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Porträt

25.05.2016

Neue Akzente an der Mittelschule

Birgit Plechinger hat in ihrer neuen Aufgabe viel vor.
Bild: Angela Häusler

Für die neue Rektorin Birgit Plechinger ist Schule vor allem Lebensraum. Sie hat in ihrem neuen Amt einiges vor

„Ich habe den schönsten Beruf der Welt“, sagt Birgit Plechinger voller Überzeugung. Seit Mitte Februar leitet sie die Sendener Mittelschule und ist ab dem 1. Juni offiziell deren Rektorin. Dass sie dort neue Akzente setzt, sieht man dem Schulhaus bereits an.

Deutlich farbenfroher als bisher nämlich präsentiert sich die Rektor-Werner-Ziegler-Mittelschule in diesen Tagen: Unter anderem farbig gestrichene Wände, bemalte Blumentöpfe und kunterbunte Stühle gehören jetzt zum Inventar. Diese eigentlich schmucklosen Standardsitze in Holzoptik haben die Schüler unlängst mithilfe von Klarlack und bedrucktem Papier ganz nach eigenem Gusto in kleine Kunstwerke verwandelt. Und auch dem frisch eingerichteten Hausaufgabenraum im Erdgeschoss einen blauen Anstrich samt Bullaugen und Fischen verpasst.

„Ich möchte, dass hier eine heimelige Atmosphäre herrscht, in der man sich wohlfühlt“, begründet Birgit Plechinger solche Initiativen, in die sie gerne nicht nur Schüler, sondern auch Lehrerkollegen und Eltern einbindet. Denn sowohl im Unterricht als auch im Zusammenleben an der Schule ist ihr wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Das könnte bald auch für die Umgestaltung des ziemlich kargen Pausenhofs gelten, die sie ebenfalls noch angehen möchte, am besten unter Mitwirkung von Jugendlichen und Eltern. Den „Lebensraum Schule“ zu gestalten, ist für die 49-Jährige eine gemeinsame Aufgabe.

Daher spielt für Birgit Plechinger, die in den vergangenen 20 Jahren Lehrerin an der Neu-Ulmer Peter-Schöllhorn-Mittelschule war, der Dialog eine entscheidende Rolle. Lehrer und Schüler sollen sich nach Möglichkeit auf Augenhöhe begegnen. Also haben sich die Schüler bereits Gedanken über die Hausordnung an der Schule gemacht und wichtige Grundsätze zusammengetragen, die fürs Miteinander gelten sollen: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und Mitverantwortung haben sie darin festgeschrieben und begründet, warum sie darauf bestehen wollen. Doch auch die Erwachsenen haben ihre Ziele zusammengefasst: In einem eigenen Schulentwicklungsprogramm sind die Ziele der Arbeit an der Sendener Mittelschule jetzt fixiert. Darin kommen neben Schülern, Lehrern und Eltern auch die externen Leiter von Arbeitsgemeinschaften, der Hausmeister oder die beiden Sozialpädagogen vor, die an der Schule tätig sind.

Gerade die Kooperation mit den Familien aber spielt für die erfahrene Lehrerin eine besondere Rolle. Da sei die Zusammenarbeit unverzichtbar. Doch sie weiß auch, dass viele Eltern auf Konfrontationskurs gehen, wenn Probleme ihres Kindes Thema werden. „Sie fühlen sich angegriffen, aber das müssten sie gar nicht.

Mehr und mehr Jugendliche haben heute soziale oder emotionale Schwierigkeiten, berichtet Plechinger. Das liege unter anderem daran, dass ihnen kaum Grenzen aufgezeigt werden, meint sie. „Wenn die Schule das dann macht, gibt es Probleme.“ Um den richtigen Umgang mit besonders auffälligen Schülern zu erarbeiten, hat sich im Kollegium nun eine eigene Arbeitsgruppe gegründet. Sie will passende Strategien finden und die Ergebnisse auch den Schülern vermitteln.

Nun, als Rektorin, muss sie alle 338 Jungen und Mädchen im Blick haben. „Das ist eine große Bereicherung“, findet sie, die Tätigkeit insgesamt „eine ganz tolle Aufgabe“. Und sie hat sich einiges vorgenommen. Wünschenswert etwa wäre eine tägliche Öffnung der Schulbücherei und des Schülercafés, das derzeit nur zweimal pro Woche zugänglich ist. Umgestaltet werden soll außerdem das ehemalige Fotolabor, das künftig von zwei weiteren Ganztagsklassen als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Eine Herausforderung für die Lehrer sei aktuell der Unterricht in den drei Übergangsklassen, in denen viele junge Flüchtlinge sitzen, die ohne Eltern leben und noch dazu traumatisiert sind. „Ich habe größten Respekt vor den Kollegen, die sich um sie kümmern“ sagt die Schulleiterin, die auch an der Integration dieser Neuzugänge arbeiten will.

Dass die Mittelschule heute oft als „Restschule“ gilt, geht für die Pädagogin übrigens gehörig an den Tatsachen vorbei. „Für viele Schüler ist das eine sehr wichtige Schulart, die den Kindern und oft dem Familienfrieden zugute kommt“, berichtet sie.

Und sie betont, dass das Bildungssystem durchlässig genug ist, um auch Spätzündern in Sachen Lernen große Chancen zu bieten. Dazu gehört ein Angebot der Sendener Mittelschule: Die Möglichkeit, nach dem qualifizierenden Hauptschulabschluss in zwei Jahren die Mittlere Reife dranzuhängen. „Gerade für Schüler, die nach der 9. Klasse noch nicht wissen, wohin sie wollen, ist das eine tolle Möglichkeit“, so Plechinger.

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