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24.07.2010

Gesellschaftskolumne

Rock im Alter: Den Rolling-Stones-Hit "Satisfaction" spielte Alfred Schönfelder (links) für Heinz Becker.
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Rock im Alter: Den Rolling-Stones-Hit "Satisfaction" spielte Alfred Schönfelder (links) für Heinz Becker.

Vom Bergmann unter Tage zum Naturburschen in Gietlhausen. Heinz Becker ist, seit er nach Neuburg gezogen ist, eine bekannte Erscheinung. Jetzt wurde er 90 Jahre und feierte kräftig.

Gesellschaftskolumne von Barbara Würmseher

Mit 90 ist noch lange nicht Schluss

"Sind sie der Sohn des Jubilars?" Diese Frage - an Heinz Becker gerichtet - war berechtigt, denn der 90-Jährige machte eher den Eindruck erst so um die 65 zu sein. Spitzbübisch grinste der Gefragte denn auch und gab seinen "Jungbrunnen" preis: "Ja nun, ich war immer sportlich aktiv und habe mich fit gehalten!" Der gebürtige Dortmunder und seit 1975 in Laisacker lebende frühere Bergmann ist "ein klasse Typ", wie ihn ein Gast bei seiner Geburtstagfeier im Rieder Sportheim titulierte. Und ein Mensch, der wie schon Ottheinrich mit der "Zeyt" gegangen ist.

Gesellschaftskolumne

Zu seinem Ehrentag spielte "vimmbahitgroup", eine Berliner Rockband, bei der Enkel Alexander Jovanovic an der Gitarre saß und Leader Alfred Schönfelder boxend Musik machte. Einfach originell war die musikalische Darbietung, die Heinz Becker in Entzücken versetzte. "Satisfaction" von den Stones, da wurde das Herz des Westfalen wieder jung, er lehnte sich zurück und erfreute sich am röhrenden Sound der Sechziger, und als die Uhr den neuen Tag anzeigte, da stand der 1920 im Dortmunder Stadtteil Mengede geborene Ruhrgebietler ganz im Mittelpunkt der großen Familie, die mit den drei Töchtern, Enkeln und Urenkeln angerückt war.

Heinz Becker - ein Leben, das kurz nach dem Ersten Weltkrieg begann und nun schon ins nächste Jahrtausend reicht. Zuerst lernte der Westfale aus dem Land der Roten Erde in Schleswig-Holstein den Beruf des Melkers, dann war er Soldat in Frankreich und in Russland, wo er schwere Erfrierungen an den Füßen erlitt. Schließlich Gefangennahme durch die Briten in Italien und schon fand sich Heinz Becker in Ägypten wieder. Unfreiwillig. Vier Jahre war er in Kriegsgefangenschaft im Land der Pyramiden.

Mit 28 fing der heute 90-Jährige noch einmal von vorne an. Er wurde Bergmann und war in der Zeche Hansemann unter Tage Hauer und Maschinist in der Seilfahrt. Durch seinen Bruder lernte er die inzwischen verstorbene Elisabeth Maier kennen und heiratete 1953 die Gietlhausenerin. Drei Töchter hat Heinz Becker, die jüngste, die frühere Kindergärtnerin in Laisacker Gudrun Jovanovic, zog mit ihnen 1975 nach Laisacker.

"Damit erfüllte sich mein Lebenswunsch, nach vielen Jahren Kohlenstaub die Landluft zu riechen", blickt Becker zurück. Freilich: Leicht war für ihn der Umzug von Dortmund nach Neuburg nicht, hatte er doch seine Heimat Verwandte und viele Freunde zurück gelassen. Oft plagte ihn das Heimweh, aber der Sport und seine Enkel richteten ihn immer wieder auf. Bis ins Alter lief er Langstrecke, bei Wettbewerben holte er sich manche Urkunde, legte immer wieder das goldene Sportabzeichen ab.

"Mit 63 lief ich 29 Kilometer in zwei Stunden, 34 Minuten und 45 Minuten", erinnert sich der stets gut gelaunte Jubilar. Freilich ärgert er sich noch heute, dass ein Unwetter damals sein Vorhaben, die 30 Kilometer zu vollenden, zunichte machte. Mit seinem Läuferfreund Edwin Reng aus Gietlhausen lief er jedes Wochenende 20 Kilometer. Ein Muskelfaserriss schließlich stoppte seinen sportlichen Ehrgeiz. Aber Becker dachte nicht daran aufzuhören, fortan spielte er bis zum vergangenen Jahr Tischtennis und schlug viele jüngere Kontrahenten. Auch jetzt ist noch nicht Schluss: Der Tag beginnt am Morgen mit Gymnastik und zweimal am Tage strampelt er 45 Minuten auf seinem Trimmrad.

(Mitarbeit und Bilder (2): Volker Möller)

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