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Türkheim
14.05.2022

Heimatgeschichte zum Anfassen auf der Römerschanze

Mit dem Metalldetektor auf Schatzsuche am Römerhang: Für die vier sechsten Klassen des Joseph-Bernhart-Gymnasiums in Türkheim gab es mit zwei Jubiläen gleich einen doppelten Anlass dafür: Der Landkreis Unterallgäu wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, ebenso wie das Gymnasium.
Foto: Sabine Schaa-Schilbach

Der Landkreis Unterallgäu und das Türkheimer Gymnasium werden heuer 50 Jahre alt. Grund genug für einen spannenden Ausflug zur Türkheimer Römerschanze.

Endlich herrscht wieder ein Wetter, bei dem man sich gerne draußen aufhält. Und endlich dürfen auch Schulkinder nach zwei Jahren Pause wieder auf Exkursion nach draußen gehen, hier auf die Türkheimer Römerschanze. Für die vier sechsten Klassen des Joseph-Bernhart-Gymnasiums in Türkheim gab es mit zwei Jubiläen gleich einen doppelten Anlass dafür: Der Landkreis Unterallgäu wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, ebenso wie das Gymnasium. Das gibt es seit 1972.

Gymnasiasten aus Türkheim machen einen Ausflug in die Heimatgeschichte

Nahegebracht werden sollte den Jugendlichen die Geschichte unserer Heimat, für Interesse und Begeisterung sollte ein Grundstein gelegt werden. Vier Referenten stellten sich dieser Aufgabe: Kreisheimatpfleger Markus Fischer, dann die Leiterin des Schwäbischen Archäologie-Museums Friederike Haber, dann Kreisarchivpfleger Silverius Bihler und Kreisheimatpfleger a.D. Peter Hartmann. Zur Geschichte der Kelten und Römer in unserer Region hatten sie viel Wissen und Material mitgebracht. Und Dinge zum Anfassen: römische Ziegel und Fensterglasstücke, keltische Tonscherben und Eisenerzstücke, alles um die 2000 Jahre alt.

Sie brachten den Sechstklässlern die Geschichte unserer Heimat nahe: (von links) Markus Fischer, Peter Hartmann, Friederike Haber und Silverius Bihler.
Foto: XXX

Die vier Stationen, die die 100 Schülerinnen und Schüler in vier Gruppen mit je einer Lehrkraft und dem jeweiligen Referenten durchliefen, waren gleichzeitig die Besiedelungs- und Fundorte aus keltischer und römischer Zeit hier bei uns.

Ein kartiertes, keltisches Hügelgrab auf dem Golfplatzgelände sah zwar eher aus wie ein Wasserloch. Aber so konnten die Kinder es sich vorstellen, wie schon sehr früh das Landschaftsbild durch den Menschen verändert worden war. Ackerland und Baumaterial seien immer begehrt gewesen. Das Highlight für die Gruppe war eine Suche mit der Metalldetektor.

Markus Fischer erläuterte, dass in Bayern die Suche mit solchen Sonden mit Einschränkungen erlaubt sei. Sehr zur Freude der Kinder schlug sie tatsächlich an – allerdings auf (Schokoladen-) Goldstücke eingestellt.

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Von den Kelten bis zu den Römern an der Türkheimer Römerschanze

Von den Kelten ging es ein paar Jahrhunderte weiter zu den Römern. Entlang der Wertach verlief eine alte Römerstraße. Sie führte auf der heutigen Irsinger Straße am Gymnasium vorbei Richtung Norden durch Türkheim. Um den Goldberg herum waren zur Versorgung des römischen Militärs Bauernhöfe entstanden. Am Hang gelegen waren sie nach Süden ausgerichtet. Friederike Haber hatte die Ziegelplatte einer Fußbodenheizung aus einer römischen Villa mitgebracht. Groß das Erstaunen der Kinder, dass auf einem Ziegelstück der Jahrtausende alte Abdruck einer Tierpfote sichtbar war. Auch ein kleines, hier gefundenes Öllämpchen aus Ton und einen römischen Schlüssel aus Metall durften die Kinder von Hand zu Hand gehen lassen. Sie konnten fühlen, dass Türkheim „geschichtlich ein superinteressanter Ort (Haber)“ sei.

Kreisheimatpfleger a.D. Peter Hartmann zeigt seiner Gruppe auf der Römerschanze das Modell eines keltischen Brennofens für Eisenerz.
Foto: XXX

Der dritte geschichtliche Ort war die Römerschanze selbst, heute ein großes Fußballfeld mit einem Wall außen herum. Ein Bodendenkmal, das eigentlich eine Keltenschanze ist. Peter Hartmann nahm dieses Gelände zum Anlass, von der Eisenerzgewinnung von vor 2000 Jahren zu erzählen. Er zeigte Modelle von Brennöfen und ließ einen Gesteinsbrocken mit einer bunten, ausgeschmolzenen Glasschicht herumgehen. Auch heute noch könnten auf Ackerböden Eisenerzklumpen aus der Keltenzeit gefunden werden, beispielsweise nach dem Pflügen.

Die letzte gezeigte Fundstätte aus der Römerzeit war das Römische Kastell „Rostrum Nemaviae“ am östlichen Hang des Goldbergs. „Auch wenn da nur Silber gefunden wurde“, wie Altbürgermeister Silverius Bihler seiner Sechstklässler-Gruppe erklärte. Dieses Kastell sei ein befestigtes Lager zur Abwehr vorrückender Germanenstämme gewesen und habe zur Versorgung römischer Soldaten gedient. Hier führte auch die Römerstraße Richtung Ettringen vorbei. Etwas ganz Besonderes hatte Silverius Bihler noch mitgebracht: eine kleine römische Silbermünze mit dem Kopf des Kaisers Domitian, 2000 Jahre alt. Für die Kinder, in deren Geschichtsunterricht gerade das Römische Weltreich dran ist, war dieser Fund aus ihrer Heimat sicher sehr eindrucksvoll.

Sie alle haben während der dreistündigen Exkursion kaum geschwächelt, trotz zusätzlichem Hin- und Zurückweg von ihrer Schule. Leons Fazit steht sicher für viele Sechstklässler: Er hat gerne zugehört und will jetzt nach dieser Exkursion in die Geschichte seiner Heimat „ganz bewusst hingucken“. Auch wären auf dieser Exkursion echte Überraschungen für ihn dabei gewesen.

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