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09.04.2019

Römer oder Staufer – das ist die Frage

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Zur Entstehung des Kapellenbergs in Oberfahlheim gibt es mehrere Theorien. War er sogar römischen Ursprungs? Darauf deutet einiges hin.
Bild: Ralph Manhalter

Geschichte Der Kapellenberg in Oberfahlheim geht auf untergegangene Kulturen zurück. Möglicherweise handelt es sich gar um einen antiken Aussichtsplatz

Oberfahlheim Willkommen auf dem Gipfel von Oberfahlheim! Das ist in keiner Weise ironisch gemeint, denn der Kapellenberg, unweit nördlich der Pfarrkirche gelegen, ist mit seinen etwa 476 Metern tatsächlich der höchste Punkt des gesamten Ortes. Betrachtet man sich den Hügel jedoch etwas genauer, keimt der Verdacht auf, er könne keinesfalls natürlichen Ursprungs sein. Solche Verwerfungen am Rande der Hochterrasse über dem Donautal wären geologisch nicht erklärbar. Auch die recht symmetrische, weil ovale Form mit ihren Ausmaßen von 25 mal 18 Metern passt nicht ins Schema der durch die Eiszeiten geprägten Landschaft Mittelschwabens. Folglich muss irgendjemand irgendwann irgendein Grabwerkzeug zur Hand genommen haben, um diese künstliche Erhebung zu erschaffen.

Wie Hans Enderle in seiner Dorfchronik berichtet, könnte der Hügel einst eine mittelalterliche Burg eines Ortsadligen getragen haben, möglicherweise jenes Adilbert von Fahlheim, der Ende des 12. Jahrhunderts lebte. Der quellenmäßig äußerst schlecht zu fassende Namensträger war unter gewissen Umständen ein staufischer Vasall, also Lehensnehmer. Berücksichtigt man das weiter westlich in das Rothtal hineingeschobene Plateau, das ebenfalls per Menschenhand aufgeschüttet wurde, ist eine typisch hochmittelalterliche Anlage mit Vor- und Hauptburg erkennbar. Der heutige Kapellenberg hätte dann den Palas beziehungsweise den Wehrturm der Befestigung getragen.

Nun gehen laut Enderle einige Vermutungen auch dahin, das ganze Areal könnte sogar römischen Ursprungs gewesen sein. Für diese Annahme würden zahlreiche Funde antiker Scherben und einer Münze sprechen, welche die Gravierung „G. CAESAR AUG. GERMANICUS“ aufwies, also den römischen Kaiser Caligula ehrte, der von 37 bis 41 nach Christus amtierte. Diese Theorie ist insofern nicht ganz abzulehnen, wenn man bedenkt, dass gerade zwei Kilometer südlich die unter Caligulas Nachfolger Claudius angelegte Donausüdstraße verlief, welche die Orte Unterkirchberg und Aislingen verband.

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Zudem war die Donau für einige Jahrzehnte die Außengrenze des Römischen Reiches. Ebenso fiele die Anlage der Kleinkastelle bei Burlafingen und Nersingen in diese frühkaiserzeitliche Epoche. Daher kann es nicht ganz von der Hand gewiesen werden, dass der Oberfahlheimer Hügel zunächst für einen römischen Wachturm aufgeschüttet worden ist.

Allerdings – und das muss man zugestehen – wäre ein Römerturm auf einem künstlichen Hügel eher unüblich, wenn auch die prädestinierte Lage, 20 Meter über der Donauniederung zuzüglich der Höhe des Beobachtungspostens, einen hervorragenden Blick in die Ebene und die dahinter ansteigende Albhochfläche gewährt hätten.

Aber allzu lange verlief die Reichsgrenze sowieso nicht entlang des Flusslaufs der Donau: Nicht zuletzt um eine möglichst direkte Verbindung zwischen den Provinzhauptstädten Obergermaniens und Rätiens, Mogontiacum (Mainz) und Aelia Augusta (Augsburg) zu erlangen, weiteten römische Truppen ihren Operationsbereich unter den Kaisern Vespasian (69 bis 79 nach Christus), Titus (79 bis 81 nach Christus) und Domitian (81 bis 96 nach Christus) bis auf die Höhen der Schwäbischen Alb aus. Erst mit den Alemanneneinfällen und der darauf folgenden Wiederrücknahme der Grenze an Donau und Iller um 260 nach Christus kam dem Gebiet erneut eine größere Bedeutung zu.

Wenn sich die Quellen über die Entstehung des Hügels auch ausschweigen, ab dem 17. Jahrhundert kommt Licht in das Dunkel der Vergangenheit: Wie bei Enderle weiterhin zu lesen ist, berichtet eine Chronik des Klosters Elchingen aus dem Jahr 1616: „wird eine Capelle Unserer lb. Frau bey Oberfahlheim zu den Linden genannt erbaut, bekommt auch Capitaly.“ Zwischenzeitlich war die Anhöhe also wohl mit Linden bewachsen und das neue Gotteshaus wurde mit einer Stiftung ausgestattet. Das Geld für den Bau spendete Hanns Zeller aus Unterfahlheim, wobei er sich hierbei aber überschuldet haben dürfte. Wenige Jahre später erhielt Zeller nämlich 230 Gulden aus dem Opferstock der Kapelle samt Zinsen zurück.

Der heutige Bau stammt allerdings aus den Jahren kurz vor 1778. Auch die Kreuzwegstationen, die am Aufgang errichtet und vor wenigen Jahrzehnten vorbildlich restauriert wurden, dürften in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hinzugefügt worden sein. Aus dem ehemaligen Lindenberg wurde so allmählich der Kapellenberg. Nur die Umstände seiner Entstehung – antik oder mittelalterlich – liegen weiterhin im Dunkel der Geschichte.

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