1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Glück ist, wenn man das Glück nicht sucht

Philosophie

15.03.2014

Glück ist, wenn man das Glück nicht sucht

Illustre Runde bei der Eröffnung: (von links) Oberbürgermeister Ivo Gönner, Renate Breuninger vom Humboldt-Studienzentrum, Eröffnungsredner Julian Nida-Rümelin und Martin Hettich, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Baden-Württemberg, die die „Denkanstöße“ finanziell unterstützt.
Bild: Horst Hörger

Ex-Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin eröffnet die Ulmer Denkanstöße im Stadthaus

Der Münchner Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin gilt in der Bundesrepublik und über deren Grenzen hinaus als intellektuelles Schwergewicht. Genau der richtige Mann also, um die siebte Ausgabe der „Ulmer Denkanstöße“ im Stadthaus zu eröffnen, die sich noch bis heute, Samstag, mit einem philosophischen Thema beschäftigen, das aktueller kaum sein könnte: „Zwang zum Glück? Wertewandel in der Erlebnisgesellschaft“.

Der frühere Kulturstaatsminister Nida-Rümelin ebnete mit seinem Beitrag gewissermaßen den Weg für die folgenden Diskussionen und Vorträge. Unter dem Titel „Zur Rehabilitierung der Tugendethik. Glück – Spaß – gelungenes Leben“ beschäftigte er sich bei der Eröffnungsveranstaltung mit grundlegenden Fragen der Philosophie: Was ist Glück? Was ist ein gelungenes Leben? Nida-Rümelin, der sich in seinem jüngsten Buch der „Philosophie einer humanen Bildung“ widmete, wandte sich dafür zunächst Klassikern der Philosophie zu: unter anderem Jeremy Bentham (1748-1832), der Glück als Ergebnis einer positiven Lust-Leid-Bilanz betrachtete – womit es sozusagen messbar wird. Als Gegensatz zu dieser Sichtweise, die Glück als mentalen Zustand betrachtet, führte der 59-Jährige die Philosophen der griechischen Antike an, für die sich ein gelungenes Leben in erster Linie in der Praxis gezeigt habe.

Was ist nun also Glück? Nida-Rümelin wagte eine Synthese: Glück bestehe in einer gelungenen Autorschaft des eigenen Lebens. Dabei seien drei Elemente entscheidend: ein gewisses Maß an Transzendenz, also die Orientierung an Dingen, die nicht nur einen selbst betreffen, ein Weltbezug – und dass die eigene Lebenspraxis nicht nur ein Instrument zur Erreichung von Zielen sei. Wichtig sei es, Dinge auch nur um ihrer selbst willen zu tun. Zum Abschluss hatte Nida-Rümelin, der komplett frei sprach, noch einen Vorschlag: Um ein glückliches Leben zu führen, sollte man nicht zu viel darüber nachdenken, was einen glücklich mache.

Doch zumindest während der „Denkanstöße“ dürfte das Nachdenken über Glück noch Konjunktur haben. Renate Breuninger, Geschäftsführerin des Humboldt-Studienzentrums, hatte vor Nida-Rümelin schon einen Überblick über das Themenfeld gegeben. Sie sprach vom Ende der Erlebnisgesellschaft. Die Jagd nach (schnellem) Glück verwandle sich zunehmend in eine Suche nach Sinn – erkennbar sei dies in der Gesellschaft zum Beispiel im zunehmenden Streben nach Nachhaltigkeit oder der Rückbesinnung auf Werte wie Heimat. Die Idee des „immer mehr“ habe für viele ausgedient. Breuninger: „Wer immer Sahnetorte isst, weiß nachher nicht mehr, wie sie schmeckt.“ (mgo)

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20_AYA3837.tif
Weißenhorn

Stadt will mehr Bauplätze an Einheimische vergeben

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket