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Neuburg

04.12.2019

Kritik an den Kieswüsten der Stadt

Die Grünfläche an der Neuburger Luitpoldstraße wurde umgestaltet. Doch das Ergebnis gefällt vor allem Naturschützern überhaupt nicht. 
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Die Grünfläche an der Neuburger Luitpoldstraße wurde umgestaltet. Doch das Ergebnis gefällt vor allem Naturschützern überhaupt nicht. 
Bild: Gloria Geissler

Plus Der ehemalige Kreisfachberater für Gartenbau, Erwin Pommer, und Gärtnermeister Uwe Silbernagl sind entsetzt, was derzeit auf den öffentlichen Grünflächen „verbrochen“ wird.

Eigentlich schaut es ja ganz nett aus, das Stückchen Natur mitten in der Stadt, die Gräser und Stauden im Beet entlang der Neuburger Luitpoldstraße. Wären da nur nicht der Kies und ein paar weitere gestalterische Fragwürdigkeiten. Erst vor ein paar Wochen hat die Stadtgärtnerei das Areal gegenüber der Stadtbergauffahrt angelegt und schon hagelt es Kritik. Erwin Pommer, 36 Jahre lang Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege und bekennender Naturfreund, macht es zu seinem Vorzeige-Negativbeispiel, wenn es um die „kopflose Versiegelung“ von Fläche geht.

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Kies macht aus Leben eine tote Landschaft. Keine Käfer, die darüber krabbeln, keine Blüten, die von Bienen angeflogen werden und Baumwurzeln, die in den Sommermonaten unter dem heißen Stein brutzeln. Seit vielen Jahren kämpft Pommer gegen Hobbygärtner, die ihre Gärten mit Kies vollschütten und dazwischen ein bisschen „Pflanzengulasch“ pflanzen. Mit „Pflanzengulasch“ meint Pommer Koniferen wie Thuja und Eibe, die teilweise giftig sind und von Insekten gemieden werden. Und auch kein Vogel kann in ihnen brüten, dafür ist die Wuchshöhe der Pflanzen zu niedrig.

Kies macht aus Leben eine tote Landschaft

Aber gegen den Geschmack und die Gestaltung in Privatgärten kann auch er nicht viel machen – außer aufklären und beraten. Aber wenn es um öffentliche Grünflächen geht, kennt Pommer kein Pardon: „Die Stadt hat die Verpflichtung, mit gutem Beispiel voranzugehen. Sie muss außerdem das umsetzen, was das Artenschutz-Volksbegehren fordert.“ Es reiche nicht, ein paar Saattütchen auszuschütten und eine Handvoll Krokusse in die Erde zu drücken. Und schon gleich gar nicht dürfe eine blühende Fläche mit Kies überschüttet werden. „Der Bürger sieht so etwas und meint, das sei toll.“

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Die Stadt Ingolstadt geht mit gutem Beispiel voran und gestaltet derzeit ihre Kreisverkehre (rechts) in einem Pilotprojekt tierfreundlich um, wie Uwe Silbernagel berichtet. Er würde sich so etwas auch für Neuburg wünschen. Im Gegensatz zu der Kieswüste (links) in Neuburg-West ist der Ingolstädter Kreisverkehr auch noch schön anzusehen. 
Bild: Erwin Pommer

Rückendeckung bekommt er von Uwe Silbernagl. Der Gärtnermeister arbeitet viel mit der Stadt zusammen, aber auch er kann so manche Entscheidung nicht nachvollziehen. Zum Beispiel im Neubaugebiet Neuburg-West. Dort hat ein Anlieger unter Billigung der Stadtgärtnerei einen – zugegebenermaßen wenig attraktiven – Kreisverkehr umgestaltet. Wo früher zwei Bäume standen und Grasfläche war, liegt jetzt Kies – und dazwischen „Pflanzengulasch“. „Bäume sind die besten CO2-Vernichter“, sagt Silbernagl. „Wenn man die Blätter einer 100 Jahre alten Buche nebeneinanderlegt, ergibt das eine Fläche von 50 Fußballfelder.“ Deswegen sei es schade um jeden Baum, der verschwindet.

Mehr Kontrolle von der Stadt

Der Gärtnermeister wünscht sich mehr Kontrolle vonseiten der Stadt. Zum einen, ob in Neubaugebieten die Vorgaben der Bepflanzung eingehalten werden, und zum anderen, was die eigenen Mitarbeiter so alles „verbrechen“. Bestes Beispiel: die neu gestaltete Gärtnerstraße. Dort wurden Bäume gepflanzt. Toll! Allerdings fachlich vollkommen falsch, wie Silbernagl sagt. Die Holzpflöcke, die der Stabilisierung des Baumes dienen sollen, wurden derart nah am Stamm in den Boden gerammt, dass sie im Wurzelballen stecken. „Die Schnüre hätte man ganz einfach am Anfahrgitter befestigen können“, sagt Silbernagl. Die Verletzungen an der Wurzel seien ein optimales Eingangsportal für Pilze. Er prognostiziert: „In spätestens zehn Jahren wird die Stadtgärtnerei den Baum entfernen müssen.“

Direkt im Wurzelballen stecken die Pfosten zum Stabilisieren der Bäume in der Gärtnerstraße.
Bild: Erwin Pommer

Auch Stadtrat Alfred Hornung, seines Zeichens Referent für Grünanlagen, ruft seine Stadtratskollegen und die städtischen Mitarbeiter auf zu einem Umdenken: „So kann es nicht weitergehen. Wir müssen viel naturnäher denken und als Stadt mit positivem Beispiel vorangehen, vor allem in Zeiten des Klimawandels.“ Kiesflächen sind in seinen Augen keinesfalls akzeptabel. Grünflächen müssen grün sein – und bleiben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar „Es gibt gute Alternativen“.

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