alles in allem war die Aufführung wirklich gelungen. Auch das Bühnenbild, mit dem dominierenden Sarg, durch den nur Dracula und seine Vampirinnen wie durch ein Tor zur Unterwelt erscheinen und wieder verschwinden können, war sehr beeindruckend. So wie auch die ganze Bühnenaufteilung, in der quasi fast parallel gespielt werden konnte. Friedhof, Irrenanstalt und Ferienhaus waren dort präsent, ohne immer wieder groß umzubauen. Sogar aus dem Bühnenaufgang gingen Mina und ihre Freunde mit Taschenlampen bewaffnet, um die untote Lucy zu suchen. Ob sie sie auch fanden? Wer weiß? (fman)

Termin „Dracula“ gibt es am heutigen Freitag um 19.30 Uhr im Stadttheater Mindelheim noch einmal zu sehen. Der Eintritt ist frei, Spenden zur Deckung der Unkosten werden erbeten.

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