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16.03.2015

Wer trägt Schuld an der Gewalt?

Viel Beifall gab es für die Darsteller von „Selbstlernmodul 6“.
Bild: Dagmar Hub

Viel Beifall für Stück im Stadthaus

Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Jugendlicher, der in der zweiten Klasse einen Freundlichkeitsorden von der Lehrerin bekommt, als junger Mann Gewalt als Befreiung erlebt und andere blutig schlägt? Das Umfeld? Die Gesetze? Die Lehrer oder die Eltern? Wer trägt die Verantwortung, wenn aus ausgegrenzten Opfern in der Klasse Täter werden?

Denkanstöße, keine Antworten gibt das theaterpädagogische „Selbstlernmodul 6: Jugendgewalt“ Barbara Fraziers, das im Rahmen der Ulmer Denkanstöße im Stadthaus auf großes Publikumsinteresse stieß und vom vorwiegend jungen Publikum mit Standing Ovations gefeiert wurde. Das Arztehepaar handelte nicht gezielt gegen das Wohl des Sohnes, als es in seinem beruflichen Engagement zu wenig Zeit für das Kind hatte. Und selbst der junge Mann (Daniel Klarer) dachte nicht an die Folgen, als er am Bahnhof einen anderen (Peter Rahmani) zusammenschlug. Die Wut kochte in ihm. Trägt jeder Verantwortung für alles? Oder für gar nichts, weil alles Determination ist, wie der Arztsohn meint? Die Komplexität des Lebens streut die Verantwortung weit. Doch wie weit reicht die Verantwortung des einzelnen Menschen? Verantwortung, in der das Wort „Antwort“ steckt.

Abgründe tun sich auf in den Biografien, die Barbara Fraziers Stück erzählt. Adam Rebai, Daniel Klarer, Santiago Mancera und Peter Rahmani berichten und spielen Biografien, die kein Lehrer in der Klasse haben mag, berichten von Willkür und der Anarchie auf den Straßen.

Volkram Zschiesche, 2009 bis 2013 Ensemblemitglied am Theater Ulm, kehrte für Barbara Fraziers Stück an die Donau zurück. Das „Selbstlernmodul“ ist stark vom 34-Jährigen beeinflusst, der häufig auch im Fernsehen in Sozialdramen zu sehen ist und der Kampfsportarten wie Aikido und die im Stück gezeigte brasilianische Kampfsportart Capoeira beherrscht. Zschiesche verkörpert im Stück sowohl den Capoeira-Lehrer des Jungen Santiago als auch einen der jungen Outcasts in ihren Kapuzenpullis. In die Herzen der Zuschauer aber spielt sich der gerade zehnjährige Julian Schleß, der mit riesigem Schauspieltalent zwischen den bad boys agiert – als Professor, der Gewalttheorien erörtert, als Mobbingopfer und als zukünftiger Urban Fighter. (köd)

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