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Neuburg

20.11.2017

Der Wald als großer Mülleimer

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3 Bilder
Anton Mayer (rechts) und Klaus Rein müssen sich im Wald zwischen Neuburg und Baring immer öfter als Müllentsorger betätigen.
Bild: Manfred Dittenhofer

Ob Bierkästen, Autoteile, ein Betonsturz, Flaschen, Kaffeemaschinen oder Sexpuppen: Viele Menschen scheinen keinerlei Skrupel mehr zu haben, ihren Müll in der Natur zu entsorgen.

Hier ein Plastiksack mit gebrauchter Hasenstreu, dort ein leerer Bierkasten. Daneben Autoteile, von der Radkappe bis hin zu ganzen Verkleidungen. Ein Betonsturz und natürlich viele, viele Flaschen, Dosen, Gläser. Verpackungsmüll, oft von einer berühmten Fastfood-Kette. Nein, wir befinden uns nicht auf einem der zahlreichen Wertstoffhöfe im Landkreis. Wir stehen an der Staatsstraße 2334 zwischen Neuburg und Bergen mitten im Wald. Und der verkommt entlang der Straßen mehr und mehr zur Müllkippe.

Anton Mayer und Klaus Rein betätigen sich heute als Müllsammler – mal wieder. Denn der Unrat, der so im Wald der Rechtler landet, wird immer mehr. „Wir haben schon kaputte Kaffeemaschinen und Sexpuppen gefunden. Manchmal könnte man glauben, manch einer macht sich extra in den Wald auf, um sein Zuhause zu entrümpeln.“ Anton Mayer kann nur den Kopf schütteln bei den Müllbergen, die die Rechtler tagein, tagaus aus dem Wald holen. Inzwischen hat sich sogar schon die Zusammenarbeit mit den Landkreisbetrieben eingespielt. Mayer sammelt den Müll ein, der dann bei ihm von Mitarbeitern der Landkreisbetriebe abgeholt wird.

Straßenränder werden zu Splitterfeldern

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Die beiden Waldrechtler fragen sich manchmal, was sich die Müllentsorger beim Wurf aus dem Fenster oder beim Ablagern am Waldweg denken. „Die Straßenränder werden regelmäßig gemulcht. Dabei werden Plastikmüll und Flaschen zerfetzt und bleiben für immer liegen. Das sei eine unverschämte und grobe Verantwortungslosigkeit gegenüber jedem Geschöpf, das im Wald lebt und eh schon unter Gefahren die Straße überqueren müsse, denkt auch Stadtrat und Förster Alfred Hornung. Die großen Teile würden wieder weggeräumt. Aber die vielen zerfaserten Plastikteile und vor allem die vielen Glassplitter würden nie mehr eingesammelt. „Die Straßenränder werden mehr und mehr zu Splitterfeldern.“

Liegt erst einmal an einer Stelle Müll herum, so die Erfahrung von Mayer und Rein, dann wirkt das wie ein Freibrief. „Wie ein Magnet zieht Müll noch mehr Müll an. Wahrscheinlich denkt sich mancher, das müsse eh weggeräumt werden.“

Dabei ist die wilde Entsorgung von Müll im Wald für den Täter nicht billig, wenn er erwischt wird. Da kann eine im Wald entsorgte Kaffeemaschine schnell mal 500 Euro kosten. Altreifen schlagen ähnlich zu Buche. Für das Bußgeld bekommt man einen Satz neuer Reifen und die Entsorgung ist auch gleich mitbezahlt. Und selbst Grünabfall aus dem Garten gehört nicht in den Wald. Der Bußgeldkatalog fordert, je nach abgelagerter Menge, zwischen 10 und 1300 Euro. Waldrechtlern, wie Mayer und Rein, bleibt gar nichts anderes übrig, als den Müll einzusammeln. Kleinere Mengen entsorgen sie direkt in der eigenen Mülltonne. Größere Mengen holen die Landkreisbetriebe ab. „Wir haben eine Kooperation mit dem Umweltamt.“

Das bestätigt auch Konrad Schneider, Leiter Umweltamt am Landratsamt. „Im Jahr entstehen uns 6000 bis 7000 Euro an Kosten. Aber einen guten Teil davon bekommen wir über Bußgelder wieder herein.“ Die wilde Ablagerung von Grüngut sei mit der kostenlosen Annahme in den Wertstoffhöfen zurückgegangen, so Schneider. Er lobt die Zusammenarbeit mit den Kommunen und anderen Institutionen, wie die Waldrechtler oder die Straßenmeistereien. „Uns hilft es schon enorm, wenn der Müll aus dem Wald mitgenommen wird, da wir einen großen Personalansatz alleine für die Suche aufbringen müssen.“ Wird der Verursacher ermittelt, zahlt der nicht nur ein Bußgeld, sondern auch die Entsorgungskosten.

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