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30.01.2014

Dienstags kam das Sams

Still sitzen und zuhören? Öde! Das Sams übernimmt den Unterricht lieber selbst.
Bild: isat

Landestheater Dinkelsbühl zu Gast im Stadttheater

Neuburg Herr Taschenbier ist ratlos: Dieses merkwürdige Sams sitzt in seiner Wohnung, verspeist alles was ihm in die Finger kommt und pfeift auf Regeln und Konventionen. Was hat er sich da nur ins Haus geholt?

Mit sehr passend besetzten Rollen des verklemmten Herrn Taschenbier oder seiner garstigen Vermieterin Frau Rotkohl inszenierte am Dienstag das Landestheater Dinkelsbühl die 1973 erschienene Kindergeschichte von Paul Maar. Die kleinen Besucher im Stadttheater verfolgten begeistert, wie das Kind ähnliche Wesen mit den blauen Wunschpunkten im Gesicht aus Herrn Taschenbier einen völlig neuen Menschen macht. Dabei muss sich der Zuschauer schon fragen, wie ein so an den Nerven zerrendes und respektloses Wesen – den Kopf voller Unfug – es schafft, das Herz eines Menschen zu erobern.

Die Antwort liefert Herr Taschenbier: Zu Beginn der Geschichte ist er zurückhaltend, fast ängstlich und lässt sich herumschubsen. Sein Alltag wird von jedem bestimmt, nur nicht von ihm selbst. Mit dem Sams in seinem Leben ändert sich seine Situation gewaltig. Er profitiert nicht nur von den Wünschen, die ihm sein neuer Mitbewohner erfüllt, sondern auch von dessen Eigenarten. Das Sams lässt keine freche Bemerkung auf sich sitzen und hat immer einen Konter parat. Herr Taschenbier lernt, dass es okay ist, auch einmal „Nein“ zu sagen oder den ganzen Tag im Bett zu bleiben, wenn man dazu Lust hat.

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Das Chaos, das das Sams anstellt und Herrn Taschenbiers verzweifelte Versuche, es zur „Vernunft“ zu bringen sorgen für allerlei Situationskomik, die vom Publikum mit viel Gelächter honoriert wird. Die etwas größeren Besucher ergötzen sich außerdem an den stereotypen Charakteren und dem Spiel mit Klischees, das vor allem bei der Schulszene und im Kaufhaus zum Tragen kommt. Vom humorlosen, strengen Lehrer, der sich mit frechen Schülern herumschlagen muss, bis zum Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts, der sich mit seiner faulen Angestellten – die mehr auf ihr eigenes Aussehen als auf das der Kunden bedacht ist – ist alles geboten.

Geschmackssache ist die Figur des Sams an sich und vor allem dessen eigenwillige Stimme und Art, sich zu bewegen. Der Darstellerin ist allerdings respektvoll anzurechnen, dass sie während des kompletten Stücks kein einziges Mal aus der Rolle fällt und die sicherlich wenig angenehme Stimmlage konsequent aufrechterhält.

Als das Sams am Ende gehen muss, tut dem Zuschauer der verlassene Herr Taschenbier Leid und man hat Verständnis dafür, dass er alles daran setzen wird, „sein“ Sams wiederzubekommen.

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