Newsticker

Touristen müssen Hotels in Bayern spätestens am 2. November verlassen

Klassik

09.05.2015

Singende Melancholie

Verhilft der Bratsche zu mehr Aufmerksamkeit: Nils Mönkemeyer bei seinem Auftritt mit dem WKO.
Bild: Arnold

Das Württembergische Kammerorchester beschließt seine Saison im Kornhaus zusammen mit Bratschen-Solist Nils Mönkemeyer

Mit Haydn und Mozart „augenzwinkernd“ die Hochphase der Wiener Klassik erleben: Dies ermöglichte das letzte Konzert der zweiten Kornhaus-Saison des Württembergischen Kammerorchesters mit seinem Gast Nils Mönkemeyer an der Bratsche. Voller Zahnlücken die Stuhlreihen, voller Hingabe das gewitzte Konzert, das die Stimme der Klarinette in Mozarts berühmtem „Konzert für Klarinette und Orchester“ (KV 622) durch die seidigen Klänge der Viola ersetzte.

Melancholisch wird das Konzert manchmal genannt, weil der Komponist sich hier eine besonders intensive Verschränkung von Ernst und Humor leistete; Die innere Geschlossenheit des Werkes lag bei den Interpreten in besten Händen – geschmeidig und kammermusikalisch transparent arbeiteten Orchester und Solist Seite an Seite die Reize der Partitur heraus. Dass der Wechsel zur Viola im getragenen Adagio besonders glückte, liegt an der zurückgenommenen Dramatik der Komposition, die hier zugunsten des Soloinstruments zurücktritt. Im druckvollen „Rondo“ erweist sich Mönkemeyers Bratsche als musikalischer Volltreffer: Sein singendes Instrument korrespondierte fabelhaft mit dem Orchester, das kristallin und detailreich gestaltete. Das „Augenzwinkern“ hätte allerdings hier und da ein wenig mehr Mut zu frischen Tempi vertragen. Anrührend: Mönkemeyer kredenzte als Zugabe eine kantabel vorgetragene Version der „Sarabande“ aus Johann Sebastian Bachs erster Suite in G-Dur. Bachs Klangwelt präsentierte der Bratschist als vielfarbig gestaltetes Spiel mit Nuancen und charaktervoller Eigenheit.

Ganz andere Geschmäcker dürfte Alfred Schnittkes Stück „Moz-Art à la Haydn“ getroffen haben: Herb und satirisch setzt das Stück auf Mozarts Fragment „Musik für eine Karnevalspantomime“ die für Schnittke typischen polystilistischen Rhythmen auf. In der Improvisation mischen sich musikalische Zitate und szenische Effekte, wird Mozart zur Spielwiese für des Komponisten abgründigen Humor – der sich dann auch zu guter Letzt einen Fingerzeig auf Haydns „Abschiedssymphonie“ genehmigte, welche logisch den Abend abrundete, der dem Publikum keine Klangfarbe vorenthielt.

Ersatz-Dirigent setzt auf kontrollierte Leidenschaft

Dirigent Noam Zur, der für den kurzfristig erkrankten Ruben Gazarian eingesprungen war, inszenierte die Werke mit kontrollierter Leidenschaft und dem für Hadyns Finale obligaten Abgang der Musiker: Nach und nach verlassen alle Musiker ihren Platz, bis nur noch der Konzertmeister (Zohar Lerner) und der Stimmführer der zweiten Geigen das Stück verklingen lassen. Eine passende dramaturgische Wendung für das letzte Konzert dieser Saison. Das Publikum applaudierte der harmonischen Expressivität begeistert. (flx)

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren