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Wissenschaft

09.01.2015

1,5 Millionen Euro für den Bauplan des Lebens

Christof Gebhardt

Der Ulmer Biophysiker Christof Gebhardt erforscht die Architektur des Erbguts

Den Bauplan des menschlichen Lebens trägt jeder mit sich, fein säuberlich zusammengefaltet im Zellkern. In seinem Projekt „Chrom Arch“ will Professor Christof Gebhardt vom Ulmer Institut für Biophysik diesen Plan genauer untersuchen. Für sein Forschungsvorhaben bekommt er nun eine Förderung des Europäischen Forschungsrats in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro, einen sogenannten Starting Grant. Gebhardts Erkenntnisse über das Erbgut könnten auch zu einem besseren Verständnis bestimmter Erbkrankheiten führen.

Wie der Name des Projekts „Chorm Arch“ bereits zeigt, spielen die Chromosomen im menschlichen Körper bei den Forschungen eine wichtige Rolle. Die dreidimensionale Anordnung des Erbguts in den Chromosomen bestimmt, wie DNA repariert und repliziert wird. Gebhardt will räumliche und zeitliche Ordnungsprinzipien der Chromatinstruktur untersuchen – und das anhand einzelner Moleküle in lebenden Zellen.

Der Biophysiker will die Genregulation erforschen, dabei werden Abschnitte des Erbguts an- und ausgeschaltet. Dieser Prozess, der auch durch Umwelteinflüsse angestoßen werden kann, entscheidet unter anderem darüber, wie ein Lebewesen aussieht und für welche Krankheiten es anfällig ist. Der Ulmer Professor will herausfinden, welche molekularen Mechanismen dazu führen, dass sich entsprechende Chromatinstrukturen ausbilden.

Dabei kommt dem 36-Jährigen eine Methode zugute, die er als Postdoktorand an der Harvard University entwickelt hat: die Reflected-Light-Sheet-Mikroskopie. „Mit der RLS-Mikroskopie können wir sehr dünne Schichten einer Zelle beleuchten und Prozesse in ihrem Inneren beobachten“, erklärt der Wissenschaftler. Die Förderung des Europäischen Forschungsrats wird sich Gebhardt nutzen, um sich mit der Methodenentwicklung zu beschäftigen.

Seit dem Sommersemester 2013 arbeitet Gebhardt am Institut für Biophysik an der Uni Ulm, zuvor erforschte er drei Jahre an der Harvard University das Innere der menschlichen Zellkerne.

Er ist nicht der erste Wissenschaftler der Uni Ulm, der einen Starting Grant erhalten hat. Auch Professor Jens Michaelis, Leiter des Instituts für Biophysik sowie Professor Timo Jacob vom Institut für Elektrochemie erhielten in der Vergangenheit Zusagen. Ende 2012 konnten Ulmer Wissenschaftler sogar einen Synergy Grant über rund 10,3 Millionen Euro einwerben – das höchst dotierte Forschungsförderungsinstrument der Europäischen Union. (az)

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