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Sommerkonzerte

17.07.2017

Eine Oper in der Spielkonsole

Benyamin Nuss überträgt Videospielmusik auf das Klavier.
Bild: Audi AG

Final Fantasy im Konzertsaal? Für Benyamin Nuss ist das kein Widerspruch. Im Gegenteil

Alles fing an mit zwei Balken, einem beweglichen Punkt und dem entsprechenden Biep, Biep, Bong. Inzwischen sind Computerspiele hoch komplex. Sie überraschen mit sehr lebensnaher Grafik, überaus fantasievollen Geschichten und vielschichtigen Herausforderungen. Vor dieser Entwicklung macht auch die Musik nicht halt, mit der die Spiele unterlegt sind. Der Auftritt von Benyamin Nuss in der Eventhalle im Ingolstädter Westpark gab einen interessanten, unterhaltsamen und musikalisch anspruchsvollen Einblick: Videospielmusik im klassischen Kontext der Sommerkonzerte.

Nicht zuletzt der 1959 geborene japanische Komponist Nobuo Uematsu hat sich auf das Komponieren von Musik zu Videospielen spezialisiert. Vor allem die 80-millionenfach verkaufte Game-Reihe „Final Fantasy“ ist musikalisch von ihm geprägt. Benyamin Nuss, nach eigenem Bekunden selbst ein begeisterter Spieler, überträgt die Musik auf’s Piano, betont dabei, es gehe ihm nicht um Ballerspiele, sondern um Rollenspiele, Spiele mit Geschichte. Deren musikalische Gestaltung könne wie eine „Oper in der Konsole“ verstanden werden.

In der Tat, die Kompositionen malen ihre Geschichten, Szenen, Handlungen mit allen Mitteln der Kunst aus. Sie bieten jede Menge Abwechslung, kennen energetische Wirbel, sanfte Episoden, verspielt filigrane Empfindungen, pompös orgiastische Triumphe und starke erzählerische Momente. Das erinnert in weiten Teilen an Filmmusik, ist es im Grunde ja auch, Gebrauchsmusik zudem von hoher handwerklicher Qualität und pianistischer Herausforderung. Durchaus reichlich wartet sie auf mit technischen Finessen, zumal in einem „Battle Theme“ wie Masayoshi Sokens „Heavensward Heroes“. Benyamin Nuss spielt mit Verve, Elan, hoher Konzentration und versunkener Intensität. Der 27-Jährige identifiziert sich sichtlich mit der „Lost Odysee“, dem „Blue Dragon“, der „Saga Frontier“ und den vielen Folgen von „Final Fantasy“ so sehr, dass er seinem Lieblingskomponisten das eigene, eher melancholische „Nobuo’s Theme“ widmet.

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Interessant dabei erscheint, dass diese Musik, die ein sehr junges Genre repräsentiert und auch ein vergleichsweise junges Publikum lockt, von der Anlage her so erstaunlich konservativ ist. Im Wesentlichen aus dem traditionellen Repertoire der Romantik gespeist, kommt sie insgesamt fast ein wenig bieder daher. Nichtsdestotrotz ein unterhaltsamer, interessanter Abend!

Den Unkundigen bot er Gelegenheit, in die Parallelwelt der Spiele hineinzuhorchen, den Kundigen bescherte er, gemessen an entsprechenden Reaktionen aus dem Publikum, offenbar etliche Wiedererkennungsmomente. Musik als Brücke zwischen Realität und Fantasie – das war sie schon immer, das soll sie auch sein! (tb)

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