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Neuburg

01.12.2019

Körperverletzung: Geldstrafe für einen „groben Lackl“

Ein 27-Jähriger hat seine Freundin, deren Tochter und eine Bekannte verletzt.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

27-Jähriger verletzt Freundin, deren Tochter und eine Bekannte. Haft hält das Gericht für nicht gerechtfertigt.

Wegen dreifacher Körperverletzung saß am Amtsgericht Neuburg ein 27-Jähriger auf der Anklagebank. Der Mann war seine Lebensgefährtin, eine Bekannte sowie die dreijährige Tochter der Lebensgefährtin körperlich angegangen. Das Gericht hätte das Verfahren eingestellt, allerdings steht der Mann unter offener Bewährung und hat bereits eine Menge, auch einschlägige Vorstrafen. Jetzt muss er 2700 Euro Geldstrafe zahlen.

„Sie sind ein ausgesprochen grober Lackl. Sie können nicht ständig ihren Partnerinnen Gewalt antun. Sie prügeln zwar nicht, sind aber gewalttätig“, resümierte Amtsrichter Christian Veh. 15 Vorstrafen von 2008 bis 2019 gehen bereits auf das Konto des 27-Jährigen, der derzeit im Landkreis Weilheim-Schongau lebt. Darunter Diebstähle, Einbrüche, Beleidigungen und auch Körperverletzungen. Mit dem Gefängnis hat der junge Mann schon mehrere Male Bekanntschaft gemacht. Trotzdem hält sich der Angeklagte nicht im Zaum, obwohl er noch unter offener Bewährung wegen Körperverletzung und Vergewaltigung steht. Im Juni vergangenen Jahres lebte der 27-Jährige mit seiner 33-jährigen Freundin und deren sechs Monate alter Tochter in einer gemeinsamen Wohnung. Als das Baby brüllte, habe er die Kleine einfach ins Bett geworfen und die Türe verschlossen oder sie grob ins Zimmer gesteckt, um in Ruhe Computerspiele spielen zu können. Deren dreijährige Schwester, die eigentlich beim leiblichen Vater lebt, habe er einmal auf den Po geschlagen. Das Mädchen hatte danach panische Angst vor dem aggressiven 27-Jährigen, erzählte die 33-Jährige Frau vor Gericht. Auch Teller flogen schon mal durch die Wohnung. Nachdem die Familie im August 2018 nach Neuburg umgezogen war, wurde es schlimmer, so die junge Frau.

Gericht: Der 33-Jährige verwüstete das Schlafzimmer

An Silvester 2018/19 war der Angeklagte sehr betrunken. Bei einer Party in der Wohnung des Paares drückte er eine Bekannte auf den Boden und zwickte die Frau derart in den Unterschenkel, dass sie ein Hämatom davontrug. Nur wenige Wochen danach schlug der betrunkene Mann seine Freundin grundlos mehrmals mit der Hand auf den Oberschenkel, obwohl die 33-Jährige ihn bat aufzuhören. Danach verwüstete er auch das Schlafzimmer. Schon öfter, berichtete die Frau, hatte er sie grob angepackt.

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Die Auswertung des Chatverlaufs zwischen der 33-Jährigen und dem Angeklagten hatte keine Anhaltspunkte für Misshandlungen ergeben. Der Ton sei erst nach der Trennung rauer geworden, so die Sachbearbeiterin der Polizei vor gericht. Objektive Spuren konnten auch nicht ermittelt werden.

Vor Gericht bestritt der 27-Jährige alle Vorwürfe. Dennoch war Staatsanwältin Cathrin Hug von der Schuld des 27-Jährigen überzeugt. Aufgrund der einschlägigen Vorstrafen und der offenen Bewährung forderte sie acht Monate Gefängnis. Verteidiger Stefan Korn sah die Verletzungen am untersten Rand eines Straftatbestandes angesiedelt. Außerdem, so der Anwalt, gebe es keine Beweise und sein Mandant habe nicht in böser Absicht gehandelt. Eine Haftstrafe sehe er in keinster Weise gerechtfertigt und plädierte für eine Geldstrafe von 60 bis 80 Tagessätzen.

Richter Christian Veh verhängte schließlich 90 Tagessätze à 30 Euro (2700 Euro). „Wenn Sie so grob zu Freunden sind, möchte ich nicht wissen, wie Sie zu Feinden sind.“ Aber der Angeklagte habe nicht verletzen wollen. Die Umstände rechtfertigen es nicht, ihn in Haft zu stecken. Ohne Vorstrafen hätte man das Verfahren eingestellt, so Veh.

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