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Konzert

06.11.2017

Feuerwerk bei den Ingolstädter Jazztagen

Dave Weckl überzeugte am Schlagzeug das Publikum.
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Dave Weckl überzeugte am Schlagzeug das Publikum.

Das Publikum lag Mike Stern und Dave Weckl zu Füßen

Feuerwerksgleich ging’s ab bei der Jazzparty I der diesjährigen Ingolstädter Jazztage. Die Mike Stern-Dave Weckl Band wartete mit aller Virtuosität auf, deren der Fusion-Jazz sich seit seiner Entstehung in den 70er Jahren nur zu rühmen weiß.

Mike Stern war einer jener damals jungen Wilden, die es wagten, die Jazztradition mit Einflüssen aus der Rockmusik anzureichern. Der „Bebop-Rocker“ aus Boston/Massachusetts schwärmt bis heute gleichermaßen von Sonny Rollins und Jimi Hendrix, Thelonious Monk und Eric Clapton, John Coltrane und B.B. King. Nach dem Studium am Bostoner Berklee College of Music, unter anderem bei Pat Metheny, heuerte Stern bei Blood Sweat and Tears an, bis ihn schließlich nach einem Engagement bei Billy Cobham Miles Davis in seine Band holte. Der schätzte ihn besonders ob seines untrüglichen Timings und seines punktgenauen Spiels. Seit 1989 segelt Stern unter eigener Flagge, sechs Mal für den Grammy nonminiert und vielfach ausgezeichnet.

Noch vor kurzem schien das Ende seiner Karriere besiegelt, als er in New York unglücklich fiel und sich beide Schultern brach. Es war ein harter Kampf zurück, aber heute kann Mike Stern mit seinem sympatischen, jungenhaft gewinnenden Lächeln sagen: „Alles wieder gut, Gott sei Dank!“

Und wie! Mit der für ihn typischen Spielfreude stellte er seine brandneue CD „Trip“ vor, die sich mit den good an bad trips, den Aufs und Abs des Lebens beschäftigt. Mit einer erlesenen Band, dem Saxophonisten Bob Malach, auch er zeitweise Mitglied der Miles Davis Band, dem E-Bassisten Tom Kennedy und dem ungemein druckvoll und präzise auftrumpfenden Superdrummer Dave Weckl bildete er ein Gespann, dem das Publikum im Restaurant des NH Hotels Ambassador schier zu Füßen lag.

Zeitgleich bot im Trivasaal des Hotels The Kennedy Administration souligen, Charts-kompatiblen R’n’B. Die Band mit Sängerin LaToya Kennedy, Ondre J an den Keyboards sowie Nat Townsley am Schlagzeug weckte in aktuellem Sound den Motown-Geist der Siebziger. Danach erfreute an gleicher Stelle Raúl Midón – „Bad Ass and blind“ – mit einer mitreißenden Melange aus mittelamerikanischer Musikalität, Singer-Songwriter-Tradition und blitzfixem Gitarrenspiel an den Nylonsaiten. Pure Intensität!

Im Restaurant gab sich Marcus Miller die Ehre. Der Initiator von Miles Davis Comeback in den Achtzigern ist immer noch eine wirklich coole Socke. Sein knackig groovender Bass setzt nach wie vor Maßstäbe.

Die mal elegischen, mal markanten Themen, von Trompete und Saxophon oft unisono vorgetragen und sodann solistisch entfaltet, schweben auf einem Teppich aus Sound und Groove und nehmen im Miteinander von brodelndem rhythmischem Hintergrund und melodischer Schönheit den Zuhörer mit in die eigene Welt des Ausnahmebassisten – ein Sog, dem sich auch der ehemalige Mitstreiter Mike Stern nicht entziehen mochte und kurzerhand miteinstieg – zur Freunde des Publikums.

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