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Madame Butterfly

25.10.2013

Großes Musikdrama auf kleiner Bühne

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2 Bilder
Madame Butterfly (Lauren Francis, Bildmitte) und Pinkerton (Franz Garlik) im Kreise der Geishas. Die Junge Oper Neuburg brachte Puccinis Operntragödie in einer optisch gut durchdachten Inszenierung auf die Bühne des Neuburger Stadttheaters.

Die Junge Oper Neuburg wagt sich an Puccinis Meisterwerk

Angesichts dieser Minimalisierung musste man sich auf Kompromisse einstellen. Das gehörte wohl auch zum Konzept der Veranstalter: einen Mittelweg zu finden zwischen dem (erwünschten) künstlerischen Anspruch, den das populäre, oft gehörte Werk stellt, und der (notwendigen) Beschränkung, die aufgrund der Möglichkeiten auferlegt ist.

Kompromissfähigkeit freilich war auch beim Zuhörer gefragt. Wem es möglich war, sich mit dieser Grundhaltung auf die Butterfly der JON einzulassen, wer es fertigbrachte, alles an den berühmten Bühnen x-mal Gehörte auszublenden, wer unvoreingenommen das Geschehen erwartete, dem stand ein erlebnisreicher Abend bevor.

Daran hat zunächst einmal die Dramaturgie entscheidenden Anteil. Ein wunderschönes, mit einfachen Mitteln wandlungsfähiges Bühnenbild zauberte das japanische Umfeld in den Raum. Großflächige Hintergrundprojektionen wurden geschickt eingesetzt, den Stimmungsverlauf zu unterstreichen. An hübschen Regieeinfällen hatte es keinen Mangel, etwa, als sich die Akteure in Bäume verwandelten und von ihnen die Blüten gepflückt werden konnten, oder als die Hochzeitsgesellschaft durch den Zuschauerraum zog.

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Das war bis ins Kleinste durchdacht und mit der Liebe zum Detail inszeniert. Nicht weniger liebe- und geschmackvoll entworfen die prachtvollen japanischen Gewänder, das farbenprächtige, jedoch nicht überladen wirkende Gesamtbild.

Wenn das Auge auf solche Art verwöhnt wird, ist das Ohr milde gestimmt. Es nimmt nicht übel, dass die mit Amateursängern besetzten Nebenrollen naturgemäß nicht immer den musikalisch schwierigen Verläufen gerecht werden konnten, insbesondere ließ die Intonation arg zu wünschen übrig. Was hier an Defiziten unüberhörbar blieb, wurde aber an mancher Stelle durch fabelhaftes schauspielerische Agieren wettgemacht. Suzuki, Butterflys Dienerin, tat sich hier besonders hervor. Überhaupt hatte man den Eindruck, dass die gesamte Theatergruppe bestens aufeinander eingespielt ist, jeder tat sein Bestes.

Eine ganz außergewöhnliche Leistung vollbrachte Stellario Fagone, der die musikalische Leitung innehatte. Die realisierte er nämlich vom Flügel aus, astrein und hochmusikalisch, dirigierte nebenbei das Miniorchester und holte aus dem Klavierauszug alles heraus, was die Partitur zu bieten hatte, sodass man das fehlende 50-köpfige Orchester fast vergaß. Geige, Flöte und Harfe, die es ersetzen sollten, taten ein Übriges, Klangfarben zu malen und dramatische Prozesse zu forcieren.

Ausdrücklich als „Tragödie“ bezeichnet Puccini seine Oper; damit hat er wirklich recht. Das traurige, tragische Geschehen geht zu Herzen. Die unglückliche Liebe der wundervollen, exotischen Butterfly zu dem amerikanischen Nichtsnutz Pinkerton rührt ans Gemüt, bei jeder Vorstellung auf´s Neue.

Die Intensität, mit der Lauren Francis die Titelrolle sang und spielte, lässt keinen kalt. Ihr biegsamer, ausdrucksstarker Sopran, der höchste Höhen erklimmt und auch in der Mittellage noch kräftig sitzt, vermag alle Nuancen sängerischer Möglichkeiten auszukosten. Die Darstellung „ihrer“ Butterfly war überzeugend. Allerdings sollte sie sich vor allzu häufig angebrachten Fortissimo-Schärfungen hüten, da ist weniger mehr! Dasselbe gilt für Franz Garlik, der den Marineleutnant Pinkerton sehr glaubhaft, zuweilen aber mit dynamischen Übertreibungen verkörperte.

Das Publikum entscheidet über die Qualität einer Aufführung. Wenn dieser Satz gilt, dann war die Premiere von Madame Butterfly ein beachtlicher Erfolg, denn lange anhaltend war der Beifall.

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