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Bad Wörishofen

10.04.2020

Pflege in der Corona-Krise: 400 Karten als Dank

Liebevoll gestalteten Familien der Pfarreiengemeinschaft die Karten.
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Liebevoll gestalteten Familien der Pfarreiengemeinschaft die Karten.

Plus Seit Wochen dürfen Pflegeeinrichtungen nicht mehr besucht werden. Das Personal versucht, fehlende Kontakte aufzufangen. Dafür gab es nun einen besonderen Dank.

Kaum eine andere Branche dürfte in der Corona-Krise ähnlich stark gefordert sein wie der Pflegebereich. Gleich an mehreren Fronten kämpfen die Pflegenden derzeit. Von hohen Belastungen, aber auch Ängsten, berichten die Verantwortlichen der drei großen Bad Wörishofer Altenheime.

Um dem Pflegepersonal und den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Freude zu machen, hatte Bad Wörishofens katholischer Pfarrer Andreas Hartmann bereits zu Beginn der strengen Vorsichtsmaßnahmen Familien darum gebeten, Karten für die Seniorenheime zu gestalten.

Mehr als 400 Karten haben Kinder, Jugendliche und Familien in Bad Wörishofen gestaltet

Über 400 Karten sind in den vergangenen Wochen von Kindern, Jugendlichen und Familien der Pfarreiengemeinschaft Bad Wörishofen liebevoll gestaltet worden. Pfarrer Andreas Hartmann, Gemeindereferent Filip Bäder und Katja Moser gestalteten weitere Karten als Gruß- und Dankeskarten der Pfarrei St. Justina für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wörishofer Altenpflegeeinrichtungen.

Die Heim- oder Pflegedienstleiter bedankten sich im Namen ihres Personals und stellvertretend für die Bewohner für diese aufmerksame Geste. Sie berichteten bei der Übergabe aber auch von ihren derzeitigen Nöten. „Wir erleben sehr anstrengende Tage“, sagte Michael Zimmermann, der Leiter der Seniorenresidenz der Arbeiterwohlfahrt.

Viele Mitarbeiter hätten Kinder zu Hause, die in den vergangenen drei Wochen nicht zur Schule gehen konnten. Manche hätten die eigens für Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, eingerichtete Kinderbetreuung nicht in Anspruch nehmen können, da die Busverbindungen nicht mehr angeboten worden seien.

Der Weg ist richtig, findet der Leiter der Seniorenresidenz der Arbeiterwohlfahrt

Dennoch lobt Zimmermann die restriktiven Einschnitte in das Alltagsleben unserer Gesellschaft: „Der Weg ist richtig. Wir sind dankbar für die klaren politischen Vorgaben“, erklärt der Leiter der Seniorenresidenz. Zu den Maßnahmen zählt auch ein strenges Betretungsverbot aller Alten- und Seniorenpflegeeinrichtungen. Was die Einrichtungen einerseits schützen soll, bedeutet andererseits einen Mehraufwand an Pflege und Zuwendung. „Gerade bei unseren dementen Bewohnern versuchen wir die Situation aufzufangen. Sie verstehen es ja nicht, dass sie nun keine Besuche mehr bekommen dürfen“, erläutert Michael Zimmermann. In schwierigen Situationen versuchten die Einrichtungen, den Alltag möglichst aufrechtzuerhalten, betont Rosina Falter, die Pflegedienstleiterin im Kreisaltenheim am Anger.

Dabei hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst Ängste vor Corona-Infektionen in den Einrichtungen. Sämtliche mögliche Vorsichtsmaßnahmen würden deswegen getroffen. „Wir halten uns natürlich auch innerhalb unserer Einrichtungen an die Abstandsregeln“, hebt Johanna Luxemburger, die das Seniorenzentrum Maximilian leitet, hervor. Sorge bereitet den Einrichtungen auch die weltweite Knappheit an medizinischer Schutzausrüstung. „Im Notfall hätten wir Mundschutz für die Anfangsphase eines Ausbruchs“, gesteht Zimmermann und hofft auf weitere Zuteilungen, um die er sich seit Wochen bemüht.

Lob an die Mitarbeiter in der Corona-Krise für das Miteinander

Gerade wegen der fordernden Arbeitsbedingungen lobt Zimmermann seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Hut ab vor meinem Team!“ Trotz der Ängste und Sorgen herrsche in seiner Einrichtung ein sehr gutes Miteinander. Alle Einrichtungsverantwortlichen betonen, dass ihre Bewohner trotz des Besuchsverbotes auf Zuwendung und Kontakte angewiesen seien. Über die Karten der Pfarreiengemeinschaft würden sich ihre Senioren „unwahrscheinlich“ freuen, vermutet Rosina Falter und weist darauf hin, dass auch Angehörige jederzeit Geschenke abgeben dürften.

Michael Zimmermann hat inzwischen bereits die ersten Karten verteilt. Es seien aus Dankbarkeit Tränen geflossen, berichtet der Einrichtungsleiter. Jedes Zeichen von außen, dass unsere alten Mitmenschen und ihre Pflegenden nicht vergessen werden, sei derzeit willkommen, meint Michael Zimmermann.

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