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Neuburg/Heinrichsheim

02.05.2017

So viel Arbeit macht ein Maibaum

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Die Freiwillige Feuerwehr Heinrichsheim stellte mit ihren fleißigen Helfern aus dem Ort ihren Maibaum auf traditionelle Art auf. Zuvor benötigte es jeden Einzelnen, um den Maibaum aus dem Wald zu holen.
Bild: Galina Bauer

Die Feuerwehr Heinrichsheim stellt jedes Jahr ihren Baum auf traditionelle Weise auf. Heuer ging beim Fällen einiges schief.

Im Gietlhausener Wald steht die auserwählte Fichte. Kerzengerade ragt sie gen Himmel. Ihr Stamm ist nicht zu dick und nicht zu dünn. Etwa eineinhalb Tonnen ist sie schwer. Sie steht optimal am Wegesrand – der perfekte Maibaum für die Heinrichsheimer.

Insgesamt 14 Männer, sowohl aktive als auch passive Mitglieder der Feuerwehr Heinrichsheim, bilden die sogenannte Vorhut. Sie schaufeln die Wurzeln frei und befestigen in schwindelerregender Höhe die Sicherungsseile. Wenn später die freiwilligen Helfer kommen, muss alles bereit sein.

Zersägter Maibaum sorgte jahrelang für schlechte Stimmung

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Als die Vorhut am Sonntagmorgen im Gietlhausener Wald ankommt, herrscht schon Aufruhr. Zwei weitere Feuerwehren sind bereits dabei, ihren eigenen Maibaum zu fällen. Ausgerechnet die Marienheimer Feuerwehr arbeitet einige hundert Meter weiter. „Es ist schon etliche Jahre her, da haben wir den Marienheimern ihren Maibaum in drei Teile zersägt. Wir wurden dabei erwischt,“ erzählt Norbert Gottschall und lacht dabei. „Anschließend war die Stimmung zwischen uns jahrelang auf dem Tiefpunkt.“

Nun zählt aber nur der eigene Maibaum. Die Sonne strahlt nach wochenlangem Regen zwar erstmals, der Waldboden ist aber noch sehr feucht. Moos und Matsch wechseln sich ab. Das macht die Arbeit nicht gerade leichter. Modrig erdiger Geruch steigt in die Nase. Wo keine Sonnenstrahlen durchdringen, ist es kühl. Wenn man die Männer fragt, herrschen optimale Arbeitsbedingungen. „Für uns ist das keine Arbeit, sondern reiner Spaß“, schwärmt Werner Engel. Er ist in einem weißen Unimog gekommen. An sein Fahrzeug und an zwei weiteren sind Sicherungsseile gebunden, wenn der Baum zu schnell fällt, müssen die Fahrzeuge von hinten her stabilisieren.

Beim Fällen kann nun mal einiges schief gehen

In kürzester Zeit ist die Fichte vorbereitet. Ein Wagen mit der euphorischen Nachhut fährt vor. Die Unimogs stehen bereit. Jetzt wird es ernst. Feuerwehrkommandant Michael Ebert gibt Anweisungen. Die Helfer ziehen an den Seilen, um den Baum zu Fall zu bringen, während die Männer eine Wurzel nach der anderen mit der Säge durchtrennen. Sowohl beim Fällen, als auch beim Aufstellen ist Vorsicht das oberste Gebot. Langsam muss es gehen. „Ziehen!“ Mit Muskelkraft bewegt sich die Fichte langsam zum Boden. Erst ein bisschen, je weniger Wurzeln sie halten, umso schneller. Dann geht alles zu schnell. Der Baum saust zu Boden. Der Baumwipfel bricht ab. Eine neue Fichte muss her. „Es nützt alles nichts, Männer“, gibt Ebert seinem Team Mut, „wir müssen einen neuen Baum fällen.“

Mit Aussicht auf Brotzeit und Bier geht die Arbeit schneller

„Was so tragisch klingt, passiert öfter, als so manch einer glaubt. Deshalb suchen wir uns im Vorfeld immer ein paar Bäume aus“, sagt Ebert. Die nächste geeignete Fichte steht mehrere hundert Meter tief im Wald. Diesmal geht die Sache viel zügiger. Die Aussicht auf Bier und Brotzeit spornt die Heinrichsheimer an. Als 20 Minuten später der Baum unversehrt auf dem Boden liegt, ist den Männern die Erleichterung sichtlich anzumerken. Die wirkliche Anstrengung liegt aber noch vor den Heinrichsheimern. Nur mit vereinten Kräften wuchten die Männer und Frauen die riesige Fichte auf die dazu vorgesehenen Wägelchen und fixieren sie an einem Traktor. Der Weg durch den Schlamm ist beschwerlich, die kleinen Räder kommen nur mühevoll durch den matschigen Boden. Auch der Traktor hat zu kämpfen, darf bei starkem Gefälle und riesigen Pfützen nicht steckenbleiben. Als der Baum endlich aus dem Wald raus ist, sind die meisten voller Dreck und aus der Puste. Die lang ersehnte Brotzeit haben sie sich verdient. Probleme seien das nicht gewesen, so Ebert. Das gehöre nun mal zur Tradition dazu. Genauso wie das Aufstellen mithilfe von Schwalben. Der letzte Kraftakt auf dem Weg zu einem prächtigen Maibaum. Seit Sonntag ist er die neue Zierde des Ortes.

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