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Neuburg

29.11.2020

Neuburger Innenstadt: Zäher Start in die Adventszeit

Etwas mehr Menschen als sonst waren am Langen Einkaufsabend in der Neuburger Innenstadt unterwegs. Doch der große Ansturm auf die Geschäfte blieb bisher noch aus.
Foto: Anna Hecker

Plus Trotz „Weihnachtsmarkt to go“ und „Black Friday“-Angeboten will das Weihnachtsgeschäft in Neuburg noch nicht so richtig anlaufen. Das sagen die Händler und Fieranten.

Schnäppchen und Prozente soweit das Auge reicht, gepaart mit Vorweihnachtsstimmung – die perfekte Mischung für kauffreudige Kunden, so möchte man meinen. In der Realität sah der lange Einkaufsabend zum „Black Shopping -Tag“ in der Neuburger Innenstadt jedoch etwas anders aus. Nur in wenigen Geschäften klingelte die Kasse. In den kleineren Läden wartete man vergeblich auf den großen Ansturm. Das konnte auch der „Weihnachtsmarkt to go“ am Schrannenplatz nicht ändern, in dem das Stadtmarketing gerne einen Kundenmagneten gesehen hätte, der das Weihnachtsgeschäft ordentlich ankurbeln sollte.

Lange hatten die Stadträte um die Neuburger Weihnacht gekämpft, doch schlussendlich war das Konzept mit gemütlichen Glühweinständen und einem sinnlichen Verweilen auf dem Markt durch die Corona-Beschränkungen nicht umsetzbar. Stattdessen stehen nun einige Hütten auf dem Schrannenplatz, an denen Schmankerl zum Mitnehmen angeboten werden. Die Hoffnung blieb jedoch, dass durch den abgespeckten Weihnachtszauber Kunden in die Innenstadt gelockt werden. Am „Black Friday“, an dem deutschlandweit Prozente locken, wurden die Öffnungszeiten auf 20 Uhr ausgedehnt, nicht nur in den Weihnachtsbuden, sondern auch in den teilnehmenden Geschäften in der Innenstadt.

Angebote im Rahmen des "Black Friday" auch in Neuburg

Doch sowohl auf dem Schrannenplatz als auch in den umliegenden Läden war die Einkaufsstimmung eher verhalten. Die meisten Besucher ließen sich eher vom deftigen Geruch der Bratwurstsemmeln in den Bann ziehen, vor Heinzlmeier‘s Steakbraterei riss eine Schlange von rund 20 Personen kaum ab. Auch zu den anderen Buden trauten sich kleine und große Besucher, vielen merkte man aber eine gewisse Unsicherheit beim Gang über den Markt an mit verpflichtender Mund-Nase-Bedeckung. Auch verspeisen darf man die Schmankerl nicht auf dem Schrannenplatz. Dazu muss man das Areal verlassen. 20 Meter weiter, zum Beispiel vor dem Müller Markt ist der Verzehr dann erlaubt. Die Steaksemmel oder der Crepe muss verpflichtend in Alufolie ausgegeben werden, um dann im nächsten Mülleimer entsorgt zu werden.

Steaksemmel, Würstelsemmel und Co. am „Heinzlmeier’s“-Stand war sehr beliebt, die Menschen standen Schlange. Doch gegessen werden dürfen die Schmankerl am Schrannenplatz nicht.
Foto: Anna Hecker

Einige Fieranten der Weihnachtsbuden zeigten sich zudem enttäuscht, dass der kleine „to-go-Markt“ gänzlich ohne musikalische Untermalung auskommen muss. „Dieses Jahr ist es schon schwer genug, dass Adventsstimmung aufkommt, da wäre es schön gewesen, wenn der Platz wenigstens nicht still dagelegen hätte, sondern man über Lautsprecher Weihnachtslieder hören könnte“, findet man unter anderem bei der Baumstriezel-Hütte oder am Stand mit den gebrannten Mandeln. „Die Kunden kommen, aber von Gemütlichkeit keine Spur“, sagt Sylvia Reiser, die die süßen Nüsse und Lebkuchenherzen verkauft. „Wir sind froh, dass wir überhaupt kommen durften, aber mit dem regulären Weihnachtsgeschäft ist die diesjährige Frequenz in keiner Weise zu vergleichen.“

In Neuburg waren die Geschäfte am langen Einkaufsabend länger geöffnet

Die Enttäuschung spürt man auch beim Spaziergang durch die Läden in der Innenstadt. Die meisten Verkäufer zeigen sich dankbar für das Engagement des Stadtmarketings, einen wirklichen Kundengewinn spüren sie durch die zwei zusätzlichen Öffnungsstunden jedoch nicht. „Die Menschen sind mittlerweile so vorsichtig geworden. Die Zeit des genussvollen Einkaufens scheint vorbei zu sein“, zeigt sich Elke Schubert von Elke‘s Teekanndl enttäuscht. In ihren Laden dürfen gerade noch zwei Kunden gleichzeitig. Die meisten rufen deshalb vorher bei der Verkäuferin an, bestellen Waren vor und holen diese nur noch schnell ab. Ob der Weihnachtsmarkt am Schrannenplatz etwas mehr Kunden in die Stadt locke? „Vielleicht ein klein wenig, es ist besser als nichts“, sagt Schubert.

Von der positiven Wirkung des Weihnachtszaubers merken andere Händler nichts. Im Trachtengeschäft Bergmair ist die Enttäuschung über den „Black Shopping-Tag“ groß. „Ich habe versucht, so viel Werbung wie möglich über Social Media zu machen, aber das Weihnachtsgeschäft will einfach nicht in Gang kommen“, sagt Inhaberin Nadine Bergmair. Die meisten Kunden würden bei ihr im Laden Tracht für besondere Anlässe und Veranstaltungen kaufen, seit diese verboten sind, ist der Umsatz eingebrochen. „Wofür brauchen die Menschen noch festliche Kleidung, wo man doch nur noch Zuhause bleiben soll?!“

Der Weihnachtsmarkt soll Besucher in die Neuburger Innenstadt locken

Das Bild zieht sich durch die meisten Läden. Zwar trifft man auf der Einkaufsstraße immer wieder den ein oder anderen Schnäppchenjäger, der große Kundenandrang bleibt jedoch aus. Während in den vergangenen Jahren das Weihnachtsgeschäft Ende November brummte, bleiben die Umsätze in der Innenstadt mau.

Den Händlern und Budenbesitzern bleibt die Hoffnung, dass der zähe Start keine Prognose für die gesamte Adventszeit ist, wirklich optimistisch blickt aber keiner auf die kommenden Wochen. „Wenigstens haben wir eine wunderschön beleuchtete Stadt“, sagt Schubert. „Viele Kunden von außerhalb sind begeistert, dass in Neuburg wenigstens der Versuch gemacht wird, schöne Stimmung zu erzeugen. Statt gar nichts, gibt es hier immer noch einen kleinen Rest vom weihnachtlichen Zauber.“ (mit glori)

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