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21.03.2009

"Treffpunkt Tegernsee" - eine Welturaufführung

Neuburg (js) - Das Neuburger Volkstheater probt auf Hochtouren - schließlich steht eine Welturaufführung kurz bevor: Unter der Regie von Oliver Vief und Astrid Batzoni nimmt derzeit die Operette "Treffpunkt Tegernsee" von Leon Jessel (in Bearbeitung von Hermann J. Vief) Gestalt an. Die Premiere ist dann am Ostersonntag, 12. April, im Stadttheater zu sehen.

In sicherlich reizvollen Darbietungen bewegen die zahlreichen heimischen Laienakteure, die bereits in der Vergangenheit beeindruckt haben, das Rad der Geschichte und gehen zurück in die Welt der 20er Jahre. Genau in dieser Zeit erfreuten sich Feste, Revuen, Operetten und in zunehmendem Maße auch der Film besonderer Beliebtheit beim Publikum. Vor allem die Revue spiegelte das Lebensgefühl der Zeit nach dem Krieg wider. So auch die als Seeromanze notierte Operette. Diese beinhaltet zahlreiche wunderschöne Melodien des Komponisten Leon Jessel, die von Nicola Kloss einstudiert werden.

Leon Jessel wurde am 22. Januar 1871 geboren. Später bekannte er sich wie so viele assimilierte Juden, zu einem deutschen und national eingefärbten Patriotismus und komponierte neben Liedern, Salonstücken, Mazurken und Klavierwerken vor allem auch Märsche zu Ehren bedeutender Persönlichkeiten, etwa Mussolini oder Hindenburg.

Als Theaterkapellmeister an Provinzbühnen reiste er durch Deutschland. 1911 kam er nach Berlin, wo er mit der Operette "Schwarzwaldmädel" den Durchbruch schaffte. Das in Berlin und im Schwarzwald spielende Bühnenstück feierte das Leben der einfachen Leute - und lenkte damit von den deprimierenden Frontnachrichten des ersten Weltkrieges ab.

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Abgewiesen wegen jüdischer Abstammung

Jessel fühlte sich ursprünglich den sogenannten "Deutschnationalen" nahe. Nach Hitlers "Machtergreifung" ersuchte er um Aufnahme in den "Kampfbund für Deutsche Kultur", wurde jedoch wegen seiner jüdischen Abstammung abgewiesen.

Am 15. Dezember 1941 wurde er zur Gestapo-Leitstelle in Berlin-Mitte vorgeladen, wo ihm "Verbreitung von Greuelmärchen" und "Hetze gegen das Reich" vorgeworfen wurden. Grund war ein 1939 geschriebener Brief an seinen Librettisten Wilhelm Sterck nach Wien, den man bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt hatte. Darin hatte Jessel geschrieben: "Ich kann nicht arbeiten in einer Zeit, wo Judenhetze mein Volk zu vernichten droht, wo ich nicht weiß, wann das grausige Schicksal auch an meine Tür klopfen wird."

Darauf hin wurde Leon Jessel verhaftet, man inhaftierte den 70jährigen in einem Bunker. Am 4. Januar erhielt seine Frau ein Telegramm, er sei ins Jüdische Krankenhaus eingeliefert worden. Dort starb Jessel, misshandelt und geschwächt.

Sein Biograph kommentierte: "Leon Jessel (...) war ganz gegen seinen Willen zum Regimekritiker geworden. Trotz aller Schikanen wolle er bis zuletzt nicht wahrhaben, dass ihn sein Vaterland nicht als Deutschen akzeptierte und ihm deshalb sein Heimatrecht verweigerte."

Seine Operettenkompositionen aber überlebten die damalige Zeit und gehören bis heute zum festen und erlesenen deutschsprachigen Bühnenrepertoire.

Die Aufführungen sind am 12.,17.,18. April, jeweils um 20 Uhr, am 19. April um 11 und 19 Uhr sowie vom 23. bis 25. April, jeweils ab 20 Uhr im Stadttheater. Karten gibt es unter anderem bei der Neuburger Rundschau (Telefon 08431/677659) und bei Edeka Schnell (44866).

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