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Ulm

13.03.2019

Erwin Müller zieht sich aus Drogerie-Imperium zurück

Mit Münsterblick: Das Müller-Kaufhaus in der Ulmer Fußgängerzone. Das Unternehmen hat 35.000 Mitarbeiter
Bild: Oliver Helmstädter

Der Nachfolger von Erwin Müller soll im Juni anfangen. Zwei Stiftungen regeln die weitere Zukunft - der Brexit wirft aber Fragen auf.

Jetzt macht Erwin Müller offenbar ernst mit seinem Rückzug. Auf dem österreichischen Wirtschaftsportal trend.at ist ein „exklusives“ Interview mit seinem designierten Nachfolger Günther Helm veröffentlicht. Helm war bis vor kurzem noch Chef der österreichischen Aldi-Tochter Hofer und bestätigt darin, dass er ab 1. Juni an der Spitze der deutschen Drogeriemarkt-Kette Müller stehen werde. Der 40-jährige, der in Linz wohnt, folge ab 1. Juni dem Konzerngründer Erwin Müller, der mit 86 Jahren immer noch als Alleingeschäftsführer agiert.

„Ja, ich habe mich für Müller entschieden und werde dort den Generationswechsel vollziehen“, wird Helm auf trend.at zitiert. Müller, der laut Forbes-Magazin zu den 666 reichsten Menschen der Welt gehört, werde sich demnach „fast vollständig zurückziehen“ und sich nur noch um ein paar kleinere Bereiche kümmern.

Offenbar verstehen sich Helm und der mehr als doppelt so alte Müller. Wie mehrere österreichische Medien berichten, waren beide Gast im berühmtesten Ballsaal der Welt beim Opernball in Wien: Und zwar in der Loge von Raiffeisen-Oberösterreich-Generaldirektor Heinrich Schaller.

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Müller gründete zwei Stiftungen

Die Kontakte Müllers in das südliche Nachbarland scheinen intensiv zu sein. Nicht nur, weil Müller offenbar inzwischen die österreichische Staatsbürgerschaft hat, wie das Manager-Magazin schreibt. Die Stiftung, ein zur Verlagsgruppe der Frankfurter Allgemeinen gehörendes Portal meldete, dass Müller zwei Stiftungen in Linz und Graz gegründet habe, deren Zweck es nach dem Willen des Stifters sei, dem Erhalt seines Handelsimperiums zu dienen. Vor seinem 85. Geburtstag im September 2017 habe der Gründer der Drogeriemarktkette, die Weichen für die Zukunft seines Unternehmens derart gestellt.

Mit der Errichtung dieser Privatstiftung wolle Müller wieder die vollständige Kontrolle über sein Unternehmen erlangen. Wie das Manager-Magazin recherchierte, habe sich Sohn Reinhard Müller, seinen Anteil von 35,4 Prozent auszahlen lassen. Ein Stiftungsvorstand solle sich laut Die Stiftung aus Müllers Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz, dem steirischen Unternehmensberater Walter Schiefer (Vorsitzender) und dem steirischen Steuerberater Norbert Ertler (Stellvertretender Vorsitzender) zusammensetzen.

Die österreichische Kronen-Zeitung berichtete im Juni vergangenen Jahres, dass die Stiftung einen zweistelligen Millionenbetrag in ein für ganz Europa zuständiges Stammzellentherapie-Zentrum investieren will. Dass deutsche Unternehmer in Österreich eine Privatstiftung sei demnach nichts Ungewöhnliches. So hätten es etwa auch Hans Riegel (Haribo) oder Reinhold Würth (Würth, Liqui Moly ) gemacht.

Wie wirkt sich der Brexit auf Müller aus?

Eine Anfrage unserer Redaktion zum Thema Erwin-Müller-Nachfolge blieb unbeantwortet. Genauso wie eine Anfrage zum Thema Brexit: Denn Müller hat eine Gesellschaftsform („Müller Großhandels Ltd. & Co. KG“) nach britischem Recht gewählt. Das „Ltd“ steht für Limited. Für das Unternehmen gelten gesellschaftsrechtlichen Regeln Großbritanniens, auch wenn es seinen Sitz in Ulm hat.

Das Problem: Mit einem ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreiches können Gesellschaften in einer britischen Rechtsform laut einer Mitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie nicht mehr von der Niederlassungsfreiheit Gebrauch machen und dürften in Deutschland nicht mehr als rechtsfähige Gesellschaften ausländischen Rechts anerkannt werden.

Über eine Umwandlung in eine deutsche Rechtsform schweigt sich Müller jedoch aus.

Nachtrag: Die Firma Müller bestätigte inzwischen, dass zum 1. Juni Günther Helm seine Tätigkeit als Geschäftsführer aufnimmt.

(heo)

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