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Jazz I

27.05.2015

Ein Höhepunkt im ersten Halbjahr der Konzertsaison

Walt Weiskopf (links) und Johannes Enders duellieren sich im Birdland Jazzclub in freundschaftlicher Weise und auf hohem Niveau.
Bild: Christian Wurm

Johannes Enders-WaltWeiskoppf-Quintet interpretiert und definiert den Post-Bop neu. Da haben sich zwei gefunden...

Kann es gut gehen, wenn sich zwei hochkarätige Tenorsaxophonisten zusammentun und in einer gemeinsamen Band spielen? Wenn es sich dabei um Johannes Enders und Walt Weiskopf handelt, dann kann man das nur mit einem Ausrufezeichen bejahen. Begleitet werden die beiden durch die erstklassigen Kollegen Oliver Kent am Piano, Thomas Stabenow am Bass und Christian Salfellner an den Drums.

Was das Quintett an diesem Abend im Birdland Club darbietet, hat man in dieser Konsequenz und Kompaktheit selten gehört. In der Tradition eines John Coltrane wird der Post-Bop neu interpretiert und definiert; auf der Tradition aufbauend, gleichzeitig aber zeitgerecht und modern.

Mit Charlie Parkers „Segment“ geht es gleich rasant und kraftvoll zur Sache. In feurigen Dialogen spielen sich die beiden Saxophonisten die Bälle zu und verflechten ihre warmen, kraftvollen Töne peu à peu zu einem zweistimmigen und eigenständigen Gesamtklangbild. Man merkt sofort, hier haben sich zwei gefunden! Keine Spur von „Bad Combination“, wie der Titel einer Weiskopf-Komposition heißt. Auch aus dessen Feder stammt der wunderbar relaxt dargebotene Jazz-Walz „Invisible Sun“.

Noch etwas ruhiger geht es in der traumhaften Ballade „The Pea-cocks“ von Jimmy Rowles zu, die durch das ideenreiche Arrangement von Weiskopf noch an Gehalt hinzugewinnt. Ausdrucksstark – nomen est omen – ist auch Enders’ „Expressionist“, bei dem sich das melodische Thema langsam zu einem intensiven Improvisationsreigen entwickelt.

Im zweiten Teil des Konzertes greift Enders auch mal zum Sopransaxophon, wie bei Wayne Shorters’ rhythmisch interessanten, reizvollem „Scarlet Woman“ und fügt dem Ganzen noch eine weitere klangliche Note hinzu. Schließlich widerlegt die Band in Weiskopfs „Scone“ eine weitere These; nämlich dass Hardbop und Swing nicht zusammenpassen. Gerade in diesem Stück ist dessen Symbiose perfekt gelungen. Zu erwähnen ist auch noch, dass sich die gehaltvollen Eigenkompositionen der beiden Protagonisten nahtlos ins Gesamtkonzept des Konzertes einfügen und sich nicht hinter jenen der Großen verstecken brauchen.

Und einer dieser Großen kommt schließlich am Ende des Konzertes dann noch zu Wort. In John Coltranes „Moment’s Notice“ spornen sich die beiden Saxophonisten noch einmal zu einem wahren Parforceritt an, der schließlich in einem „freundlichen“ Duell seinen krönenden Abschluss findet. Definitiv eines der Highlight-Konzerte im Birdland in diesem Halbjahr.

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