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Neuburg

31.03.2015

Ausstellung über Bikinimodelle, Jäger und andere Neuburger

Gedränge wie selten bei der Eröffnung der Ausstellung „Fotoatelier Sayle -durchs Objektiv betrachtet“.
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Gedränge wie selten bei der Eröffnung der Ausstellung „Fotoatelier Sayle -durchs Objektiv betrachtet“.
Bild: Annemarie Meilinger

Die Fotografien der drei Sayles sind unschätzbare Zeitdokumente. Sie sind jetzt in einer Ausstellung im Neuburger Rathausfletz zu sehen. 

Selten dicht gedrängt stand das Publikum, als am Sonntagvormittag eine außergewöhnliche Ausstellung im Rathausfletz eröffnet wurde. Die städtische Galerie ist drei Generationen der Sayles gewidmet, die in Neuburg über Jahrzehnte hinweg in einem Atemzug mit Fotografie genannt wurden. Max Sayle, der 1847 geborene Ahn, entdeckte die Fotografie als Hobby. Sein Sohn Julius Sayle betrieb sie ab 1924 schon als Gewerbe neben der Fischerei und Max Julius, der Enkel findet schließlich seine Passion in der Fotografie. Im vergangenen Herbst ist er gestorben und hinterließ ein Erbe, das für die Stadt Neuburg einen unschätzbarem Wert darstellt: etwa 100000 Fotonegative, viele davon noch auf Glasplatten.

Um diese Zeitdokumente der jüngeren Geschichte Neuburgs zu sichern, bemühte sich Stadtarchivarin Barbara Zeitlhack um den Schatz, der etwa zur Hälfte aus Studioaufnahmen besteht, aber auch unzählige Fotografien der Stadt und ihres Lebens von 1900 bis in die 70er Jahre birgt. 48 Aufnahmen sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen, gegliedert in die Bereiche Stadtbild, Leben und Arbeiten. Es ist eine kleine Auswahl des riesigen Bestandes. „Es wird sicher nicht die einzige Ausstellung der Sayle-Bilder bleiben“, versicherte Bürgermeister Bernhard Gmehling in seiner Begrüßungsrede, doch würde es Jahre dauern, bis alle archiviert und digitalisiert seien.

Auf den ältesten Fotografien (um 1900) sind noch Frauen mit bodenlangen Kleidern zu sehen, die Herren mit Gehröcken und Zylindern, vor einem abfahrenden Zug oder an der Donau posierend. Julius Sayle fotografierte in den 50-er Jahren unter anderem für die Goldfischwerke Bade- und Freizeitmoden, gerne auch Jäger- und Fischerfreunde mit ihrer Jagdbeute. Die Bilder wurden zwar arrangiert, wirken aber doch nicht glatt und geschönt wie die üblichen Studioaufnahmen der jüngeren Zeit. Die starken Typen vor dem Schlachthof oder die Frauen an den Nähmaschinen – alle wirken so, als hätten sie gerade mal für ein paar Minuten ihre Tätigkeit für den Fotografen unterbrochen.

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Auch Max Julius, der Enkel, scheint angezogen von der Arbeitswelt, in einigen Betrieben wie Goldix, Hoffmann und Duro-Druck hatte er wohl Aufträge als Betriebsfotograf. Auf den wenigen Farbfotografien aus den 60-er Jahren sucht Max Sayle die Poesie in den technischen Anlagen des Wasserwerks bei Verzicht auf Menschen. Die mit Kunstleder bezogenen Stühle vor dem Kinosaal auf glänzenden Linoleumboden müssen ihn gleichermaßen fasziniert haben wie das üppig mit Süßwaren bestückte Schaufenster des Bruckenbäck.

„Als Max den Kinosaal fotografieren sollte, reichte das Licht einfach nicht aus“, erzählte sein langjähriger Weggefährte Abo Schmid bei der Eröffnung. „Also musste ich eine starke Lampe zwischen den Reihen hin- und hertragen, während Max auf Dauerbelichtung stellte.“ Abos Umriss ist deswegen dreimal als geheimnisvoller Schatten auf dem Bild zu sehen.

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen

1958 schon hatte Max Sayle den Wettbewerb „Jugend fotografiert“ bei der Photokina gewonnen. Mit dem Gruppenbild einer Familie, auf dem Abo als lässiger Jugendlicher posiert. 1972 wurde es Max Sayle wohl in Neuburg zu eng, es zog ihn nach München, wo er als Fotograf neue Herausforderungen suchte. Bis dahin dokumentierten die drei Sayles sieben Jahrzehnte lang die Veränderung der kleinen Residenzstadt Neuburg an der Donau. Weil Max Sayle diese Dokumente ein Leben lang in einem Zimmer seiner Wohnung in der Münchner Maximilianstraße aufbewahrte, kann die Stadt Neuburg heute daraus schöpfen.

Info Die Ausstellung ist bis 3. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag, 17 bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag 11 bis 19 Uhr.

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