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Illerbeuren

10.09.2019

Wie die Handwerkertage in Illerbeuren begeistern

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Mit Breitbeil und Waldsäge bearbeiteten Zimmerleute bei den Handwerkertagen große Baumstämme (rechts). Aus ihnen soll einmal ein Feuerwehrrüsthaus werden. Jürgen Herzing (links) war heuer erstmals mit einer Schaufelstielmaschine in Illerbeuren vertreten. Zudem wurde eine alte Strohseilmaschine vorgeführt.

120 Akteure gewähren zahlreichen Besuchern in Illerbeuren Einblicke in ihre Arbeit. Dabei gab es Interessantes, Historisches - und Kurioses.

Auch wenn das Regenwetter am frühen Morgen den Verantwortlichen und den rund 120 Akteuren bei den 40. Handwerkertagen im Bauernhofmuseum in Illerbeuren größte Sorgen bereitet hatte, so fanden nachmittags doch fast alle geplanten Aktionen statt. Lediglich das Schneiden, Aufsammeln und Binden der Getreidegarben musste entfallen. Die meisten Handwerker zimmerten ein kleines Dach über ihre Wirkungsstätte, damit die oftmals hölzernen Geräte keinen Schaden nahmen. Und der Aufwand hatte sich gelohnt: Denn die Besucher strömten auf das Museumsgelände.

Susanne und Jochen Weis aus Heidenheim ließen sich von Bildhauer Uwe Gorzalka aus Aichstetten für feine Farben inspirieren. Dabei verwendete er Pigmente aus Steinen, die zuvor gemörsert, gesiebt und mit einer speziellen Tinktur für Aquarelltechnik gemischt wurden. Danach marschierte das Ehepaar zu Barbara Schöffel, die ihnen in der Tenne des Grieshofes eine goldene Gliederkette schmiedet. Wie ihr Vater Ivo gehört sie seit Jahrzehnten zum Stammpersonal der Handwerkertage.

Teile der Handwerkertage im Bauernmuseum Illerbeuren fallen ins Wasser

„Es könnte besser sein, aber es ist auch nicht schlecht“, sagte Museumsleiter Dr. Bernhard Niethammer auf dem Gang zum Reißboden, dem gemeinsamen Projekt des Heimatdienstes Illertal und des Bauernhofmuseums: Historische Archivarien waren die Grundlage für das Feuerwehrrüsthaus aus dem Jahr 1731, das im Bereich „Mittelschwaben“ aufgestellt werden soll. Zimmerleute bearbeiteten mit Breitbeilen und Waldsägen die dicken Baumstämme für dieses Haus. Ziel ist es, die Besonderheiten des Baus aus dem 18. Jahrhundert darzustellen. Auch ins noch nicht fertiggestellte „Haus der Schützenkultur“ kehrte zumindest kurzzeitig Leben ein; allerdings nur im Eingangsbereich. Franziska Wacker war gerade damit beschäftigt, mit Ölfarbe auf eine schwere Schützenscheibe einen röhrenden Hirsch in einer Waldlichtung zu malen. Gleich daneben vertrat Karl Haiß die Königlich Privilegierten Schützen Neu Ulm mit ihren legendären Schwarzpulverwaffen. Mit der kleinen Ladepresse wurden Revolver geladen.

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Franz Greber ist schon seit 20 Jahren Stammgast in Illerbeuren. Er filzte mit Schafwolle, Heißwasser, Schmierseife und „viel Bewegung“ Hüte. Dies sei die älteste textile Herstellung, die es auf der Welt gebe, sagte der aus Gestratz (Westallgäu) stammende Schafhalter und ergänzte stolz: „Beheimatet im richtigen Allgäu.“ Hans Bienert fand es „sehr, sehr schade, dass uns das Regenwetter die Suppe versalzen hat“. Der Lautracher Malermeister hatte dennoch eine französische Dampfmaschine aus dem Jahr 1890 mitgebracht. Unentwegt trieb sie einen Stiftendrescher an. Bienert hätte den Besuchern sehr gerne „das ganze Programm gezeigt“, doch die geplante Getreideernte mit Sichel, Sense und Binder fiel heuer buchstäblich ins Wasser.

Werner Bühler aus Dilpersried präsentierte den Museumsbesuchern eine alte Strohseilmaschine, die aus Weißroggenstroh lange Seile dreht. Elfriede Bäßler aus Amberg nahm so ein solches Kunstwerk mit nach Hause: Sie will das Strohseil zu einem Kranz formen und mit kleinen Blümchen schmücken.

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