Ulm

06.10.2013

Zärtliche Chaoten

Kakkmaddafakka in Aktion: Sänger und Gitarrist Axel Vindenes (links) gründete gemeinsam mit seinem Bruder Pål im Jahr 2009 die Band.
Bild: Tine Keller

Die norwegische Indie-Pop-Band Kakkmaddafakka im Roxy

Ulm Auf dem weißen Hemd bildet sich der Schweiß ab. Die beiden Backgroundtänzer und -sänger – der „Kakkmaddachoir“ –, geben an diesem Abend im Roxy alles. Mit revuehaften, überzogen-ausdrucksvollen Bewegungen sind sie für die Fans von Kakkmaddafakka ohnehin schon das Markenzeichen der Band. Die Zwei-Mann-Tanztruppe passt perfekt zum Auftritt der jungen Norweger, die auch musikalisch und textlich zur ganz großen Geste neigen. Die Indie-Pop-Band mit dem ungewöhnlichen Namen ist nach dem Auftritt beim Obstwiesenfestival 2010 zum zweiten Mal in der Region zu Gast. Und die rund 300 Gäste im Publikum toben, als hätten sie die Wiederkehr kaum erwarten können.

Die Mitglieder von Kakkmaddafakka – live sind es acht – haben ihren Spaß dabei, das Publikum zu unterhalten. Schon zum Beginn schwingt einer der Backgroundtänzer wild umherspringend zu pompöser Orchestermusik des norwegischen Landsmannes Edvard Grieg die riesige Fahne mit dem Bandnamen. Sänger und Gitarrist Axel Vindenes lässt nicht nur Publikum wiederholt „Kakkmaddafakka“ rufen, sondern erzählt auch die – vermutlich frei erfundene – Geschichte einer Band aus seiner Heimatstadt Bergern mit dem Namen „Ulm“, deren Sänger grundsätzlich nackt auf der Bühne performt.

Nonsense dieser Art gehört bei den Musikern dazu. Es passt auch zur etwas chaotischen Entstehungsgeschichte der Band Kakkmaddafakka, die die Brüder Axel und Pål Vindenes vor mittlerweile neun Jahren gemeinsam mit zwei Freunden gründeten. Mit dem, was sie hatten – Instrumente, die ihre Eltern ihnen aufgezwungen hatten – spielten sie ihren ersten Gig. 2007 nahmen sie ihr Debütalbum „Down To Earth“ heraus. Die Mitglieder waren damals zwischen zwischen 15 und 17 Jahre alt – ihr Produzent war ein ebenfalls erst 15-jähriger alter Freund. Den Namen von damals haben sie behalten.

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Aussehen tun die acht von Kakkmaddafakka noch immer wie eine Schülerband. Dafür sind sie umso professioneller an ihren Instrumenten. Mit E-Piano, E-Gitarre, Perkussions, Cello und Schlagzeug spielen die Bandmitglieder im Roxy nicht nur Songs aus dem aktuellen Album „Six Months Are A Long Time“, sondern auch die bekanntesten Lieder ihres vorherigen Langspielers. „Your Girl“ und „Restless“ gefallen einem weiblichen Fan so sehr, dass sie sich das Shirt vom Leib reißt. Der Keyboarder der Band tut es dem Mädchen gleich – und singt hauchzart und pathetisch wie Sir Elton John „It’s all about love, not about money“ ins Mikro. Kurz darauf hüpft er wieder wie ein Duracell-Häschen auf Speed über die Bühne.

Kakkmaddafakka nehmen sich nicht ganz ernst. Das zeigt schon die Auswahl ihrer Lieder: Auf das „Gangsta“, einen Song über den Traum von Gangster-Dasein, folgt wenig später der Abgesang „I Wanna Be a Gangster No More“ im Reggae-Rhythmus. Auch für Romantik ist Platz – immerhin ist der Großteil des Publikums weiblich: Bassist Stian Sævig tritt zur Zugabe allein mit Gitarre ins Scheinwerferlicht und singt in der Ballade „Saviour“ („Retter“) von einem Mädchen, das aus der Glitzer-Jetset-Welt gerettet werden soll. Sie begreift schließlich, dass es im Leben um mehr geht, als darum Trends zu folgen.

Kakkmaddafakka wissen das: Sie machen längst ihr eigenes Ding.

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