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Vernissage

06.10.2017

Ehekirchen in der guaden, oiden Zeit

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7 Bilder

Im Rathaus eröffnet am Sonntag der Heimatverein eine Ausstellung von Bildern und Dokumenten der Familie Zett. Die Schau läuft bis Allerheiligen

Wer blättert nicht gerne in alten Fotoalben? Wertvolle Familienerinnerungen sind darin archiviert, aber auch Momentaufnahmen aus längst vergangenen Zeiten. So erging es Georg Zett, als er vor einiger Zeit in alten Familienalben stöberte. Nun ist der 62-Jährige nicht nur Vorsitzender des Heimatvereins, sondern Spross und letzter Inhaber der Brauerei Zett, die über 250 Jahre lang den Ort prägte. Den Bilderschatz, auf den er da gestoßen war, wollte Zett nicht nur privat hüten. „Da sind Fotos dabei, die noch nie jemand außerhalb der Familie gesehen hat. Noch leben die letzten Zeitzeugen, und es ist an der Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen“, hat er beschlossen. Im Rathaus eröffnet der Heimatverein am Sonntag um 10 Uhr eine Ausstellung mit zeitgeschichtlichen Fotografien der großen 200-Jahr-Feier der Brauerei Zett anno 1955 und einer Weihnachtsfeier der Mitarbeiter im Jahr zuvor.

Die Ausstellung gibt einen instruktiven Einblick in die viel beschworene „guade, oide Zeit“, die freilich für den Einzelnen gar nicht immer so gut war. Wohlstand war jedenfalls noch kein Allgemeingut, doch dieser Mangel ist den Menschen auf den Bildern nicht anzusehen. Ausdrucksvolle Gesichter, die von den Fährnissen des Lebens erzählen, sind darauf zu erkennen – in schwarz-weiß natürlich beziehungsweise leicht gelbstichig – von Männern und Frauen, die nach langen Jahren des Verzichts und Krieges offenkundig wieder gerne und ausgelassen feierten. Natürlich leben heute viele der Abgebildeten nicht mehr, doch mancher der älteren Generation findet sich dort als Kind wieder, glaubt Georg Zett. Soweit nachvollziehbar, hat der Heimatverein die Fotos datiert und beschrieben. Doch nicht jeder der darauf abgebildeten Personen konnte identifiziert werden.

„Manch einer erkennt sich auf alten Bildern selbst nicht, denn Fotos sind zu diesen Zeit nicht oft gemacht worden“, weiß er. Den Leuten sei ihr kindliches Antlitz deshalb nicht mehr bekannt. Dennoch hofft er, dass mancher Ausstellungsbesucher vielleicht noch den Freund, die Schwester oder das Nachbarskind identifizieren kann – so wie es ihm selbst gelang. Georg Zett hat einen Spielkamerad von damals auf einem der Bilder gleich wieder erkannt. Er selbst ist übrigens nirgends zu finden und er hat auch eine Erklärung dafür. Im Jahr des großen Brauereifestes, zu dem seine Eltern Mariele und Wilhelm geladen hatten, war er zehn Jahre alt – und nicht zu halten. „Ich war ein umtriebiger Bursche und überall unterwegs. Wenn die Familie zu sehen ist, dann war ich immer anderswo unterwegs.“

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Wo damals gefeiert, musiziert und getanzt wurde, wurde natürlich Bier getrunken – Zett-Bier. Jeder Wirt, der den Gerstensaft der Ehekirchener Brauerei abnahm, bekam Bierkrug, aus Stein selbstverständlich, und Urkunde als Auszeichnung. Deshalb sind auf der Schau nicht nur Repros zu sehen. Weitere Exponate beleuchten die Geschichte der Brauerei, die 1983 ihren Ausstoß einstellte. In einer Glasvitrine hat Georg Zett alte, irdene Krüge, Bierdeckel, Urkunden und andere Relikte zusammengestellt.

Wer eines der Bilder möchte, für den liegen im Foyer des Rathauses Listen aus. Besucher können sich dort eintragen und gegen ein Entgelt nachbestellen.

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