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Senden

08.12.2019

Bauern mahnen an: Protestaktion auf freiem Feld

Ungefähr 70 Teilnehmer sind am Samstagabend zu einem Mahnfeuer bei Senden gekommen. An insgesamt rund 150 Orten in ganz Deutschland hatten sich Bauern zusammengefunden, organisiert im Netzwerk „Land schafft Verbindung“.
Bild: Andreas Brücken

Mit einem Feuer machen Landwirte in Senden im Rahmen einer bundesweiten Aktion auf ihre Probleme aufmerksam. Sie sehen sich in einer Zwickmühle

Das lodernde Feuer ist schon von Weitem zu sehen. Zur Mahnung für die prekäre Lage der Landwirte haben sich ungefähr 70 Teilnehmer am Samstagabend auf dem Feld bei Senden, nahe dem „scharfen Eck“ Kemptener Straße/Römerstraße, versammelt. Etwa ein Dutzend Zugmaschinen sind auf dem Feldweg geparkt, auf großformatigen Schildern sind Parolen wie „Wir haben es satt, euer Sündenbock zu sein“, „Der Bogen ist überspannt“ oder „Agrarpaket – wir wollen mitreden“ zu lesen.

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Von einer krawallartigen Protestveranstaltung will Philipp Jans, der Sprecher der Initiative, nicht reden. Vielmehr wollen die Landwirte den Dialog zu den Verbrauchern suchen. Der sei verloren gegangen, seit die Vermarktung ihrer Produkte ausschließlich durch große Einzelhandelsketten abgewickelt werde. „Wir haben keinen Zugang mehr zum Markt, der nur noch global stattfindet“, sagt Jans. Fleisch, Obst und Gemüse würden an die Discounter abgeliefert, die als Großabnehmer den Erzeugern die Preise gnadenlos diktierten.

Hoher Preisdruck, schärfere Umweltvorschriften

Um von ihren Erzeugnissen unter diesen Bedingungen weiterhin leben zu können, müssten die Landwirte deshalb immer mehr auf industrielle Produktion setzen, berichtet Jans weiter. Die Folge sei, dass im zunehmenden Konkurrenzkampf des Lebensmittelhandels immer mehr Bauernhöfe dem Preisdruck nicht standhalten konnten und den Betrieb einstellten. Rund die Hälfte aller Landwirtschaften haben Jans zufolge in den vergangenen 40 Jahren ihre Arbeit aufgegeben, weil sich der Ertrag nicht mehr gelohnt hat. Höherer Preisdruck und immer schärfere Umweltvorschriften bringen die Bauern in eine wirtschaftliche Zwickmühle: „Wir müssen die ökonomischen und ökologischen Belange unter einen Hut bringen“, sagt Jans und verdeutlich: „Das ist so, als würde man von einem Gartenbesitzer verlangen, seinen Anbau rein biologisch zu betreiben, Flächen für den Artenschutz zu Verfügungen zu stellen und gleichzeitig die Kosten dafür zu übernehmen.“

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Jans betont aber auch, dass er und seine Kollegen durchaus bereit seien, ökologische Produkte anzubieten: „Wenn Bio verlangt wird, sind wir dabei.“ Doch dürfe es nicht sein, dass die Kosten für die geforderte Artenvielfalt, den Klimaschutz und eine artgerechte Tierhaltung ausschließlich von den Landwirten bezahlt werden sollen. Die zahlreichen Ökolabels und Gütesiegel, wie sie derzeit in den Supermarktregalen angepriesen werden, würden derweil den Verbraucher nur verwirren und nicht wirklich zu einer Verbesserung der Lage führen. „Wir arbeiten in Deutschland im internationalen Vergleich bereits auf hohen Umwelt- und Sozialstandards“, betont Jans.

Versammlungen an rund 150 Orten in Deutschland

Selbstkritisch zeigt sich der Landwirt gegenüber der Entwicklung der Bauernhöfe in den vergangenen Jahrzehnten: „Wir müssen unsere Höfe wieder für die Bevölkerung öffnen, soweit es im Rahmen der Verordnungen möglich ist.“ Damit soll wieder die Bereitschaft der Kunden gestärkt werden, in Zukunft Premiumprodukte aus regionaler Herstellung statt Billigangebote aus dem Kühlregal zu kaufen. Wert legen die Versammelten darauf, dass sie sich nicht hinter den Interessen einer Partei oder eines Verbandes stellen wollen.

Im Netzwerk „Land schafft verbindung“ hatten sich am Samstag Bauern an etwa 150 Orten in Deutschland zusammengefunden, um mit den Mahnfeuern auf sich aufmerksam zu machen. „Wir wollen uns nicht auf eine Zeitschiene der Regierung stellen lassen oder mit dem Finger auf die Opposition zeigen“, sagt Jans dazu.

Einen Vorbericht auf die Veranstaltung lesen Sie hier:

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