1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Pater Gerhard schenkt den Kleinen und Großen in Mandeni Hoffnung

Soziales

12.06.2019

Pater Gerhard schenkt den Kleinen und Großen in Mandeni Hoffnung

Der Kindergarten der Bruderschaft liegt etwa 30 Kilometer vom Care Center in der Großstadt Mandeni im Busch, wo es sonst keine Möglichkeiten für die Kinderbetreuung gibt.
Bild: Julia Abspacher

Das Wirken der „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ in Mandeni ist für die Menschen dort ein Segen. Pater Gerhard Lagleder ist ihr Gründer. Am Wochenende hält er in Neuburg wieder Gottesdienste und bittet um Spenden.

In seine „zweite Heimat“ Neuburg kehrt Pater Gerhard Lagleder am Wochenende zurück. Der Benediktinerpater hat in Mandeni in Südafrika die „Brotherhood oft Blessed Gérard“ („Bruderschaft des Seligen Gerhard“) gegründet. Dort wurde 1996 das von ihr aufgebaute große Care-Zentrum eingeweiht, das seitdem sehr erfolgreich gegen Elend und Krankheit ankämpft. Pater Lagleder hält am Samstag und Sonntag, 15. und 16. Juni, in Neuburg wieder Gottesdienste. Die Heiligen Messen werden am Samstag um 18 Uhr in Heilig Geist sowie am Sonntag, 16. Juni, um 9 Uhr in St. Georg in Ried und um 10.30 Uhr in der Neuburger Hofkirche gefeiert. Dabei wird Pater Gerhard auch von seiner Arbeit erzählen und wieder um großherzige Spenden bitten. Um sich besser vorstellen zu können, was mit den Geldern geschieht, schildert unsere Mitarbeiterin Julia Abspacher die Eindrücke ihres sechswöchigen Aufenthalts in Mandeni im vergangenen Jahr.

Im großen Care Center in Mandeni sind das Hospiz und das Kinderheim der „Bruderschaft des Seligen Gerhard“ untergebracht. Eingeweiht wurde das Zentrum im Jahr 1996.
Bild: Julia Abspacher

Wenn man sechs Wochen lang im Gästezimmer des Care Centers im zweiten Stock schläft, kann man die Welt um sich herum fast vergessen. Es gibt fließendes und warmes Wasser, Federbetten und sogar eine Klimaanlage gegen die Hitze des afrikanischen Frühlings, der sich wie unser europäischer Hochsommer anfühlt, kurz: allen Komfort, den man sich wünschen kann. Wenn man aber aus dem Fenster sieht, merkt man schnell, dass dieser relative Luxus, den die Patienten im Hospiz und die Kinder im Heim erleben können, mit dem normalen Leben in Mandeni nicht viel zu tun hat. Denn die Realität vor Ort sieht ganz anders aus: Ein Großteil der Bevölkerung kann von Wasser und Strom und einem sicheren Zuhause nur träumen, die Kriminalität auf den Straßen ist hoch und rund zwei Drittel der Einwohner sind HIV-positiv. Schreckliche Lebensumstände, über die auch die Schönheit der Landschaft nicht hinwegtäuschen kann. Und trotz aller Widerlichkeiten lassen sich die Brotherhood of Blessed Gérard und ihre Mitglieder, allen voran natürlich Pater Gerhard, seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht einschüchtern und arbeiten jeden Tag daran, das Leben so vieler vor Ort zu verbessern, wovon ich mich selbst überzeugen durfte.

NR-Mitarbeiterin Julia Abspacher berichtet von ihrem Aufenthalt bei Pater Gerhard in Mandeni/Südafrika

Während meines Aufenthalts lernte ich die verschiedenen Tätigkeiten im Care Center kennen. Im Kinderheim gab es wegen der verschiedenen Altersstufen allerhand Unterschiedliches zu erledigen. Während die Kleinsten gefüttert werden und die Windeln gewechselt bekommen müssen, brauchen die Älteren eher Mathe-Nachhilfe oder Unterstützung bei anderen Schulprojekten. Und auch wenn sie am anderen Ende der Welt aufwachsen, merke ich immer wieder, wie ähnlich sie Kindern und Jugendlichen in Deutschland in ihren Interessen sind, und wie viel Lebensfreude sie trotz ihrer manchmal schwierigeren Lebensumstände versprühen. Auch untereinander helfen sie sich gegenseitig, die Größeren kümmern sich wie Geschwister um die Kleineren, alles wirkt wie eine, eben sehr große, Familie. Es ist schön, zu wissen, dass die Kinder die hier aufwachsen, eine echte Chance auf eine bessere Zukunft haben, schließlich wird ihnen eine anständige Schulbildung und danach eine Ausbildung oder eventuell ein Studium finanziert. Auch die Leiter und Arbeiter im Kinderheim kümmern sich liebevoll um ihre Schützlinge, fördern und fordern sie.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Im Hospiz können nicht nur Sterbende die ihnen verbliebene Zeit in Würde und Ruhe verbringen und vielleicht zum ersten Mal wirkliche Fürsorge erfahren. Es gibt auch viele Patienten, die eigentlich gar nicht todkrank sind, aber die in ihrem eigenen Zuhause einfach nicht gepflegt werden könnten, weil die Lebensumstände zu schlecht sind und niemand da ist, der wüsste, wie man sich richtig um sie kümmert.

Hilfsbedürftige werden in Mandeni von den Mitarbeitern des Care Centers in auch regelmäßig zu Hause besucht

Wie die Menschen vor Ort leben, erfährt man so richtig, wenn man einmal mit der Home Care hinausfährt, die die fast 800 Aidskranken, um die sich die Bruderschaft kümmert, aber auch andere Hilfsbedürftige regelmäßig besucht. Immer wieder zeigt die Besatzung des Krankenwagens beim Vorbeifahren auf Häuser, in denen Patienten wohnen. Dies verdeutlicht, wie feinmaschig das Netz der Nächstenliebe, das das Care Center aufgespannt hat, hier ist, aber auch wie viele Menschen der Hilfe bedürfen. Gleich der erste Patient an diesem Tag liegt zusammengekauert in einem maroden Bett im hintersten Winkel einer düsteren Hütte, es stinkt nach Exkrementen und Hühner laufen wild im Raum umher. Seine Angehörigen haben die Home Care gerufen, der Mann weigert sich, Medikamente zu nehmen oder Windeln zu tragen, um sein Leiden wenigstens ein bisschen abzumildern. Als das Team des Krankenwagens seine Daten aufnimmt, um eine Krankenakte anzulegen, stutze ich: Der Mann ist erst 39 Jahre alt und hätte noch so viel Lebenszeit vor sich, aber bringt selbst anscheinend nicht den Willen auf, gegen seine Krankheit anzukämpfen, obwohl sich so viele Menschen um ihn herum offensichtlich um ihn bemühen. An der Tür der nächsten Patientin wartet deren Verwandte und erzählt uns: Die alte Dame ist ein paar Tage vorher leider verstorben. Das sind Tiefschläge und traurige Momente, von denen sich das Team aber nicht unterkriegen lässt. Aus dem nächsten sehr gepflegten Häuschen winkt schon eine Frau entgegen. Noch im selben Frühling war sie Patientin im Hospiz gewesen, wenige Monate später geht es ihr jetzt wieder viel besser und sie freut sich über den Besuch aus dem Care Center.

Pater Gerhard überreicht Julia Abspacher an ihrem letzten Tag die Medaille der Bruderschaft.
Bild: Julia Abspacher

Dieses sorgt nicht nur für die Kinder und Patienten, was mir schnell klar wird. In einer Gegend, in der genauso viele Menschen arbeitslos sind wie es Beschäftigte gibt, ist die Brotherhood of Blessed Gérard ein guter und zuverlässiger Arbeitgeber. Nicht nur die Patienten kommen aus den Townships und Informal Settlements, auch die Angestellten und Volunteers wohnen dort, waschen ihre Diensthemden in den Flüssen statt in der Waschmaschine und machen sich in den wahnwitzigen südafrikanischen Minitaxis jeden Tag auf den Weg, um hier arbeiten zu können. Denn auch für sie bietet sich so die Möglichkeit, ein strukturiertes Leben aufzubauen, ihre Kinder zur Schule zu schicken und für eine bessere Zukunft zu arbeiten.

Die Angestellen im Care Center in Mandeni sind stolz darauf, dazuzugehören

Und dass es ihnen hier gefällt, merkt man bei jeder Gelegenheit. Die Menschen sind fröhlich, es herrscht ein kollegialer und respektvoller Umgang, was in Südafrika bei Weitem nicht normal ist. In den sozialen Medien teilen die Angestellten, aber auch die Kinder Bilder der Arbeit und aus dem Kinderheim, sie sind offensichtlich stolz, dazuzugehören. Dafür sorgt auch der gemeinsame Gottesdienst jeden Morgen um halb acht.

Wenn man sechs Wochen im Gästezimmer des Care Centers wohnt, merkt man nach und nach, wie weitreichend dessen Einfluss in der Gegend von Mandeni ist, und wie viele Leben sowohl direkt als auch indirekt davon betroffen sind und verbessert werden. Auch wenn man angesichts der größtenteils furchtbaren Realität vor Ort oft verzweifeln möchte, ist es ein Trost, zu wissen, dass das Care Center und die Bruderschaft beständig daran arbeiten, diese zu verbessern. Und das auch wirklich für so viele Menschen schaffen.

Wissenswertes über das Projekt von Pater Gerhard Lagleder

  • Zur Person Pater Gerhard Lagleder ist am 2. Juli 1955 in Regensburg geboren. 1987 wurde er als Missionar aus der Erzabtei St. Ottilien nach Südafrika ausgesandt. 1992 hat er in der Provinz KwaZulu-Natal die Hilfsorganisation „Brotherhood of Blessed Gérard“ („Bruderschaft des Seligen Gerhard“) ins Leben gerufen. Aus dem nach dem Gründer des Malteser-Ordens benannten, kleinen, privaten Verein von Gläubigen hat sich die größte Hilfsorganisation der katholischen Kirche in Südafrika entwickelt und wurde schon 1993 als offizielle Hilfsorganisation des Malteserordens anerkannt. Betreut werden vor allem HIV-Infizierte und AIDS-Kranke.
  • Das Großprojekt 1996 wurde ein großes soziales Zentrum in der Großstadt Mandeni eingeweiht und seitdem ständig weiter entwickelt. In diesem Großprojekt und von dort aus nach draußen in die Weite des Zululandes wird nicht nur den oft schwer kranken Ärmsten der Armen vielfältige medizinische Hilfe kostenlos geboten, sondern auch echte Geborgenheit vermittelt, wie sie die an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen vorher nicht kannten. Zudem stellen viele ihrer Projekte ein nachhaltiges Programm zur Selbsthilfe dar – ermöglicht durch großzügige Zuwendungen der vorwiegend deutschen und österreichischen Spender.
  • Aktuelles Auch 2018 stand die Aufrechterhaltung der Dynamik der bestehenden Projekte im Mittelpunkt: vielfältiges Hospiz, erfolgreiches modernes AIDS-Programm (im vergangenen Jahr 703 Patienten), Kinderheim für Waisen und gefährdete Kinder (64 Kinder), Kindergarten mit Vorschule für sozial benachteiligte Kinder in Whebede, einer ärmlichen ländlichen Gegend nahe Mandeni (80 Kinder), Klinik für unter-, mangel- und fehlernährte Kinder, weiter Stipendienfonds für Schüler und Studenten und Nothilfefonds. Ende 2018 gab es 86 hauptamtliche Mitarbeiter.
  • Neuburg Weil in Neuburg Schwester und Bruder (Studiendirektor Johannes Lagleder am Descartes-Gymnasium) leben, ist der Raum Neuburg von Anfang an zu einem besonderen Schwerpunkt der Hilfe für Mandeni geworden, mit dem Gymnasium als einer Art Keimzelle.
Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_0428.tif
Neuburg

So genießen die Neuburger den Sommer

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen