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Winter

06.02.2015

Kuschelzeit am Vogelhäuschen

Hochbetrieb herrscht derzeit an den Futterstellen in vielen Gärten. Kohlmeisen (unser Bild) und viele andere Singvögel haben es bei Eis und Schnee schwer, Nahrung zu finden und suchen die Nähe des Menschen. In den kalten Winternächten teilen sich gerade Meisen oft eine Höhle und wärmen sich dort gegenseitig.
Bild: dpa

Bei Eis und Schnee haben es die Singvögel schwer. Einige Arten rücken eng zusammen und wärmen sich

Wenn der Winter unser Land mit Schnee und Eis überzieht und die Böden und Gewässer für längere Zeit erstarren lässt, dann muss sich auch die Natur darauf einstellen. Viele Tiere und Insekten verkriechen sich rechtzeitig. Einige wie zum Beispiel Haselmaus oder Igel, verfallen in einen langen Winterschlaf. Die Vogelwelt wiederum agiert recht unterschiedlich. Die Zugvögel machen sich schon im Herbst auf den langen Weg in wärmere Gefilde und pfeifen auf den bayerischen Winter. Doch die meisten Vogelarten bleiben bei uns und stellen sich den winterlichen Herausforderungen ihrer Brutheimat.

Auch wenn es die Natur so vorgesehen hat, überstehen viele Vögel einen strengen Winter allerdings nicht. Nicht nur die Futterquellen versiegen, sondern auch die Kälte setzt den Vögeln arg zu. Zum Nahrungsproblem gesellt sich nämlich auch noch die „Quartierfrage“. Viele Naturfreunde fragen sich, wie unsere Vögel den Überlebenskampf überhaupt schaffen. Dafür haben sie mehrere Strategien entwickelt.

Wie sich die Menschen im kalten Winter gerne in eine warme Stube zurückziehen, so versuchen sich auch die Tiere und vor allem die Vögel vor Kälte, Eis und Schnee zu schützen. Sie suchen geeignete Rückzugsmöglichkeiten und Unterschlüpfe. Gefragt sind in Vogelkreisen Baumhöhlen und auch von Menschenhand geschaffene Nistkästen.

Weil jedoch natürliche Unterschlüpfe bei uns immer rarer werden, haben die überwinternden Vogelarten meist schwere Wochen zu überstehen. Zwar sind unsere heimischen „Standvögel“ nach Aussage von Vogelexperten von der Natur her an kalte Jahreszeiten angepasst, doch die Verluste in strengen Wintern sind bei bestimmten Arten trotzdem recht groß. Die einen verhungern, andere erfrieren. Viele Vögel sind zudem vom Hunger geschwächt und werden somit eine leichte Beute für größere Vögel oder von Katzen. Manche Vögel lassen sich jedoch etwas Besonderes einfallen. So suchen Mäusebussarde im Winter Schutz in Wäldern, Turmfalken und Eulen schlüpfen in Gebäuden oder in Scheunen unter, Spatzen und Finken nächtigen im Schutz von Siedlungen. Gerne ruhen kleinere Vögel an bewachsenen Hauswänden und in schützenden Bäumen.

Unsere verbreiteten Höhlenbrüter, wie Meisen, Baumläufer oder Kleiber, suchen Baum- und Nisthöhlen auf. Dabei ist das Verhalten von Meisen und Baumläufern gegen die Kälte besonders intelligent. Sie schlüpfen allabendlich gruppenweise in bestimmten Aushöhlungen zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Die Spatzen stopfen ihre Unterkunft voll mit wärmenden Federn und Halmen. Eine natürliche Strategie der Vögel bei tiefen Temperaturen ist das Energiesparen durch möglichst wenig Bewegung.

Besonders bewundernswert ist die Schläue des winzigen Zaunkönigs. Er übersteht frostige Nächte, in dem er unter Uferböschungen und Wurzelstöcken oder in kleinen Schlafnestern Schutz sucht. In eigens angelegten Kugelnestern kuscheln bei Nacht bis zu fünf Zaunkönige zusammen, um sich dort gegenseitig zu wärmen.

Allerdings sind nach Meinung der Vogelschützer diese angeborenen Überlebensstrategien in der Natur nur anwendbar, wenn noch einigermaßen natürliche Verhältnisse herrschen. Deshalb seien Specht- und Baumhöhlen, Nistkästen oder Kugelnester für viele Vogel- und Insektenarten ganz wichtig. Darum verbiete es sich auch, diese schützenden Domizile in den Wintermonaten zu stören oder gar zu zerstören.

Der Mensch müsse also zum Schutz der Kreaturen nicht immer direkt eingreifen. Oft genüge es bereits, die Natur einfach in Ruhe zu lassen. So sei jeder Baum ein wichtiger natürlicher Lebensraum, den man nicht vorschnell umsägen und zerstören sollte. Gerade zur Winterszeit bewiesen Bäume ihre vielfältige Schutz- und Wohnfunktion für zahlreiche Tierarten und Insekten, wie Naturexperten betonen.

Doch es läuft vieles gegen die bedrängten Kreaturen. Die natürlichen Gegebenheiten und die Lebensräume haben sich spürbar zu Ungunsten der Tier-, Vogel- und Insektenwelt verändert.

Es fehlen naturbelassene Areale, alte und knorrige Bäume, samentragende Sträucher, schützende Unterstände oder auch ungestörte Unterschlupf- und Rückzugsmöglichkeiten.

Aus der Sicht des Naturschutzes wird deshalb eine Winterfütterung durch den Menschen längst bejaht, weil sie zum Überleben vieler seltener und geschwächter Vögel unserer Heimat beiträgt.

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