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Ulm
29.04.2022

Neuer Roman: Die tragische Geschichte einer Giftmörderin

Die Stuttgarterin Christiane Weber-Bock bei der Lesung in der Familienbildungsstätte in Ulm.
Foto: Florian Arnold

Die Stuttgarterin Jutta Weber-Bock hat sich für ihren Roman "Das Vermächtnis der Kurfürstin" umfassend mit der Geschichte Ulms und Neu-Ulms im 19. Jahrhundert beschäftigt.

„Möglicherweise Tonnen von Büchern“ habe sie zur Recherche ihres Historien-Epos durchgearbeitet, mutmaßt Autorin Jutta Weber-Bock. Für "Das Mündel des Hofmedicus", „Das Vermächtnis der Kurfürstin“ sowie den noch nicht publizierten dritten Teil recherchierte die Stuttgarterin rund 15 Jahre. Auslöser für diese Arbeit, die sie auch mehrfach in unsere Region führte, war die Entdeckung der realen Figur der Giftmörderin Christiane Ruthardt. Sie war die letzte Person, die im damaligen Württemberg hingerichtet wurde.

1845 wurde das Urteil gegen Christiane Ruthardt vollstreckt. Ein Schicksal, das Weber-Bock berührte und von dem sie auch bei einer Lesung in der Ulmer Familienbildungsstätte im Rahmen einer Lesung berichtete. Sie stieß auch auf Merkwürdigkeiten, die sie klären wollte. Zu Hilfe kam ihr, dass das Gerichtsverfahren nach heutigen Maßstäben modern war: „Da sagte man zu der Angeklagten: 'Erzählen sie ihr Leben' und so haben wir ein sehr klares und detailliertes Bild der ersten 18 Lebensjahre der Christiane Ruthart“, sagt Jutta Weber-Bock.

Stationen dieser Biografie sind neben Ulm auch Günzburg, Augsburg, Metzingen – und in der Jugend das heutige nicht mehr existente Schloss Brandenburg in Regglisweiler. Jutta Weber-Bock suchte alle realen Lebens- und Handlungsorte ihrer Hauptfigur auf, auch die Reste von Schloss Brandenburg: „Da steht so gut wie nichts mehr. Da sieht man heute noch ein altes Tor und eine Mauer mit einer Zackenkrone, mehr nicht.“ Wer eine Ahnung von diesem einst schönen Schloss haben wolle, muss, wie Weber-Bock, die Nase ins Buch stecken. In diesem Falle in Anton Zankers „Geschichte des Illertals“. Um die Wege ihrer Figur(en) im Buch festlegen zu können, habe sie mehrfach reale Wege durch die Orte in der Region beschritten – und so „eine besonders enge Beziehung“ zu Ulm und Neu-Ulm aufgebaut, was sich auch im Roman niederschlug.

Bei der Recherche hat sich Jutta Weber-Bock in die Region verliebt

Über die Region habe sie bei der Recherche einiges herausgefunden, das sie erstaunt habe, bekennt die Autorin: „Neu-Ulm war der Erholungsort der Ulmer, ihr Freizeitbereich.“ Damals noch das „Ulm auf dem rechten Donauufer“ mit Gärten und kleinen Restaurationen. „In Neu-Ulm war das Bier besser, der Kaffee teurer. Und besonders gern gingen die Ulmer wohl in den Biergarten im Steinhäule.“ Solche und andere Details findet man in Weber-Bocks Roman „Das Vermächtnis der Kurfürstin“, dem zweiten Teil der Trilogie, in der Weber-Bock auch ein Stück Geschichte der weiblichen Emanzipation erzählt. Denn die Tragik der Christiane Ruthardt war auch ihr Wunsch nach Selbstbestimmtheit, wie sie im Gerichtsprozess aussagte.

Selbstbestimmt sein, ein wichtiger Impuls, wie ihn die Romanautorin auch in Biografien etwa von Clara Wieck, der Gattin Robert Schumanns, oder bei Therese Huber, eine deutsche Schriftstellerin und Redakteurin, entdeckte. Freiheiten aber müssen erlaubt sein: Der in damaligen Zeiten aufgrund nicht existenter oder zerstörter Brücken beschwerliche Weg vom Illertissener Land nach Neu-Ulm ist im Buch einfacher: „Da gibt es dann doch eine Brücke“, sagt die Autorin und fügt lächelnd hinzu: „Ich wollte es für meine Figuren nicht zu kompliziert haben.“

„Ulm und Neu-Ulm waren mir wichtig, auch wenn Ruthart hier faktisch nicht viel Zeit verbracht hatte“, erklärt Jutta Weber-Bock. „Das Vermächtnis der Kurfürstin“ ist eine überaus spannende Reise in eine nicht so fern wirkende Vergangenheit, in der eine gebrochene Biografie unweigerlich zu unauflösbaren Problemen in der Lebensgestaltung führte.

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