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Unterallgäu

17.05.2018

Laufen für die Umwelt - das steckt hinter dem Plogging-Trend

Joggen und dabei Müll am Wegesrand einsammeln – das ist „Plogging“.
Bild: Daniel Reinhardt, dpa

Ein neuer Trend bewegt den Sport: Plogging, das Joggen mit einer Aufräumaktion verbindet. Isabel Schimmer hat sich schlaugemacht und es selbst ausprobiert.

Wir sind im Wald unterwegs. Die Sonne scheint und unsere Beine bewegen sich gleichmäßig, ohne dass es anstrengend wird. Am Wegrand sehen wir ein Taschentuch, also halten wir an und werfen es in den Beutel. Kurz darauf fallen wir wieder in den gleichmäßigen Laufrhythmus. Nach fünf Minuten sehen wir erneut etwas im Gras liegen: Müll.

Jährlich landen mehrere Tonnen davon in den Wäldern und auf den Straßen – achtlos weggeworfen. Genaue Zahlen für das vergangene Jahr sind noch nicht bekannt. Doch wie es scheint, nimmt der Abfall im Laufe der Jahre immer weiter zu. In Wäldern, auf Feldern, neben der Straße und sogar im Meer findet man ihn, weil viele Menschen offenbar zu bequem sind, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Aufzuhalten ist diese enorme Umweltverschmutzung zwar nicht, aber wir alle können unserer Natur einen großen Gefallen tun und dafür sorgen, dass der Abfall zumindest in der Tonne oder auf dem Wertstoffhof landet. Zum Beispiel, indem wir ploggen.

Sportkleidung plus Stoffbeutel plus Bewegung ergibt Plogging

Was das bedeutet? Buchstäblich meint es eine Kombination aus dem altbekannten Freizeitsport Joggen und dem schwedischen Wort plocka, das übersetzt so viel wie sammeln heißt. Das ist ein neuer Trend rund um den Umweltaktivisten Erik Ahlström und ein paar Schweden und Schwedinnen. Und was macht man dabei? Ganz einfach: Man schnappt sich einen Stoffbeutel plus Sportkleidung und geht joggen. Findet man unterwegs am Wegesrand Zigarettenstummel oder Pappe – einfach aufsammeln, mitnehmen und später entsorgen. In den sozialen Netzwerken kommt es unter dem Hashtag #plogging richtig gut an: Auf der ganzen Welt posten umweltbewusste Leute die Bilder von ihren Laufrunden inklusive Müllsammlungen.

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Schließlich haben es auch eine Freundin und ich dann gewagt: das Ploggen. Mitgenommen haben wir nichts anderes außer Laufschuhe, Handschuhe und – natürlich – einen Plastikbeutel. Sobald wir den Dorfrand hinter uns gelassen hatten, entdeckten wir in einem Feld bereits die ersten Papierfetzen, die wir in den Müllbeutel packten. Wir fanden noch mehr Papier und Pappe, Plastiktüten und weitere Papiertaschentücher. Außerdem Zigaretten und, mitten im Wald, eine Glasscherbe. Als wir am Ende leicht verschwitzt und zufrieden mit Handschuhen und Müllbeutel von unserer Plogging-Tour nach Hause kamen, habe ich das Gesammelte in die Mülltonnen sortiert. Die Glasscherbe habe ich einige Tage später zum Wertstoffhof gebracht.

Plogging hilft der Umwelt und der Figur

Plogging ist übrigens nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch super für die Figur. Denn bei jedem Papierstückchen muss man stoppen und sich bücken, was neben der Ausdauer auch noch weitere Muskelgruppen trainiert. Perfekt wäre es, wenn man dann gleich eine Kniebeuge dazu macht. 15 Mal in die Hocke gehen, wären schon 150 Kalorien! Je voller der Plastikbeutel wird, desto effektiver ist das Training für die Arme. Also ist Plogging ein echtes Ganzkörper-Work-out.

Ich gehe eigentlich nicht oft joggen, trotzdem sind wir dann insgesamt etwa drei Kilometer gelaufen. Aber letztendlich hat es viel Spaß gemacht und mir ein gutes Gefühl gegeben. Damit ist Plogging für mich eine perfekte Mischung aus Fitness und Umweltschutz.

Zum Glück gibt es vielerorts größere Aktionen zur Müllbeseitigung wie beispielsweise „Rama Dama“ oder größer in Hamburg „Hamburg räumt auf“. Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto Plogging. Wenn jeder mithilft, kann tatsächlich einiges bewegt werden. Jeder macht nur eine Kleinigkeit, aber auf den ganzen Planeten bezogen kann es ein Riesenschritt sein.

Und in der (Lauf-) Gruppe macht das Müllsammeln gleich noch viel mehr Spaß: Wer am Ende am meisten im Beutel hat, gewinnt und bekommt ein Eis spendiert. Und man ist nicht allein, wenn einem Passanten irritierte Blicke zuwerfen, weil sie sich über uns Jogger mit Müllbeutel wundern. Für mich steht jedenfalls fest: Wenn ich draußen unterwegs bin, werde ich künftig den Abfall, den ich dabei so finde, mitnehmen.

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